Giraffe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Giraffa camelopardalis
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Giraffidae (Giraffenartige)
- Gattung: Giraffa
- Lebensraum: Savannen, lichte Trockenwälder und Buschland südlich der Sahara
- Größe: Bullen bis 5,80 m Gesamthöhe, Kühe bis etwa 4,50 m
- Gewicht: Bullen 800–1.930 kg, Kühe 550–1.180 kg
- Lebenserwartung: 20–25 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 28 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Giraffe ist das höchste lebende Landtier der Erde. Ihr auffälligstes Merkmal ist der extrem verlängerte Hals, der trotz seiner Länge von bis zu 2,50 m – wie bei fast allen Säugetieren – nur sieben Halswirbel besitzt. Diese Wirbel sind jedoch stark elongiert und können einzeln über 25 cm lang werden.
Das Fell ist kurz und dicht. Es zeigt ein charakteristisches Fleckenmuster aus dunkelbraunen bis nahezu schwarzen Flecken auf hellem, gelblich-beigem Grund. Dieses Muster ist bei jedem Individuum einzigartig und dient der Identifikation einzelner Tiere in der Feldforschung. Entlang des Nackens verläuft eine kurze, aufrechte Mähne. Der Schwanz endet in einer dunklen Quaste, die als Fliegenwedel dient.
Auf dem Kopf tragen beide Geschlechter zwei bis fünf mit Haut überzogene Knochenzapfen, sogenannte Ossikone. Bei Bullen sind diese massiver und häufig durch Kämpfe abgeschliffen. Die langen, kräftigen Beine enden in breiten Hufen. Die Vorderbeine sind etwas länger als die Hinterbeine, wodurch die Rückenlinie zum Schwanz hin abfällt. Das Herz wiegt rund 12 kg und erzeugt einen Blutdruck, der etwa doppelt so hoch ist wie beim Menschen – eine physiologische Notwendigkeit, um das Gehirn in über zwei Metern Höhe über dem Herzen ausreichend mit Blut zu versorgen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Giraffe erstreckt sich über das subsaharische Afrika. Historisch besiedelte sie weite Teile des Kontinents von Westafrika bis Ostafrika und südlich bis nach Südafrika. Heute ist das Habitat stark fragmentiert. Größere Populationen finden sich in Tansania, Kenia, Namibia, Botswana, Südafrika, Niger und dem Tschad.
Giraffen bevorzugen offene Savannenlandschaften mit Akazienbewuchs, lichte Trockenwälder und Buschsavannen. Dichte Waldgebiete und Wüsten meiden sie. Die Tiere sind nicht streng an ein Revier gebunden, sondern nutzen weiträumige Streifgebiete von 5 bis über 650 km², deren Größe vom Nahrungsangebot und der Jahreszeit abhängt.
Ernährung
Die Giraffe ist ein reiner Pflanzenfresser und ernährt sich vorwiegend von Blättern, Trieben, Blüten und Früchten von Bäumen und Sträuchern. Akazien und Combretum-Arten bilden in vielen Regionen die Hauptnahrung. Die bis zu 50 cm lange, muskulöse und dunkel pigmentierte Zunge ermöglicht es dem Tier, Blätter gezielt zwischen Dornen hindurch abzustreifen. Die dunkle Pigmentierung schützt vermutlich vor Sonnenbrand bei der langen Sonnenexposition während des Fressens.
Pro Tag nimmt eine ausgewachsene Giraffe etwa 30 bis 35 kg Pflanzenmaterial zu sich. Als Wiederkäuer besitzt sie einen vierkammrigen Magen, der die schwer verdauliche Zellulose durch mikrobielle Fermentation aufschließt. Einen großen Teil ihres Wasserbedarfs deckt die Giraffe über die Nahrung. Zum Trinken muss sie die Vorderbeine weit spreizen oder einknicken – eine Haltung, in der sie gegenüber Raubtieren besonders verwundbar ist.
Verhalten & Lebensweise
Giraffen sind überwiegend tagaktiv, wobei sie in heißen Regionen die Mittagsstunden ruhend verbringen. Sie leben in losen, offenen Verbänden ohne feste Sozialstruktur. Diese Gruppen – oft als Herden bezeichnet – bestehen typischerweise aus 4 bis 30 Tieren und setzen sich wechselnd zusammen. Stabile Bindungen bestehen vor allem zwischen Müttern und ihrem Nachwuchs.
Bullen klären die Rangordnung durch sogenanntes „Necking": Sie schwingen ihre Hälse und Köpfe gegeneinander, wobei die schweren Ossikone als Schlagwaffen wirken. Diese Kämpfe können von ritualisierten, harmlosen Auseinandersetzungen bis hin zu heftigen Konfrontationen reichen, die gelegentlich mit Bewusstlosigkeit oder Knochenbrüchen enden.
Die Fortbewegung erfolgt im Passgang – beide Beine einer Körperseite bewegen sich gleichzeitig. Im Galopp erreichen Giraffen Geschwindigkeiten von bis zu 55 km/h, können dieses Tempo aber nur über kurze Strecken halten. Giraffen schlafen nur etwa 30 Minuten pro Tag, verteilt auf mehrere Kurzschlafphasen von wenigen Minuten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Giraffen haben keine feste Paarungszeit; die Fortpflanzung findet ganzjährig statt. Bullen prüfen die Paarungsbereitschaft der Kühe, indem sie deren Urin aufnehmen und mit dem Jacobson-Organ analysieren – ein Verhalten, das als Flehmen bezeichnet wird.
Die Tragzeit beträgt etwa 14 bis 15 Monate. In der Regel wird ein einzelnes Kalb geboren, Zwillingsgeburten sind extrem selten. Die Geburt erfolgt im Stehen, sodass das Neugeborene aus rund zwei Metern Höhe zu Boden fällt. Ein Giraffenkalb wiegt bei der Geburt etwa 50 bis 70 kg und ist bereits rund 1,80 m groß. Es steht innerhalb einer Stunde und kann nach wenigen Stunden laufen.
Die Säugezeit dauert bis zu 12 Monate