Netzgiraffe
NTierart – Säugetiere > Huftiere – Flusspferde & Giraffen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Giraffa reticulata (alternativ Giraffa camelopardalis reticulata)
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Giraffidae (Giraffen)
- Gattung: Giraffa
- Lebensraum: Trockensavannen, offene Buschlandschaften und lichte Wälder Ostafrikas
- Größe: Bullen bis 5,8 m Gesamthöhe, Kühe bis 4,5 m
- Gewicht: Bullen 1.100–1.800 kg, Kühe 700–1.200 kg
- Lebenserwartung: 20–25 Jahre in freier Wildbahn, bis 30 Jahre in menschlicher Obhut
Aussehen & Merkmale
Die Netzgiraffe unterscheidet sich von anderen Giraffenformen durch ihr auffälliges Fellmuster. Große, rotbraune bis leberbraune Flecken werden von einem Netzwerk schmaler, weißer bis cremefarbener Linien voneinander abgegrenzt. Dieses Muster wirkt, als wäre ein gleichmäßiges Netz über den gesamten Körper gelegt worden – daher der deutsche Name. Im Vergleich zur Massai-Giraffe (Giraffa tippelskirchi), deren Flecken unregelmäßig gezackt erscheinen, oder zur Uganda-Giraffe (Giraffa camelopardalis rothschildi) mit ihren blasseren Flecken, ist das Muster der Netzgiraffe besonders regelmäßig und kontrastreich.
Wie alle Giraffen besitzt auch die Netzgiraffe zwei mit Haut überzogene Knochenzapfen auf dem Schädel, die sogenannten Ossikone. Bullen tragen zusätzlich oft einen deutlichen medianen Knochenwulst auf der Stirn, der ihnen bei Rangkämpfen als Rammbock dient. Der extrem lange Hals besteht – wie bei nahezu allen Säugetieren – aus lediglich sieben Halswirbeln, die allerdings stark verlängert sind und jeweils bis zu 25 cm messen können. Die blaugraue, bis zu zwei Zentimeter dicke Zunge ist greiffähig und dient dem gezielten Abstreifen von Blättern.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Netzgiraffe beschränkt sich auf den Nordosten Kenias, den Süden Äthiopiens und den Süden Somalias. Innerhalb dieses Areals besiedelt sie verschiedene Habitattypen: trockene Savannen mit verstreuten Akazienbeständen, halbwüstenartige Buschlandschaften und die Randzonen lichter Trockenwälder. Entscheidend für die Wahl des Biotops ist das Vorhandensein geeigneter Futterbäume, insbesondere verschiedener Akazienarten. Dauerhafte Wasserquellen sind ebenfalls ein wichtiger Faktor, obwohl Giraffen einen Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfs über die Nahrung decken können.
Historisch war die Netzgiraffe über ein deutlich größeres Gebiet verbreitet. Durch menschliche Landnutzung, Infrastrukturprojekte und Wilderei ist ihr Lebensraum in den vergangenen Jahrzehnten stark fragmentiert worden. Größere zusammenhängende Populationen finden sich heute vor allem in kenianischen Schutzgebieten wie dem Samburu National Reserve, dem Meru National Park und privaten Wildtierkonservatorien.
Ernährung
Die Netzgiraffe ist ein reiner Pflanzenfresser und ernährt sich überwiegend als Laubfresser (Browser). Bevorzugte Nahrungspflanzen sind Blätter, Triebe, Blüten und Früchte verschiedener Akazienarten (Vachellia und Senegalia), aber auch Combretum-Arten und andere Laubbäume. Dank ihrer Körpergröße erreicht sie Nahrungsquellen in vier bis sechs Metern Höhe, die für die meisten anderen Herbivoren unerreichbar sind. Damit nimmt sie eine ökologische Nische ein, in der sie kaum Nahrungskonkurrenz hat.
Pro Tag nimmt eine erwachsene Giraffe etwa 30 bis 75 Kilogramm pflanzliche Nahrung auf. Das Trinken stellt für Giraffen aufgrund des langen Halses und der hohen Beine eine gewisse Herausforderung dar: Sie müssen die Vorderbeine weit spreizen oder beugen, um mit dem Maul das Wasser zu erreichen. In dieser Position sind sie besonders verwundbar gegenüber Raubtieren. Ein spezielles Gefäßsystem im Hals – das sogenannte Wundernetz (Rete mirabile) – verhindert dabei, dass der plötzliche Bluteinstrom ins Gehirn Schäden verursacht.
Verhalten & Lebensweise
Netzgiraffen leben in losen, offenen Sozialverbänden ohne feste Revierstrukturen. Diese Gruppen bestehen häufig aus Kühen mit ihrem Nachwuchs, wobei die Zusammensetzung sich regelmäßig verändert – ein System, das als Fission-Fusion-Gesellschaft bezeichnet wird. Bullen sind oft einzelgängerisch unterwegs oder bilden temporäre Junggesellengruppen. Dominanzverhältnisse unter Männchen werden durch sogenanntes „Necking" geklärt: Zwei Bullen stehen nebeneinander und schwingen ihre schweren Köpfe und Hälse gegeneinander. Diese Kämpfe können durchaus heftig ausfallen und zu Verletzungen führen.
Giraffen sind überwiegend tagaktiv, fressen und wandern aber auch in der Dämmerung und in mondhellen Nächten. Sie schlafen insgesamt nur etwa 30 Minuten bis zwei Stunden pro Tag, aufgeteilt in kurze Phasen von wenigen Minuten. Tiefschlaf im Liegen, bei dem der Hals auf den Rücken gelegt wird, dauert selten länger als wenige Minuten am Stück.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Netzgiraffe hat keine feste Paarungszeit; Fortpflanzung findet ganzjährig statt. Bullen prüfen die Paarungsbereitschaft der Kühe durch das sogenannte Flehmen: Sie nehmen Urin der Kuh auf und analysieren ihn über das Jacobsonsche Organ im Gaumen. Dominante Bullen paaren sich bevorzugt mit empfängnisbereiten Kühen, wobei es keine dauerhafte Paarbindung gibt.
Die Tragzeit beträgt etwa 14