T Tierlexikon.net
← Lexikon

Flunder

F

Tierart – Fische > Meeresfische – Speise & Wild

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Platichthys flesus
  • Ordnung: Plattfischartige (Pleuronectiformes)
  • Familie: Schollen (Pleuronectidae)
  • Gattung: Platichthys
  • Lebensraum: Küstengewässer, Flussmündungen, Brackwasser, teilweise Süßwasser
  • Größe: 20–40 cm, maximal bis 60 cm
  • Gewicht: 0,3–1 kg, in Ausnahmefällen bis 2,5 kg
  • Lebenserwartung: 12–15 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Flunder besitzt den für Plattfische typischen, seitlich stark abgeflachten Körper mit asymmetrischer Körperform. Beide Augen befinden sich bei adulten Tieren auf derselben Körperseite – in der Regel auf der rechten Seite, wobei bei der Flunder ein vergleichsweise hoher Anteil sogenannter „Linksäuger" vorkommt. Diese Variabilität in der Augenlage unterscheidet sie von vielen anderen Vertretern der Pleuronectidae, bei denen die Augenposition deutlich konstanter ist.

Die Augenseite (Oberseite) ist olivbraun bis graubraun gefärbt und zeigt undeutliche, dunkle Flecken, die eine hervorragende Tarnung auf sandigem oder schlammigem Grund ermöglichen. Die Blindseite (Unterseite) ist weißlich bis cremefarben. Entlang der Seitenlinie und an den Ansätzen der Flossenstrahlen befinden sich kleine, raue Knochenhöcker (Tuberkel), die sich beim Überstreichen der Haut deutlich ertasten lassen. Dieses Merkmal dient als sicheres Unterscheidungskriterium gegenüber der eng verwandten Scholle (Pleuronectes platessa), deren Haut glatter ist und die auffällige orangerote Punkte trägt.

Die Schuppen der Flunder sind klein und cycloid auf der Blindseite, auf der Augenseite dagegen teilweise ctenoid, also mit feinen Zähnchen am Hinterrand versehen. Die Rücken- und Afterflosse erstrecken sich nahezu über die gesamte Körperlänge. Die Schwanzflosse ist leicht abgerundet.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Flunder erstreckt sich über den Nordostatlantik von der norwegischen Küste und dem Weißen Meer im Norden bis zu den Küsten Marokkos und des Mittelmeerraums im Süden. In der Ostsee ist sie einer der häufigsten Plattfische und besiedelt dort auch Bereiche mit stark reduziertem Salzgehalt. In der Nordsee kommt sie ebenfalls zahlreich vor.

Eine Besonderheit der Flunder gegenüber anderen Meeresfischen ist ihre ausgeprägte Euryhalinität: Sie toleriert einen weiten Bereich an Salzkonzentrationen und dringt regelmäßig weit in Flussmündungen und Brackwasserzonen vor. Einzelne Exemplare werden in Flüssen wie Elbe, Weser, Rhein oder Weichsel dutzende Kilometer landeinwärts im Süßwasser angetroffen. Ihr bevorzugtes Habitat sind flache, weichgründige Küstenbereiche mit Sand- oder Schlickboden in Tiefen von 0 bis 50 Metern, gelegentlich bis 100 Meter.

Ernährung

Die Flunder ernährt sich als Bodenfisch überwiegend von benthischen Organismen. Zum Nahrungsspektrum gehören Würmer (insbesondere Polychaeten wie der Wattwurm), kleine Muscheln, Schnecken, Garnelen und Flohkrebse. Jungfische fressen vorwiegend Meiofauna und kleine Crustaceen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt bevorzugt in der Dämmerung und während der Nacht, was die Flunder als überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv kennzeichnet. Tagsüber liegt sie meist im Sediment eingegraben und wartet regungslos auf Beute, die in unmittelbare Nähe gerät.

Verhalten & Lebensweise

Flundern leben als Einzelgänger und sind standorttreue Bodenbewohner, die kein Revier im engeren Sinne verteidigen. Ihre Fortbewegung erfolgt durch wellenförmige Bewegungen der Rücken- und Afterflosse dicht über dem Grund. Bei Gefahr graben sie sich mit schnellen, undulierenden Körperbewegungen in das Sediment ein, bis nur noch die Augen herausragen. Die Fähigkeit zum aktiven Farbwechsel erlaubt es ihnen, ihre Oberseite innerhalb weniger Minuten an die Beschaffenheit des Untergrunds anzupassen – eine Form der Krypsis, die sowohl dem Schutz vor Fressfeinden als auch der Jagd dient.

Saisonal unternehmen Flundern Wanderungen zwischen tieferen Winterquartieren und flachen Küstengewässern im Sommer. Junge Flundern wandern im Frühjahr aktiv in Ästuare und Flussmündungen ein und kehren mit zunehmender Reife in salzhaltigere Gewässer zurück.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Laichzeit der Flunder fällt je nach Region in die Monate Februar bis Juni. In der Nordsee beginnt sie früher als in der Ostsee. Zur Fortpflanzung ziehen die Tiere in tiefere, salzreichere Gewässer, da die Eier einen bestimmten Mindestsalzgehalt für ihre Schwebfähigkeit benötigen. In der Ostsee, wo der Salzgehalt teils sehr gering ist, sinken die Eier häufig zu Boden – hier haben sich Populationen mit schweren, am Grund abgelegten Eiern herausgebildet, was als lokale Anpassung gilt.

Ein Weibchen gibt je nach Körpergröße zwischen 400.000 und 2 Millionen pelagische Eier ab. Die Befruchtung erfolgt extern durch das Männchen. Die Larven schlüpfen nach etwa einer Woche und leben zunächst als bilateral symmetrische, freischwimmende Organismen im Plankton. Die Metamorphose zum Plattfisch – bei der ein Auge auf die andere Körperseite wandert, der Schädel sich verformt und das Tier zur bodenlebenden Lebensweise übergeht – findet bei einer Körperlänge von etwa 7 bis 10 Millimetern statt. Dieser Vorgang dauert mehrere Wochen und gehört zu den auffälligsten ontogenetischen Umgestaltungen im Tierreich. Die Geschlechtsreife wird mit 2 bis 4