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Gebiss

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Anatomie & Körperbau > Kopf & Sinnesorgane

Definition & Überblick

Als Gebiss (lat. Dentitio) wird die Gesamtheit aller Zähne (Dentes) eines Tieres bezeichnet, die in den Alveolen (Zahnfächern) des Ober- und Unterkiefers verankert sind. Es stellt eine funktionelle Einheit dar, die primär der mechanischen Zerkleinerung von Nahrung dient, darüber hinaus aber auch bei der Verteidigung, dem Beutefang, der Körperpflege und der sozialen Kommunikation eine zentrale Rolle spielt. Die Zusammensetzung des Gebisses – Anzahl, Form und Anordnung der Zähne – ist artspezifisch und spiegelt die Ernährungsweise sowie die ökologische Nische einer Tierart wider. In der vergleichenden Anatomie liefert die Zahnformel (Formula dentaria) eine standardisierte Beschreibung der Zahnausstattung je Kieferhälfte.

Aufbau & Struktur

Der einzelne Zahn besteht aus der sichtbaren Zahnkrone (Corona dentis), dem Zahnhals (Cervix dentis) und der im Knochen verankerten Zahnwurzel (Radix dentis). Die Hauptsubstanz des Zahnes bildet das Dentin (Zahnbein), das die Pulpahöhle (Cavum dentis) mit Blutgefäßen, Nerven und Bindegewebe umschließt. Die Krone ist von Zahnschmelz (Enamelum) überzogen – der härtesten Substanz des Säugetierkörpers. Die Wurzel wird von Zahnzement (Cementum) bedeckt, der über den Faserapparat des Periodontiums (Desmodont) den Zahn federnd im Alveolarknochen fixiert. Diese Aufhängung wird als Gomphosis bezeichnet.

Säugetiere besitzen in der Regel vier Zahntypen, die als heterodonte Bezahnung zusammengefasst werden:

  • Schneidezähne (Dentes incisivi, I) – zum Abbeißen und Abscheren
  • Eckzähne (Dentes canini, C) – zum Festhalten und Durchstechen
  • Vordere Backenzähne (Dentes praemolares, P) – zum Vorzerkleinern
  • Hintere Backenzähne (Dentes molares, M) – zum Zermahlen und Zerquetschen

Die meisten Haussäugetiere durchlaufen einen Zahnwechsel (Diphyodontie): Auf das Milchgebiss (Dentes decidui) folgt das bleibende Dauergebiss (Dentes permanentes). Molaren werden nur einmal angelegt und gehören daher stets dem permanenten Gebiss an.

Funktion

Die mechanische Nahrungszerkleinerung ist die Hauptfunktion des Gebisses. Schneidezähne trennen Nahrungsstücke ab, Eckzähne dienen dem Ergreifen und Fixieren, Prämolaren und Molaren zerkleinern den Bissen durch Kau- und Mahlbewegungen. Die Okklusion – das präzise Ineinandergreifen der Zähne von Ober- und Unterkiefer – bestimmt die Effizienz der Nahrungszerkleinerung maßgeblich. Bei Herbivoren ermöglicht eine laterale Kieferbewegung (Anisognathie) ein effektives Zermahlen pflanzlicher Fasern, während Karnivoren eine überwiegend vertikale, scherenartige Kieferbewegung nutzen.

Neben der Nahrungsaufnahme erfüllen Zähne weitere biologische Funktionen: Raubtiere nutzen ihre Canini als Waffe beim Beutefang und in innerartlichen Auseinandersetzungen. Nagetiere verwenden ihre permanent nachwachsenden Schneidezähne zum Nagen und Graben. Pferde zeigen im Sozialverhalten das sogenannte Zähneblecken als Drohmimik.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die vergleichende Zahnmorphologie offenbart eine enorme Vielfalt, die eng mit dem jeweiligen Ernährungstyp korreliert:

  • Hund (Canis familiaris): Zahnformel 3I 1C 4P 2M / 3I 1C 4P 3M = 42 Zähne. Typisches Raubtiergebiss mit gut ausgebildeten Fangzähnen (Canini) und dem Reißzahn (Dens sectorius) – dem P4 im Oberkiefer und M1 im Unterkiefer –, die wie eine Schere funktionieren und Fleisch sowie Sehnen durchtrennen.
  • Katze (Felis catus): Zahnformel 3I 1C 3P 1M / 3I 1C 2P 1M = 30 Zähne. Als obligater Karnivore besitzt die Katze ein reduziertes Gebiss mit besonders ausgeprägten Reißzähnen und sehr kleinen Molaren, da kaum pflanzliche Nahrung zermahlen werden muss.
  • Pferd (Equus caballus): Zahnformel 3I 1C 3-4P 3M / 3I 1C 3P 3M = 36–44 Zähne. Herbivores Gebiss mit ausgedehnten Mahlflächen auf Prämolaren und Molaren, die als hypsodonte (langkronige) Zähne durch lebenslangen Nachschub aus den Alveolen dem ständigen Abrieb durch Silikatgehalt im Gras standhalten. Zwischen Schneidezähnen und Backenzähnen liegt eine zahnfreie Lücke, das Diastema, in die das Trensengebiss eingelegt wird. Hengstzähne (Canini) fehlen bei Stuten häufig oder sind rudimentär.
  • Rind (Bos taurus): Zahnformel 0I 0C 3P 3M / 4I 0C 3P 3M = 32 Zähne. Im Oberkiefer fehlen Schneidezähne und Eckzähne; sie werden durch eine derbe Dentalplatte (Pulvinus dentalis) ersetzt, gegen die die unteren Incisivi beim Grasen arbeiten. Die Backenzähne sind selenodont (halbmondförmige Schmelzleisten) und auf das Zermahlen von Raufutter spezialisiert.
  • Kaninchen und