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Großer Kohlweißling

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Tierart – Insekten > Schmetterlinge – Tagfalter

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Pieris brassicae
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Weißlinge (Pieridae)
  • Gattung: Pieris
  • Flügelspannweite: 55–65 mm
  • Gewicht: ca. 0,3–0,5 g
  • Lebenserwartung: Imagines ca. 2–4 Wochen; als Art mit mehreren Generationen pro Jahr ganzjährig präsent
  • Lebensraum: Offenland, Gärten, Kulturlandschaften, Brachflächen, Wiesen
  • Verbreitung: Europa, Nordafrika, gemäßigtes Asien bis zum Himalaya

Aussehen & Merkmale

Der Große Kohlweißling ist einer der größten Vertreter der Familie der Weißlinge in Mitteleuropa. Die Flügeloberseite ist cremeweiß bis reinweiß gefärbt. Die Vorderflügel tragen an der Spitze einen ausgedehnten schwarzen Apikalfleck, der bei beiden Geschlechtern vorhanden ist. Bei den Weibchen finden sich zusätzlich zwei deutliche schwarze Diskalflecke auf der Vorderflügel-Oberseite sowie ein dunkler Wischfleck am Hinterrand. Männchen besitzen diese Flecke auf der Oberseite nicht oder nur schwach angedeutet, zeigen sie aber auf der Unterseite der Vorderflügel.

Die Unterseite der Hinterflügel ist bei beiden Geschlechtern gelblich bestäubt und leicht grüngrau überhaucht, was der Tarnung im Ruhezustand dient. Der Körper ist dunkel behaart und kräftig gebaut. Die Fühler sind keulenförmig verdickt – ein typisches Merkmal der Tagfalter (Rhopalocera). Die Schuppen auf den Flügeln sind vergleichsweise groß und dicht angeordnet, was dem Tier sein charakteristisch mehliges Erscheinungsbild verleiht.

Von der nah verwandten Art, dem Kleinen Kohlweißling (Pieris rapae), unterscheidet sich Pieris brassicae durch die deutlich größere Flügelspannweite und den ausgedehnteren schwarzen Apikalfleck. Auch der Grünader-Weißling (Pieris napi) kann im Flug verwechselt werden, ist aber an den dunkel beschuppten Adern auf der Hinterflügel-Unterseite sicher zu erkennen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Großen Kohlweißlings erstreckt sich über nahezu ganz Europa – von Nordafrika und der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien und von den Britischen Inseln ostwärts bis nach Zentralasien und zum Himalaya. In einigen Regionen Nordamerikas, Südafrikas und Australiens wurde die Art eingeschleppt.

Als Habitat bevorzugt der Große Kohlweißling offene bis halboffene Landschaften. Besonders häufig tritt er in Kulturlandschaften auf, wo Kreuzblütler in großem Umfang angebaut werden. Gemüsegärten, Kohlfelder, Rapsäcker, Brachflächen, Ruderalfluren und Blumenwiesen bilden seine typischen Biotope. In städtischen Gebieten besiedelt er Parks, Friedhöfe und Kleingärten. In Gebirgsregionen kommt er bis in Höhenlagen von etwa 2.000 Metern vor.

Ernährung

Die adulten Falter ernähren sich ausschließlich von Nektar. Sie besuchen ein breites Spektrum an Blütenpflanzen, darunter Disteln, Flockenblumen, Lavendel, Schmetterlingsflieder (Buddleja) und verschiedene Doldenblütler. Der lange Saugrüssel ermöglicht ihnen den Zugang zu tiefen Blütenkelchen.

Die Raupen hingegen sind auf Kreuzblütler (Brassicaceae) spezialisiert. Bevorzugte Futterpflanzen sind Kohl (Brassica oleracea), Raps (Brassica napus), Kapuzinerkresse (Tropaeolum) und wilde Kreuzblütler wie Ackersenf oder Hederich. Die Raupen fressen zunächst gesellig an der Blattunterseite und verteilen sich mit zunehmendem Alter über die gesamte Pflanze. Bei Massenauftreten können sie erhebliche Fraßschäden an Kulturpflanzen verursachen, weshalb der Große Kohlweißling in der Landwirtschaft und im Gartenbau als Schädling eingestuft wird.

Verhalten & Lebensweise

Der Große Kohlweißling ist ein tagaktiver Falter. Er fliegt in Mitteleuropa in zwei bis drei Generationen pro Jahr: Die erste Generation erscheint im April bis Mai, die zweite von Juli bis August und in günstigen Jahren eine partielle dritte Generation im September. Die Flugzeit erstreckt sich damit von April bis Oktober.

Die Falter sind ausdauernde und kräftige Flieger. Einzelne Individuen legen auf ihren Wanderflügen Distanzen von mehreren hundert Kilometern zurück. Gelegentlich kommt es zu regelrechten Massenwanderungen, bei denen große Schwärme in nordöstliche Richtung ziehen – ein Phänomen, das bereits im 19. Jahrhundert wissenschaftlich dokumentiert wurde.

Im Ruhezustand klappen die Falter die Flügel über dem Körper zusammen, sodass nur die unauffällig gefärbte Unterseite sichtbar ist. Diese Haltung dient der Tarnung vor Fressfeinden wie Vögeln, Spinnen und Libellen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz des Großen Kohlweißlings besteht aus einem auffälligen Verfolgungsflug, bei dem das Männchen dem Weibchen in schnellen Wendungen folgt. Paarungsbereite Weibchen landen und klappen die Flügel auseinander. Bereits begattete Weibchen signalisieren Ablehnung durch eine charakteristische Körperhaltung: Sie spreizen die Flügel und heben den Hinterleib steil nach oben.

Das Weibchen legt seine Eier in Gelegen von 20 bis über 100 Stück auf der Unterseite von Blättern geeigneter Futterpflanzen ab. Die Eier sind kegelförmig, gelblich gefärbt und stehen aufrecht nebeneinander. Nach etwa ein bis zwei Wochen schlüpfen die Raupen.