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Geschlechtsorgan

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Anatomie & Körperbau > Innere Organe & Systeme

Definition & Überblick

Als Geschlechtsorgane (Organa genitalia) werden sämtliche Organe und Strukturen bezeichnet, die der geschlechtlichen Fortpflanzung dienen. Die Veterinäranatomie unterscheidet zwischen den männlichen Geschlechtsorganen (Organa genitalia masculina) und den weiblichen Geschlechtsorganen (Organa genitalia feminina). Innerhalb dieser Einteilung wird nochmals zwischen inneren und äußeren Geschlechtsorganen differenziert. Die inneren Geschlechtsorgane umfassen die Keimdrüsen (Gonaden), die ableitenden Geschlechtswege und die akzessorischen Geschlechtsdrüsen, während die äußeren Geschlechtsorgane die Kopulationsorgane und den äußerlich sichtbaren Anteil des Genitaltrakts darstellen. Die Geschlechtsorgane sind bei allen Haussäugetieren grundsätzlich nach dem gleichen Bauplan angelegt, zeigen jedoch je nach Tierart erhebliche morphologische und funktionelle Besonderheiten.

Aufbau & Struktur

Die männlichen Geschlechtsorgane bestehen aus den paarigen Hoden (Testes), den Nebenhoden (Epididymides), den Samenleitern (Ductus deferentes), den akzessorischen Geschlechtsdrüsen sowie dem männlichen Glied (Penis). Die Hoden liegen bei den meisten Haussäugetieren im Hodensack (Scrotum) außerhalb der Bauchhöhle und produzieren sowohl die Samenzellen (Spermatozoen) als auch das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Der Nebenhoden dient der Reifung und Speicherung der Spermien. Zu den akzessorischen Geschlechtsdrüsen zählen die Samenleiterampulle (Ampulla ductus deferentis), die Samenblasendrüse (Glandula vesicularis), die Vorsteherdrüse (Prostata) und die Harnröhrenzwiebeldrüse (Glandula bulbourethralis). Nicht jede Tierart besitzt alle diese Drüsen.

Die weiblichen Geschlechtsorgane umfassen die paarigen Eierstöcke (Ovaria), die Eileiter (Tubae uterinae bzw. Salpinges), die Gebärmutter (Uterus), die Scheide (Vagina) und den Scheidenvorhof (Vestibulum vaginae) mit der Scham (Vulva). Der Uterus besteht aus dem Gebärmutterkörper (Corpus uteri), den Gebärmutterhörnern (Cornua uteri) und dem Gebärmutterhals (Cervix uteri). Die genaue Ausprägung dieser Abschnitte variiert stark zwischen den Tierarten und bestimmt den sogenannten Uterustyp.

Funktion

Die primäre Funktion der Geschlechtsorgane besteht in der Produktion von Keimzellen (Gametogenese) und der Ermöglichung der Befruchtung (Fertilisation). In den Hoden findet die Spermatogenese statt, in den Eierstöcken die Oogenese und Follikelreifung. Die akzessorischen Geschlechtsdrüsen des männlichen Tieres produzieren das Seminalplasma, das gemeinsam mit den Spermien das Ejakulat bildet. Es dient der Ernährung, dem Transport und dem Schutz der Samenzellen.

Im weiblichen Genitale übernimmt der Eileiter den Transport der Eizelle und ist Ort der Befruchtung. Der Uterus gewährleistet die Einnistung (Nidation) der befruchteten Eizelle, die Ernährung des Embryos über die Plazenta und den Schutz während der gesamten Trächtigkeit. Die Cervix uteri verschließt die Gebärmutter und bildet eine Barriere gegen aufsteigende Keime. Scheide und Vestibulum dienen als Kopulations- und Geburtsweg.

Darüber hinaus haben die Gonaden eine zentrale endokrine Funktion: Die Eierstöcke sezernieren Östrogene und Progesteron, die den Sexualzyklus steuern, während die Hoden Testosteron bilden, das für die Ausbildung sekundärer Geschlechtsmerkmale und das Sexualverhalten verantwortlich ist.

Unterschiede zwischen Tierarten

  • Uterustyp: Das Kaninchen besitzt einen Uterus duplex mit zwei getrennten Gebärmutterhälsen. Fleischfresser (Hund, Katze) haben einen Uterus bicornis mit langen Hörnern und kurzem Körper. Beim Pferd ist der Uterus bicornis mit relativ großem Körper ausgebildet. Primaten besitzen einen Uterus simplex mit verschmolzenem Corpus.
  • Penistyp: Hengst und Rüde haben einen muskulös-kavernösen Penis (Penistyp mit Schwellkörpern), während Bulle, Schafbock und Eber einen fibroelastischen Penis besitzen. Beim Rüden enthält der Penis zusätzlich den Penisknochen (Os penis).
  • Akzessorische Geschlechtsdrüsen: Der Rüde besitzt ausschließlich eine Prostata, während Bulle und Eber alle vier akzessorischen Drüsen aufweisen. Dem Kater fehlt die Samenblasendrüse.
  • Hodenlage: Beim Hengst und Rüden liegen die Hoden inguinal-skrotal; beim Eber liegen sie perineal. Bei Vögeln verbleiben die Hoden zeitlebens in der Bauchhöhle, da sie eine höhere Körpertemperatur tolerieren.
  • Eierstöcke: Beim Pferd findet die Ovulation ausschließlich in der Ovulationsgrube (Fossa ovarii) statt, einer tierartspezifischen Einbuchtung des Ovars. Bei Fleischfressern und Wiederkäuern ovuliert der Follikel über die gesamte Ovaroberfläche.

Besonderheiten

Einige Tierarten zeigen bemerkenswerte anatomische Anpassungen ihrer Geschlechtsorgane. Der Eber besitzt einen schraubenförmig gewundenen Penis, der in die korrespondierende Cervix der Sau eingedreht wird, was eine intrauterine Besamung ermöglicht. Die Katze ist eine induzierte Ovulatorin: Der mit Hornpapillen besetzte Penis des Katers löst bei der Kopulation einen neuroendokrinen Reflex aus, der den Eisprung auslöst. Beim Hund kommt es während der Paarung zum sogenannten „Hängen" (Coitus-Schloss), bei dem der Bulbus glandis des Penis in der Vagina anschwillt und