Garten
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Definition und Überblick
Der Garten ist ein vom Menschen geschaffener oder gestalteter Lebensraum, der trotz seiner kultivierenden Eingriffe eine erstaunliche Vielfalt an Tierarten beherbergen kann. Aus ökologischer Sicht handelt es sich um ein anthropogenes Biotop – einen Lebensraum, der durch menschliche Tätigkeit entstanden ist, aber eigene ökologische Dynamiken entwickelt. Gärten zählen zu den sogenannten Sekundärlebensräumen und bilden in ihrer Gesamtheit ein Mosaik aus unterschiedlichen Kleinhabitaten: Rasenflächen, Hecken, Beete, Komposthaufen, Teiche, Totholzstapel und Trockenmauern fügen sich zu einer strukturreichen Landschaft zusammen, die für zahlreiche Wildtiere Nahrungs-, Fortpflanzungs- und Überwinterungsquartiere bereitstellt.
In Mitteleuropa gewinnen Gärten als Rückzugsräume für die Tierwelt zunehmend an Bedeutung. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft, den Verlust naturnaher Flächen und die Versiegelung von Böden in Siedlungsgebieten übernehmen Hausgärten, Kleingärten und Gemeinschaftsgärten eine ökologische Ausgleichsfunktion. In Deutschland allein machen private Gärten schätzungsweise eine Fläche von über 900.000 Hektar aus – mehr als die Gesamtfläche aller Naturschutzgebiete.
Strukturvielfalt und Mikrohabitate
Die ökologische Qualität eines Gartens hängt maßgeblich von seiner Strukturvielfalt ab. Je unterschiedlicher die Lebensraumbereiche gestaltet sind, desto mehr Tierarten finden geeignete Nischen. Zu den typischen Mikrohabitaten zählen:
- Hecken und Sträucher – dienen Singvögeln wie Amsel, Rotkehlchen und Heckenbraunelle als Nistplatz und bieten durch Beerenfrüchte Nahrung im Herbst und Winter.
- Totholz und Reisighaufen – besiedelt von holzbewohnenden Käfern, Wildbienen und Pilzen; Unterschlupf für Igel, Erdkröten und Blindschleichen.
- Komposthaufen – Lebensraum für Regenwürmer, Asseln, Springschwänze und zahlreiche Zersetzerorganismen; Blindschleichen und Ringelnattern nutzen die Verrottungswärme zur Eiablage.
- Gartenteiche – Laichgewässer für Amphibien wie Grasfrosch, Bergmolch und Erdkröte; Lebensraum für Libellen, Wasserkäfer und Rückenschwimmer.
- Trockenmauern und Steinhaufen – Sonnenplätze und Winterquartiere für Eidechsen, insbesondere die Zauneidechse; Rückzugsorte für verschiedene Spinnenarten.
- Blumenwiesen und Staudenbeete – Nahrungsgrundlage für Bestäuberinsekten wie Honigbienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge.
Typische Tierarten im Gartenlebensraum
Die Artenzusammensetzung eines Gartens wird durch seine Lage, Größe, Bepflanzung und Bewirtschaftung bestimmt. In naturnahen Gärten lassen sich mehrere hundert Tierarten nachweisen.
Säugetiere: Der Igel (Erinaceus europaeus) gilt als bekanntester Gartenbewohner und ernährt sich vorwiegend von Schnecken, Käfern und Regenwürmern. Eichhörnchen nutzen ältere Baumbestände, während Spitzmäuse und Wühlmäuse im Bodenbereich aktiv sind. In siedlungsnahen Gärten treten auch Steinmarder, Fuchs und verschiedene Fledermausarten auf, die Gärten als Jagdrevier nutzen.
Vögel: Gärten gehören zu den vogelreichsten Lebensräumen im Siedlungsbereich. Kohlmeise, Blaumeise, Haussperling, Star und Buchfink sind häufige Brutvögel. Buntspechte bearbeiten alte Obstbäume, Mauersegler und Mehlschwalben jagen Fluginsekten über Gärten, und Greifvögel wie der Sperber nutzen die Kleinvogelbestände als Nahrungsquelle. Nistkästen können den natürlichen Höhlenmangel in jüngeren Baumbeständen ausgleichen.
Insekten und Spinnentiere: Die artenreichste Tiergruppe im Garten stellen die Insekten dar. Laufkäfer, Marienkäfer und Florfliegen fungieren als natürliche Schädlingsregulatoren. Wildbienen – in Mitteleuropa über 500 Arten – nutzen offene Bodenstellen, hohle Pflanzenstängel und Insektennisthilfen als Nistplätze. Schmetterlinge wie Tagpfauenauge, Admiral und Kleiner Fuchs sind auf bestimmte Raupenfutterpflanzen angewiesen, darunter Brennnesseln. Kreuzspinnen und Zitterspinnen regulieren als Prädatoren die Insektenpopulationen.
Amphibien und Reptilien: Gartenteiche mit flachen Uferzonen und Unterwasservegetation ermöglichen Amphibien die Fortpflanzung. Die Erdkröte wandert teils über beträchtliche Strecken zu ihren Laichgewässern. Zauneidechsen und Blindschleichen besiedeln vor allem wärmeexponierte, strukturreiche Gartenbereiche.
Ökologische Funktionen und Vernetzung
Einzelne Gärten wirken als Trittsteinbiotope innerhalb der urbanen Landschaft. Zusammen mit Parks, Friedhöfen, Bahndämmen und Brachflächen bilden sie ein Netzwerk, das den genetischen Austausch zwischen Tierpopulationen ermöglicht und die ökologische Konnektivität im Siedlungsraum aufrechterhält. Diese Biotopvernetzung ist für wenig mobile Arten wie Amphibien und bodengebundene Insekten überlebenswichtig.
Gärten erbringen zudem verschiedene Ökosystemdienstleistungen: Bestäubung durch Insekten, biologische Schädlingskontrolle durch Nützlinge, Bodenbildung durch Zersetzerorganismen und Wasserrückhaltung durch unversiegelte Flächen. Ein ökologisch bewirtschafteter Garten verzichtet auf synthetische Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger, was der Bodenfauna und dem Nahrungsnetz insgesamt zugutekommt.