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Giftdrüse

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Anatomie & Körperbau > Innere Organe & Systeme

Definition & Überblick

Eine Giftdrüse (lat. glandula venenifera) ist ein spezialisiertes exokrines Drüsenorgan, das toxische Sekrete – sogenannte Gifte oder Venome – produziert, speichert und über einen Ausführgang an die Körperoberfläche oder einen Injektionsapparat abgibt. Giftdrüsen kommen in verschiedenen Tierklassen vor, darunter Reptilien (Serpentes, Helodermatidae), Amphibien (Anura, Urodela), Arachnida (Araneae, Scorpiones), Insekten (Hymenoptera) sowie vereinzelt bei Säugetieren (Monotremata) und Fischen (Scorpaenidae). Funktionell dienen sie dem Beutefang, der Verteidigung oder der Vorverdauung von Nahrung. Anatomisch handelt es sich um modifizierte Hautdrüsen, umgewandelte Speicheldrüsen (Glandulae salivariae) oder eigenständige Drüsenorgane, die je nach Tierart eine erhebliche morphologische Variabilität aufweisen.

Aufbau & Struktur

Der histologische Grundaufbau einer Giftdrüse folgt dem allgemeinen Bauplan exokriner Drüsen. Sie besteht aus einem sekretorischen Parenchym, einem Ausführgangsystem (Ductus excretorius) und einer bindegewebigen Kapsel (Capsula fibrosa). Das Parenchym setzt sich aus spezialisierten Drüsenepithelzellen zusammen, die je nach Tierart serös, mukös oder gemischt sein können.

  • Drüsenkörper (Corpus glandulae): Bei Schlangen ist der Drüsenkörper typischerweise azinös oder tubuloacinös aufgebaut. Die Giftdrüse der Vipern (Solenoglypha) liegt retro- und infraorbital im Bereich der Temporalregion und wird von einer kräftigen Muskelschicht – dem Musculus compressor glandulae – umhüllt, der bei Zubeißen die mechanische Kompression des Drüsenkörpers und damit die aktive Giftinjektion bewirkt.
  • Ausführgang (Ductus veneniferus): Dieser verbindet den Drüsenkörper mit dem Injektionsapparat. Bei Giftschlangen mündet er an der Basis des Giftzahns (Fang), bei Spinnen in die Cheliceren, bei Skorpionen im Telson (Giftstachel am Metasoma).
  • Reservoir (Lumen glandulae): Viele Giftdrüsen besitzen ein erweitertes zentrales Lumen, das als Speicherraum für das fertig synthetisierte Gift dient. Bei Vipern kann dieses Reservoir bis zu 200–300 mg Trockengift fassen.
  • Bindegewebige Kapsel und Muskulatur: Eine kollagenfaserreiche Kapsel gibt dem Organ Stabilität. Glatte oder quergestreifte Muskelzellen ermöglichen die kontrollierte Entleerung.

Die Vaskularisierung erfolgt über zuführende Arteriolen aus der jeweiligen Kopfregion, die Innervation über Äste des Nervus trigeminus (V. Hirnnerv) oder bei Arthropoden über das subösophageale Ganglion.

Funktion

Die primäre Funktion der Giftdrüse ist die Synthese und Bereitstellung von Giftstoffen. Diese Toxine sind komplex zusammengesetzte Gemische aus Proteinen, Peptiden, Enzymen (Phospholipasen, Metalloproteasen, Hyaluronidasen), biogenen Aminen und niedermolekularen Verbindungen. Die Zusammensetzung variiert artspezifisch und bestimmt die Wirkungsweise des Giftes:

  • Neurotoxisch: Blockade neuromuskulärer Übertragung (z. B. α-Bungarotoxin bei Elapidae)
  • Hämotoxisch: Zerstörung von Erythrozyten und Gerinnungsstörungen (z. B. bei Viperidae)
  • Zytotoxisch: Gewebenekrose durch enzymatische Lyse (z. B. bei Loxosceles-Spinnen)
  • Myotoxisch: Zerstörung quergestreifter Muskulatur (z. B. bei Meerotter-Schlangen, Hydrophiidae)

Die Giftsekretion erfolgt sowohl konstitutiv als auch reguliert. Nach vollständiger Entleerung benötigt die Drüse – etwa bei Schlangen – eine Regenerationszeit von mehreren Tagen bis Wochen, um das Reservoir wieder aufzufüllen. Die Giftabgabe ist bei vielen Arten dosierbar; sogenannte „dry bites" (Trockenbisse) ohne Giftinjektion kommen bei Schlangen regelmäßig vor.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die vergleichende Anatomie zeigt eine bemerkenswerte konvergente Evolution der Giftdrüsen in phylogenetisch weit entfernten Taxa:

  • Schlangen (Serpentes): Die Giftdrüse ist eine modifizierte Glandula labialis superior (obere Lippendrüse) bzw. eine eigenständige postorbitale Drüse. Bei Proteroglyphen (Elapidae) und Solenoglyphen (Viperidae) ist sie hochdifferenziert, bei Opisthoglyphen (Trugnattern) dagegen weniger komplex.
  • Echsen (Lacertilia): Die Krustenechsen (Heloderma) besitzen untere Giftdrüsen (Glandulae labiales inferiores), die ihr Sekret über gefurchte Zähne im Unterkiefer abgeben. Neuere Forschungen zeigen, dass auch Komodowarane (Varanus komodoensis) über Giftdrüsen im Unterkiefer verfügen.
  • Spinnen (Araneae): Die Giftdrüsen liegen im Prosoma (Cephalothorax), bei manchen Arten reichen sie bis ins Opisthosoma. Sie münden in die Chelicerenklauen und sind von quergestreifter Muskulatur umgeben.
  • Skorpione (Scorpiones): Die paarigen Giftdrüsen befinden sich im Telson, dem letzten Segment des Metasoma. Sie bestehen aus zwei symmetrischen Drüsensäcken mit eigenständiger Muskulatur.
  • Hautflügler (Hymenoptera): Die Giftdrüse (Glandula acidi