Gattungsname
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Definition und Überblick
Der Gattungsname (lateinisch: nomen genericum) ist die erste Komponente des zweiteiligen wissenschaftlichen Namens einer biologischen Art. Er bezeichnet die Gattung, also eine taxonomische Rangstufe, die verwandte Arten zu einer übergeordneten Gruppe zusammenfasst. In der binären Nomenklatur, die auf den schwedischen Naturforscher Carl von Linné (1707–1778) zurückgeht, setzt sich jeder Artname aus dem Gattungsnamen und dem Artepitheton (auch Artbeiname) zusammen. So besteht etwa der wissenschaftliche Name des Wolfes – Canis lupus – aus dem Gattungsnamen Canis und dem Artepitheton lupus.
Der Gattungsname wird stets mit einem großen Anfangsbuchstaben geschrieben und kursiv gesetzt. Er fungiert als Substantiv und ist in der Regel lateinischen oder griechischen Ursprungs, kann aber auch aus anderen Sprachen entlehnt oder zu Ehren einer Person gebildet sein. Als zentrales Element der biologischen Systematik ermöglicht er eine weltweit einheitliche und eindeutige Zuordnung von Organismen – unabhängig von regionalen Trivialnamen oder Volksbezeichnungen.
Historische Entwicklung
Vor der Einführung der binären Nomenklatur durch Linné wurden Arten häufig mit langen, beschreibenden lateinischen Phrasen benannt, den sogenannten Polynomen. Diese Phrase-Namen waren unhandlich und variierten von Autor zu Autor. Linné vereinfachte das System in seinem Werk Systema Naturae (1735) und insbesondere in der zehnten Auflage von 1758, die für die Zoologie als Ausgangspunkt der gültigen Nomenklatur gilt. Er führte konsequent zweiteilige Namen ein, wobei der Gattungsname als übergeordnete Klammer für mehrere als verwandt erkannte Arten diente.
Bereits vor Linné verwendeten Naturforscher wie John Ray und Joseph Pitton de Tournefort Gattungskonzepte. Tournefort etablierte in seiner Institutiones rei herbariae (1700) ein systematisches Gattungssystem für Pflanzen, das Linné später aufgriff und weiterentwickelte. Die konsequente Trennung von Gattungs- und Artniveau war jedoch Linnés entscheidender Beitrag zur biologischen Nomenklatur.
Regeln und Konventionen
Die Vergabe und Verwendung von Gattungsnamen unterliegt strengen internationalen Regelwerken:
- ICZN (International Code of Zoological Nomenclature) – zuständig für die Zoologie
- ICN (International Code of Nomenclature for algae, fungi, and plants) – zuständig für Botanik und Mykologie
- ICNP (International Code of Nomenclature of Prokaryotes) – zuständig für Bakterien und Archaeen
Allen Regelwerken gemeinsam sind einige Grundprinzipien:
- Der Gattungsname muss ein lateinisches oder latinisiertes Wort sein und als Substantiv im Nominativ Singular stehen.
- Es gilt das Prioritätsprinzip: Der älteste verfügbar publizierte Name hat Vorrang. Wird festgestellt, dass zwei Autoren unabhängig voneinander denselben Organismus unter verschiedenen Gattungsnamen beschrieben haben, ist der zuerst veröffentlichte Name das Senior-Synonym und der später veröffentlichte das Junior-Synonym.
- Ein Gattungsname darf innerhalb desselben Nomenklaturcodes nicht doppelt vergeben werden (Homonymie-Verbot). Zwischen den Codes kann es allerdings zu sogenannten Hemihomonymen kommen – derselbe Name kann in der Zoologie und der Botanik unterschiedliche Organismen bezeichnen.
- Jede Gattung besitzt eine Typusart (type species), die als nomenklatorischer Anker dient und festlegt, welcher Organismus den Gattungsnamen trägt, falls die Gattung aufgeteilt oder neu umgrenzt wird.
Herkunft und Bildung von Gattungsnamen
Gattungsnamen können aus verschiedenen Quellen stammen. Häufig beschreiben sie ein morphologisches Merkmal des Organismus. So leitet sich Melanochelys (eine Schildkrötengattung) vom griechischen melas (schwarz) und chelys (Schildkröte) ab. Andere Gattungsnamen verweisen auf den Lebensraum: Thalassarche (Albatrosse) enthält das griechische thalassa für Meer.
Patronyme ehren Personen – meist Naturforscher oder Mäzene. Die Vogelgattung Darwinothraupis etwa wurde nach Charles Darwin benannt. Gelegentlich entstammen Gattungsnamen auch indigenen Sprachen: Quokka geht auf eine Bezeichnung der Noongar-Aborigines zurück, auch wenn der wissenschaftliche Name der Gattung hier Setonix lautet.
Einige Gattungsnamen sind Anagramme bereits existierender Namen. So ist Dacelo (Jägerlieste) ein Anagramm von Alcedo (Eisvögel). Solche Bildungen sind nomenklatorisch zulässig, solange sie den formalen Anforderungen genügen.
Gattungsname und Artabgrenzung
Die Zuordnung einer Art zu einer bestimmten Gattung ist keine rein formale Angelegenheit, sondern spiegelt den aktuellen Stand der phylogenetischen Forschung wider. Durch molekularbiologische Untersuchungen – insbesondere DNA-Sequenzanalysen – werden Verwandtschaftsverhältnisse heute wesentlich präziser ermittelt als in früheren Zeiten, als vor allem äußere Merkmale (Morphologie) herangezogen wurden. Daraus ergeben sich regelmäßig taxonomische Revisionen: Arten werden in andere Gattungen umgestellt, Gattungen aufgespalten oder zusammengelegt.
Ein Beispiel aus der Ornithologie: Die Blaumeise hieß lange Parus caeruleus und wurde in die Gattung Parus gestellt, gemeinsam mit Kohlmeise und zahlreichen weiteren Meisenarten. Molekulare Studien zeig