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Gattung

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Biologie & Ökologie > Systematik & Taxonomie

Definition und Überblick

Die Gattung (lateinisch: genus, Plural: genera) ist eine grundlegende Rangstufe in der biologischen Systematik. Sie steht in der taxonomischen Hierarchie zwischen der Familie (darüber) und der Art (darunter). Eine Gattung fasst eine oder mehrere Arten zusammen, die aufgrund gemeinsamer Merkmale und einer engen verwandtschaftlichen Beziehung als natürliche Gruppe betrachtet werden. So gehören beispielsweise Wolf, Haushund und Kojote zur Gattung Canis, während Löwe, Tiger und Leopard in der Gattung Panthera vereint sind.

Das Konzept der Gattung ist zentral für die Nomenklatur aller Lebewesen. Der Gattungsname bildet stets den ersten Teil des zweiteiligen wissenschaftlichen Artnamens — ein System, das auf den schwedischen Naturforscher Carl von Linné zurückgeht und als binäre Nomenklatur bekannt ist.

Die Gattung in der taxonomischen Hierarchie

Die biologische Klassifikation ordnet Organismen in ein hierarchisches System von Rangstufen ein. Die Gattung nimmt darin eine mittlere Position ein. Die vollständige Abfolge der wichtigsten Ränge lautet:

  • Reich (Regnum) — z. B. Tiere (Animalia)
  • Stamm (Phylum) — z. B. Chordatiere (Chordata)
  • Klasse (Classis) — z. B. Säugetiere (Mammalia)
  • Ordnung (Ordo) — z. B. Raubtiere (Carnivora)
  • Familie (Familia) — z. B. Katzen (Felidae)
  • Gattung (Genus) — z. B. Großkatzen (Panthera)
  • Art (Species) — z. B. Löwe (Panthera leo)

Zwischen diesen Haupträngen können zusätzliche Zwischenstufen eingefügt werden, etwa die Untergattung (Subgenus) zwischen Gattung und Art oder die Tribus zwischen Familie und Gattung. In besonders artenreichen Gruppen wie den Insekten oder Nagetieren sind solche Zwischenränge weit verbreitet, um die Vielzahl der Formen übersichtlich zu gliedern.

Benennung und Nomenklaturregeln

Der wissenschaftliche Name einer Gattung wird stets kursiv geschrieben und beginnt mit einem Großbuchstaben. Er ist in der Regel lateinischen oder griechischen Ursprungs, kann aber auch auf Eigennamen, geographische Bezeichnungen oder beschreibende Merkmale zurückgehen. So leitet sich Aquila (Echte Adler) vom lateinischen Wort für Adler ab, während Darwinilus, eine Käfergattung, den Naturforscher Charles Darwin ehrt.

Die Vergabe und Gültigkeit von Gattungsnamen im Tierreich regelt der Internationale Code der Zoologischen Nomenklatur (ICZN). Zentrale Prinzipien dabei sind:

  • Prioritätsprinzip: Der älteste gültig veröffentlichte Name hat Vorrang vor jüngeren Synonymen.
  • Homonymie: Derselbe Gattungsname darf innerhalb des Tierreichs nicht zweimal vergeben werden. Kommt es zu einer Doppelvergabe, muss der jüngere Name ersetzt werden.
  • Typusart: Jede Gattung wird durch eine bestimmte Art, die sogenannte Typusart (Typspezies), definiert. Diese Art dient als nomenklatorischer Anker und legt fest, welchen Organismus der Gattungsname zwingend einschließt.

Im Rahmen der binären Nomenklatur bildet der Gattungsname zusammen mit dem Artepitheton den vollständigen Artnamen. Beim Rotfuchs etwa steht Vulpes für die Gattung und vulpes für die Art — der vollständige Name lautet Vulpes vulpes. Solche Wiederholungen des Gattungsnamens als Artepitheton bezeichnet man als Tautonymie.

Abgrenzung und Umfang einer Gattung

Wie weit oder eng eine Gattung gefasst wird, ist in der Praxis häufig Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Es gibt keine universelle, objektive Regel, die exakt festlegt, ab welchem Grad der Unterschiedlichkeit Arten verschiedenen Gattungen zugeordnet werden müssen. Die Abgrenzung beruht auf einer Kombination aus morphologischen, genetischen, ökologischen und phylogenetischen Kriterien und spiegelt stets den aktuellen Stand der Forschung wider.

Taxonomen, die viele Arten in wenigen, umfangreichen Gattungen zusammenfassen, werden umgangssprachlich als „Lumper" bezeichnet. Ihre Gegenspieler, die „Splitter", bevorzugen eine feinere Aufteilung in zahlreiche, artenarme Gattungen. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung und hängen davon ab, welche Merkmale als besonders gewichtig eingestuft werden.

Durch neue Erkenntnisse — vor allem aus der molekularen Phylogenetik und DNA-Analyse — werden Gattungen immer wieder neu umgrenzt. Arten können in andere bestehende Gattungen verschoben oder in neu errichtete Gattungen gestellt werden. Ein bekanntes Beispiel ist die Aufspaltung der ehemals riesigen Gattung Bufo (Kröten), aus der in jüngerer Zeit mehrere eigenständige Gattungen herausgelöst wurden, etwa Bufotes für die Wechselkröte.

Monotypische und artenreiche Gattungen

Der Umfang einer Gattung kann enorm variieren. Eine monotypische Gattung enthält nur eine einzige Art. Dies ist häufig dann der Fall, wenn eine Art so isoliert steht, dass sie keiner bestehenden Gattung zugeordnet werden kann. Ein Beispiel ist die Gattung Okapia mit dem Okapi (Okapia johnstoni) als einzigem Vertreter. Auch der Erdwolf (