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Gehirn

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Anatomie & Körperbau > Innere Organe & Systeme

Definition & Überblick

Das Gehirn (lat. Encephalon, griech. Enkephalos) ist das zentrale Steuerungsorgan des Nervensystems aller Wirbeltiere. Es liegt geschützt in der Schädelhöhle (Cavum cranii) und wird von den drei Hirnhäuten (Meninges) – der harten Hirnhaut (Dura mater), der Spinnwebhaut (Arachnoidea mater) und der weichen Hirnhaut (Pia mater) – umgeben. Gemeinsam mit dem Rückenmark (Medulla spinalis) bildet es das Zentralnervensystem (ZNS). Das Gehirn verarbeitet sensorische Informationen, koordiniert motorische Abläufe, steuert vegetative Funktionen und ist Sitz von Bewusstsein, Lernverhalten und Emotionen. Zwischen den Tierarten bestehen erhebliche Unterschiede in Größe, Furchung und relativer Ausprägung einzelner Hirnabschnitte, die eng mit den jeweiligen ökologischen Anpassungen und kognitiven Fähigkeiten zusammenhängen.

Aufbau & Struktur

Das Gehirn der Haussäugetiere lässt sich in fünf embryologisch begründete Hauptabschnitte gliedern, die aus drei primären Hirnbläschen hervorgehen:

  • Telencephalon (Großhirn/Endhirn): Der größte Hirnabschnitt bei den meisten Haussäugetieren. Er besteht aus zwei Hemisphären, die über den Balken (Corpus callosum) miteinander verbunden sind. Die äußere Schicht bildet die Großhirnrinde (Cortex cerebri), die aus grauer Substanz (Substantia grisea) besteht und je nach Tierart unterschiedlich stark gefurcht ist (Gyri = Windungen, Sulci = Furchen). Im Inneren liegen die Basalganglien (Nuclei basales), das limbische System mit Hippocampus und Amygdala sowie die weißen Faserbahnen (Substantia alba).
  • Diencephalon (Zwischenhirn): Umfasst den Thalamus als zentrale Umschaltstation sensorischer Bahnen, den Hypothalamus als übergeordnetes Zentrum des vegetativen Nervensystems, den Epithalamus mit der Zirbeldrüse (Glandula pinealis) sowie den Subthalamus. Die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) ist über das Infundibulum mit dem Hypothalamus verbunden.
  • Mesencephalon (Mittelhirn): Enthält die Vierhügelplatte (Lamina tecti) mit den Colliculi rostrales (Sehen) und Colliculi caudales (Hören) sowie wichtige Kerngebiete wie die Substantia nigra und den Nucleus ruber.
  • Metencephalon (Hinterhirn): Besteht aus dem Kleinhirn (Cerebellum) und der Brücke (Pons). Das Kleinhirn koordiniert Bewegungen, Gleichgewicht und Muskeltonus und zeigt eine fein gefältelte Oberfläche.
  • Myelencephalon (Nachhirn): Das verlängerte Mark (Medulla oblongata) enthält lebenswichtige Zentren für Atmung, Kreislaufregulation und Reflexe. Es geht am Foramen magnum in das Rückenmark über.

Das Ventrikelsystem – bestehend aus den beiden Seitenventrikeln, dem dritten und vierten Ventrikel – ist mit Liquor cerebrospinalis gefüllt, der vom Plexus choroideus produziert wird und eine mechanische sowie metabolische Schutzfunktion erfüllt.

Funktion

Das Gehirn erfüllt eine Vielzahl lebenswichtiger Aufgaben. Der Cortex cerebri ist zuständig für die bewusste Wahrnehmung sensorischer Reize, die Planung und Ausführung willkürlicher Bewegungen sowie für höhere kognitive Leistungen wie Lernen, Gedächtnis und assoziatives Denken. Der Hypothalamus reguliert die Körpertemperatur, den Wasser- und Elektrolythaushalt, die Nahrungsaufnahme und den zirkadianen Rhythmus. Über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse steuert er wesentliche endokrine Prozesse. Das limbische System verarbeitet Emotionen und ist an der Gedächtniskonsolidierung beteiligt. Das Cerebellum koordiniert feinmotorische Bewegungsabläufe und die Haltungskontrolle. Die Medulla oblongata steuert autonom ablaufende Vitalfunktionen wie Herzfrequenz, Atemrhythmus und Schluckreflexe. Zwölf Hirnnervenpaare (Nervi craniales) entspringen dem Hirnstamm und dem Großhirn und innervieren Kopf, Hals und – über den Nervus vagus – auch thorakale und abdominale Organe.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die vergleichende Neuroanatomie offenbart beträchtliche Unterschiede im Aufbau des Gehirns. Der Enzephalisationsquotient – das Verhältnis der tatsächlichen zur erwarteten Hirnmasse bei gegebener Körpergröße – variiert erheblich: Er ist beim Hund deutlich höher als beim Pferd, obwohl das Pferdegehirn mit etwa 600 g absolut schwerer ist als das des Hundes (ca. 70–80 g).

  • Hund und Katze: Relativ stark gyrenzephales Großhirn mit gut entwickeltem Bulbus olfactorius (Riechkolben), besonders beim Hund. Der olfaktorische Cortex nimmt einen proportional großen Anteil ein.
  • Pferd und Rind: Großes, stark gefurchtes Großhirn. Das Cerebellum ist kräftig ausgebildet, was die komplexe Bewegungskoordination bei Flucht- und Lauftieren widerspiegelt.
  • Vögel: Anstelle eines gefurchten Cortex dominiert das Pallium mit dem