Massai-Giraffe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Giraffa tippelskirchi
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Giraffidae (Giraffen)
- Gattung: Giraffa
- Lebensraum: Offene Savannen, Buschland und lichte Trockenwälder Ostafrikas
- Größe: Bullen bis 5,8 m Gesamthöhe, Kühe bis 4,5 m
- Gewicht: Bullen 1.000–1.400 kg, Kühe 700–1.000 kg
- Lebenserwartung: 20–28 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis etwa 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Massai-Giraffe – auch Kilimandscharo-Giraffe genannt – ist die größte der heute anerkannten Giraffenarten und zugleich das höchste landlebende Tier überhaupt. Ihr auffälligstes Merkmal ist das Fellmuster: unregelmäßig gezackte, dunkelbraune bis fast schwarze Flecken auf sandfarbenem bis gelblichem Grund. Die Ränder dieser Flecken wirken wie zerrissen oder sternförmig ausgefranst, was die Massai-Giraffe deutlich von der Netzgiraffe (Giraffa reticulata) mit ihren klar abgegrenzten, polygonalen Flecken und von der Südlichen Giraffe (Giraffa giraffa) unterscheidet. Das Muster ist bei jedem Individuum einzigartig und dient Forschern zur Identifikation einzelner Tiere – vergleichbar mit einem Fingerabdruck.
Auf dem Kopf tragen beide Geschlechter zwei mit Haut überzogene Knochenzapfen, sogenannte Ossikone. Bei Bullen sind diese massiver und durch Kämpfe oft an der Spitze kahl gerieben. Ein dritter, weniger ausgeprägter medianer Höcker sitzt zwischen den Augen. Der Hals ist trotz seiner enormen Länge von bis zu 2,4 m mit nur sieben Halswirbeln ausgestattet – dieselbe Anzahl wie bei den meisten anderen Säugetieren, einschließlich des Menschen. Jeder dieser Wirbel ist allerdings stark verlängert und kann über 25 cm messen. Die Vorderbeine sind länger als die Hinterbeine, was dem Rücken eine nach hinten abfallende Linie verleiht. Die Zunge ist dunkel pigmentiert, bis zu 50 cm lang und äußerst beweglich – eine Anpassung an das Greifen von Blättern zwischen Dornen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Massai-Giraffe erstreckt sich über die ostafrikanischen Länder Tansania und Kenia. Kleine, isolierte Restvorkommen existieren zudem in einzelnen Schutzgebieten. Ihr bevorzugtes Habitat sind offene und halboffene Savannenlandschaften mit verstreutem Baumbestand, insbesondere Akazien- und Commiphora-Buschland. Dichte Wälder meidet die Art ebenso wie reine Grasebenen ohne Gehölze, da sie auf Baumnahrung angewiesen ist. In Tansania bilden der Serengeti-Nationalpark, das Ngorongoro-Schutzgebiet und der Tarangire-Nationalpark wichtige Kerngebiete. In Kenia kommt die Art vor allem im Amboseli-Nationalpark, im Tsavo-Ökosystem und in der Masai Mara vor.
Neuere genetische Studien, insbesondere die Arbeiten der Giraffe Conservation Foundation, haben dazu geführt, dass die Massai-Giraffe als eigenständige Art (Giraffa tippelskirchi) anerkannt wird. Zuvor galt sie lediglich als Unterart der Nördlichen Giraffe oder als eine von mehreren Unterarten innerhalb einer einzigen Giraffenart. Innerhalb von G. tippelskirchi unterscheiden manche Taxonomen die Luapula-Giraffe Sambias als separate Unterart.
Ernährung
Massai-Giraffen sind reine Pflanzenfresser mit einer ausgeprägten Vorliebe für Laubnahrung. Als Blattfresser – sogenannte Browser – ernähren sie sich vorwiegend von den Blättern, Blüten, Trieben und Früchten verschiedener Akazienarten sowie anderer Bäume und Sträucher. Dank ihrer extremen Körperhöhe erreichen sie Nahrungsressourcen in vier bis sechs Metern Höhe, die für andere Pflanzenfresser im selben Biotop unerreichbar bleiben. Dies reduziert die Nahrungskonkurrenz erheblich. Pro Tag nimmt eine ausgewachsene Giraffe etwa 30 bis 35 Kilogramm Pflanzenmaterial zu sich und verbringt bis zu 20 Stunden mit Fressen oder Wiederkäuen. Wie alle Giraffen ist die Massai-Giraffe ein Wiederkäuer mit einem vierteiligen Magen. Den Großteil ihres Wasserbedarfs deckt sie über die Nahrung, doch wenn Wasserstellen verfügbar sind, trinkt sie – in einer für sie typischen, gespreizten Beinstellung, die den Kopf tief genug absenkt.
Verhalten & Lebensweise
Massai-Giraffen leben in losen, offenen Sozialverbänden ohne feste Gruppenstruktur. Die Zusammensetzung der Gruppen – im Englischen als „towers" bezeichnet – wechselt häufig, oft innerhalb weniger Stunden. Kühe mit Jungtieren bilden lockere Herden, während ausgewachsene Bullen häufig einzelgängerisch umherziehen und sich nur zur Paarung den Weibchengruppen anschließen. Ein festes Revier verteidigen Giraffen nicht; sie durchstreifen weitläufige Aktionsräume, die je nach Nahrungsangebot und Jahreszeit mehrere hundert Quadratkilometer umfassen können.
Die Tiere sind überwiegend tagaktiv, mit Fressperioden in den kühleren Morgen- und Abendstunden. In der Mittagshitze ruhen sie oft im Stehen oder im Schatten einzelner Bäume. Ihr Schlafbedarf ist mit etwa 30 Minuten pro Tag extrem gering; geschlafen wird in kurzen Phasen von wenigen Minuten, meist im Stehen. Bullen klären die Rangordnung durch sogenanntes „Necking" – rituelle Halskämpfe, bei denen sie ihre schweren Köpfe und Hälse seitlich gegeneinander schwingen. Diese Kämpfe können sanft und spielerisch wirken, bei ernsthaften Auseinandersetzungen aber auch zu Verletzungen führ