Gallenblase
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Definition & Überblick
Die Gallenblase (lat. Vesica fellea oder Vesica biliaris) ist ein dünnwandiges, birnen- bis sackförmiges Hohlorgan, das als Reservoir für die in der Leber (Hepar) kontinuierlich produzierte Galle (Bilis) dient. Sie gehört funktionell zu den ableitenden Gallenwegen (Viae biliferae) und ist bei den meisten Haussäugetieren an der Viszeralfläche der Leber lokalisiert, typischerweise in der Fossa vesicae felleae zwischen dem rechten Leberlappen (Lobus hepatis dexter) und dem Quadratlappen (Lobus quadratus). Die Gallenblase speichert die Lebergalle, dickt sie durch Wasserresorption ein und gibt sie bei Bedarf – insbesondere nach Futteraufnahme – über den Ductus cysticus und den Ductus choledochus in das Duodenum ab.
Aufbau & Struktur
Morphologisch gliedert sich die Gallenblase in drei Abschnitte: den Fundus vesicae felleae (Blindende, ragt kaudal über den Leberrand hinaus), das Corpus vesicae felleae (Körper, Hauptreservoir) und das Collum vesicae felleae (Hals), das trichterförmig in den Ductus cysticus übergeht. Der Ductus cysticus vereinigt sich mit dem Ductus hepaticus communis zum Ductus choledochus (Gallengang), der an der Papilla duodeni major in das Zwölffingerdarm-Lumen mündet.
Die Wand der Gallenblase zeigt einen typischen dreischichtigen Aufbau:
- Tunica mucosa: einschichtiges hochprismatisches Epithel mit zahlreichen Falten und Krypten, das für die Resorption von Wasser und Elektrolyten verantwortlich ist. Becherzellen fehlen weitgehend; im Halsbereich finden sich schleimproduzierende Drüsen.
- Tunica muscularis: glatte Muskulatur, die überwiegend zirkulär, teils auch schräg und longitudinal angeordnet ist. Ihre Kontraktion bewirkt die Entleerung der Gallenblase.
- Tunica serosa bzw. Tunica adventitia: je nachdem, ob der Abschnitt peritoneal überzogen oder direkt an das Leberparenchym geheftet ist. Die leberseitige Fläche ist über Bindegewebe (Adventitia) mit der Leber verwachsen, die freie Fläche trägt ein Peritonealüberzug (Serosa).
Eine eigene Submukosa fehlt oder ist nur rudimentär ausgebildet, sodass die Muskelschicht unmittelbar unter der Lamina propria mucosae liegt. Die arterielle Versorgung erfolgt über die Arteria cystica, einen Ast der Arteria hepatica propria. Der venöse Abfluss geschieht direkt in die Leber oder über die Vena cystica in die Pfortader. Die Innervation erfolgt sympathisch (hemmend) und parasympathisch über den Nervus vagus (fördernd) sowie humoral durch das Darmhormon Cholecystokinin (CCK).
Funktion
Die Leber produziert kontinuierlich Lebergalle, eine verdünnte, goldgelbe Flüssigkeit. Zwischen den Mahlzeiten wird diese Galle über den Ductus cysticus in die Gallenblase geleitet, da der Musculus sphincter ampullae hepatopancreaticae (Sphincter Oddi) am Übergang zum Duodenum verschlossen ist. In der Gallenblase wird die Galle durch aktive Resorption von Wasser, Natrium und Chlorid auf das Fünf- bis Zehnfache eingedickt. Die so entstehende dunkelgrüne bis olivbraune Blasengalle enthält hohe Konzentrationen an Gallensäuren (Cholsäure, Chenodesoxycholsäure), Gallenfarbstoffen (Bilirubin, Biliverdin), Cholesterin, Phospholipiden und Muzinen.
Nach Futteraufnahme – insbesondere bei fettreicher Nahrung – schütten die I-Zellen der Duodenalschleimhaut Cholecystokinin aus. Dieses Hormon bewirkt eine kräftige Kontraktion der Gallenblasenmuskulatur bei gleichzeitiger Relaxation des Sphincter Oddi. Die Blasengalle wird in das Duodenum abgegeben, wo die Gallensäuren als Emulgatoren die Fettverdauung ermöglichen, indem sie Nahrungsfette in feine Mizellen aufbrechen und so die Angriffsfläche für die Pankreaslipase vergrößern. Zusätzlich dient die Galle der Ausscheidung von Bilirubin, Cholesterin und anderen lipophilen Stoffwechselendprodukten.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die Gallenblase ist bei den meisten Haussäugetieren vorhanden, zeigt jedoch artspezifische Unterschiede in Größe, Form und Lage:
- Hund (Canis lupus familiaris): Relativ große, birnenförmige Gallenblase, die zwischen dem Quadratlappen und dem rechten medialen Leberlappen liegt. Der Ductus choledochus mündet gemeinsam mit dem Ductus pancreaticus an der Papilla duodeni major.
- Katze (Felis catus): Ähnlich dem Hund, jedoch proportional etwas kleiner. Der Ductus choledochus und der Ductus pancreaticus münden gemeinsam an der Papilla duodeni major, was bei Entzündungen des Pankreas eine besondere klinische Bedeutung hat (Triaditis).
- Rind (Bos taurus): Große, längliche Gallenblase am Lobus quadratus, deren Fundus deutlich über den ventralen Leberrand hinausragt und bei der klinischen Untersuchung palpierbar sein kann.
- Schwein (Sus scrofa domesticus): Gut entwickelte Gallenblase, ähnlich der des Menschen.
- Pferd (Equus caballus): Das Pferd besitzt keine Gallenblase. Die Lebergalle fließt kontinuierlich über den Ductus hepaticus direkt in das Duodenum.