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Großes Ochsenauge

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Tierart – Insekten > Schmetterlinge & Motten – weitere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Maniola jurtina
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
  • Unterfamilie: Augenfalter (Satyrinae)
  • Gattung: Maniola
  • Lebensraum: Wiesen, Grasland, Wegränder, lichte Wälder, Gärten
  • Flügelspannweite: 40–48 mm
  • Gewicht: ca. 0,1–0,3 g
  • Lebenserwartung: Imagines etwa 3–4 Wochen; gesamter Lebenszyklus inklusive Raupenstadium ca. 10–11 Monate

Aussehen & Merkmale

Das Große Ochsenauge ist ein mittelgroßer Tagfalter, dessen Flügeloberseiten überwiegend in warmen Brauntönen gefärbt sind. Die Grundfarbe variiert zwischen dunkelbraun und einem hellen Ockerbraun, wobei ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus besteht: Weibchen zeigen auf den Vorderflügeln einen auffälligen orangebraunen Bereich, in dessen Zentrum ein dunkler Augenfleck mit weißem Pupillenfleck sitzt. Männchen sind insgesamt dunkler gefärbt, und der orange Bereich um den Augenfleck fällt deutlich kleiner aus oder fehlt fast gänzlich.

Die Flügelunterseiten sind für die Bestimmung besonders aufschlussreich. Die Unterseite der Vorderflügel zeigt bei beiden Geschlechtern einen orangebraunen Bereich mit dem charakteristischen Augenfleck. Die Hinterflügelunterseite ist graubraun bis olivbraun marmoriert und trägt häufig eine unregelmäßige, hellere Querbinde. Kleine, oft undeutliche Augenflecke können ebenfalls vorhanden sein. Dieses Muster dient der Tarnung, wenn der Falter mit geschlossenen Flügeln auf Vegetation ruht.

Der Körper ist braun behaart, die Fühler sind kolbenförmig verdickt – typisch für Tagfalter. Die Beine der Vorderextremitäten sind wie bei allen Edelfaltern zu sogenannten Putzpfoten reduziert und werden nicht zum Laufen verwendet. Funktionsfähig sind nur die mittleren und hinteren Beinpaare.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Maniola jurtina erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Der Falter kommt von Nordafrika über ganz Europa bis nach Westasien und in den Nahen Osten vor. In Skandinavien erreicht er etwa den 63. Breitengrad als nördliche Verbreitungsgrenze. Auf den Britischen Inseln gehört er zu den häufigsten Tagfalterarten.

Als Habitat bevorzugt das Große Ochsenauge offenes und halboffenes Grasland. Typische Biotope sind extensiv genutzte Wiesen, Trockenrasen, Straßen- und Wegränder, Brachen, Waldlichtungen und lichte Waldränder. Auch in Gärten, Parks und auf Streuobstwiesen ist die Art regelmäßig anzutreffen, sofern ausreichend Gräser als Raupennahrung vorhanden sind. Die Art zeigt eine gewisse Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Standortbedingungen, meidet jedoch intensiv bewirtschaftetes Agrarland mit häufiger Mahd und stark beschattete, geschlossene Waldbestände.

Ernährung

Die Falter (Imagines) ernähren sich vom Nektar verschiedener Blütenpflanzen. Zu den bevorzugten Nektarquellen zählen Flockenblumen, Disteln, Skabiosen, Brombeeren, Oregano und Schafgarbe. Die Falter sind dabei wenig spezialisiert und nutzen ein breites Spektrum an Blüten, was ihre Anpassungsfähigkeit an verschiedene Lebensräume unterstreicht.

Die Raupen des Großen Ochsenauges fressen an verschiedenen Süßgräsern (Poaceae). Zu den nachgewiesenen Futterpflanzen gehören unter anderem Wiesen-Rispengras (Poa pratensis), Deutsches Weidelgras (Lolium perenne), Rot-Schwingel (Festuca rubra) und verschiedene Trespen-Arten (Bromus). Die Raupen fressen vorwiegend in der Dämmerung und nachts, tagsüber verbergen sie sich am Boden in der Grasnarbe.

Verhalten & Lebensweise

Das Große Ochsenauge ist ein tagaktiver Schmetterling mit einer einzelnen Generation pro Jahr (univoltin). Die Flugzeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Mitte Juni bis Ende August, mit einem Höhepunkt im Juli. In südlichen Regionen des Verbreitungsgebiets beginnt die Flugzeit früher.

Der Flug wirkt eher träge und gaukelnd, oft dicht über der Vegetation. Die Falter halten sich bevorzugt in Bodennähe auf und sonnen sich häufig mit ausgebreiteten Flügeln auf Blättern oder am Boden. Bei Störung fliegen sie nur kurze Strecken, bevor sie sich wieder setzen. Männchen zeigen ein Patrouillenverhalten: Sie fliegen Graslandabschnitte systematisch ab, um nach paarungsbereiten Weibchen zu suchen. Dabei verteidigen sie kein festes Revier, sondern durchstreifen größere Flächen.

Die Augenflecke auf den Flügeln haben eine wichtige Funktion bei der Feindabwehr. Sie lenken Angriffe von Vögeln auf die Flügelränder ab, sodass der Falter mit einem kleinen Flügelschaden entkommen kann, statt eine tödliche Verletzung am Körper zu erleiden. Viele Individuen weisen entsprechende Schnabelspuren an den Flügeln auf.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt, wenn ein Männchen ein Weibchen entdeckt. Das Männchen nähert sich im Flug und landet neben dem Weibchen. Es folgt ein kurzes Werbeverhalten, bei dem Duftstoffe (Pheromone) aus speziellen Duftschuppen auf den Vorderflügeln der Männchen eine Rolle spielen. Nicht paarungsbereite Weibchen weisen Männchen ab, indem sie den Hinterleib anheben.

Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier einzeln an Grashalmen ab oder lässt sie im Flug über geeigneter Vegetation fallen. Die Eier sind zunächst gelblich und verfärben sich später