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Grüner Zipfelfalter

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Tierart – Insekten > Schmetterlinge & Motten – weitere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Callophrys rubi
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Bläulinge (Lycaenidae)
  • Unterfamilie: Zipfelfalter (Theclinae)
  • Gattung: Callophrys
  • Lebensraum: Waldränder, Heiden, Magerrasen, Moorgebiete, Gebüschsäume
  • Flügelspannweite: 25–30 mm
  • Gewicht: ca. 0,03–0,05 g
  • Lebenserwartung: etwa 2–4 Wochen als Falter; gesamter Lebenszyklus ca. 1 Jahr

Aussehen & Merkmale

Der Grüne Zipfelfalter ist der einzige mitteleuropäische Tagfalter mit einer durchgehend grünen Flügelunterseite. Diese leuchtend grasgrüne Färbung entsteht nicht durch Pigmente, sondern durch die Mikrostruktur der Schuppen auf der Flügelunterseite. Winzige, regelmäßig angeordnete Kristallgitter brechen das einfallende Licht und erzeugen so die grüne Farbe – ein physikalisches Phänomen, das als Strukturfarbe bezeichnet wird.

Die Flügeloberseite ist bei beiden Geschlechtern einheitlich dunkelbraun und im Feld kaum zu sehen, da der Falter seine Flügel in Ruhestellung stets zusammenklappt. Auf der grünen Unterseite verläuft bei manchen Individuen eine feine, weiß gestrichelte Linie quer über die Hinterflügel. Der Körper ist dicht behaart und dunkelbraun gefärbt. Die Fühler sind schwarz-weiß geringelt und enden in einer deutlichen Keule. Anders als bei vielen anderen Zipfelfaltern fehlen am Hinterflügel verlängerte Schwanzspitzen – ein Merkmal, das die Gattung Callophrys von verwandten Gattungen wie Thecla oder Satyrium unterscheidet.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Callophrys rubi erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Es reicht von Irland und der Iberischen Halbinsel im Westen über ganz Europa und Kleinasien bis nach Sibirien. In Nordafrika kommt die Art ebenfalls vor. In Mitteleuropa besiedelt der Grüne Zipfelfalter Höhenlagen vom Tiefland bis auf etwa 2.000 Meter in den Alpen.

Die Art zeigt eine ausgeprägte Bindung an strukturreiche Habitate. Bevorzugte Biotope sind Waldränder, Lichtungen, verbuschende Magerrasen, Heideflächen, Hochmoore und Kahlschläge. Entscheidend ist das Vorhandensein von Saumstrukturen – also Übergangszonen zwischen offenen und bewaldeten Flächen. In diesen Bereichen finden die Falter sowohl geeignete Nektarpflanzen als auch die Raupenfutterpflanzen. In intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaften fehlt der Grüne Zipfelfalter weitgehend.

Ernährung

Die Falter saugen Nektar an verschiedenen Blütenpflanzen, darunter Weißdorn, Schlehe, Hahnenfuß, Wundklee und Thymian. Die Nektarquellen variieren je nach Flugzeit und verfügbarem Blütenangebot am jeweiligen Standort.

Die Raupen sind polyphag und nutzen ein breites Spektrum an Futterpflanzen aus verschiedenen Pflanzenfamilien. Zu den wichtigsten Nahrungspflanzen der Larven gehören Ginster (Genista, Cytisus), Besenheide (Calluna vulgaris), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Sonnenröschen (Helianthemum), Hornklee (Lotus corniculatus) und verschiedene Kleearten (Trifolium). Die Raupen fressen vorwiegend an Blüten, Knospen und jungen Früchten, seltener an Blättern.

Verhalten & Lebensweise

Der Grüne Zipfelfalter ist tagaktiv und fliegt in einer Generation pro Jahr (univoltin). Die Flugzeit erstreckt sich je nach Höhenlage und Region von April bis Juni, in höheren Lagen auch bis Juli. Die Falter sind bei Sonnenschein aktiv und halten sich bevorzugt in der Nähe von Gebüschen und Saumstrukturen auf.

Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten. Sie besetzen exponierte Sitzwarten an Buschspitzen oder erhöhten Punkten und verteidigen ihr Revier gegen Artgenossen und andere Insekten durch kurze, schnelle Verfolgungsflüge. Dieses sogenannte „Hilltopping"-Verhalten – das Aufsuchen erhöhter Geländepunkte – dient der Partnersuche. Die Flugweise ist rasch und wendig, was die kleinen Falter trotz ihrer auffälligen Färbung schwer verfolgbar macht.

Durch die grüne Flügelunterseite sind ruhende Falter in der Vegetation gut getarnt. Diese Krypsis schützt vor Fressfeinden wie Vögeln und Spinnen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier einzeln an Knospen oder junge Triebe der Raupenfutterpflanzen. Die Eier sind flach, scheibenförmig und weißlich-grün gefärbt. Die Raupen schlüpfen nach etwa ein bis zwei Wochen und durchlaufen vier Larvenstadien. Sie sind grün gefärbt, mit hellen Seitenstreifen und Rückenlinien, und somit an der Futterpflanze gut getarnt.

Die Verpuppung erfolgt am Boden, in der Streuschicht oder knapp unter der Erdoberfläche. Die Puppe ist braun und gedrungen. Sie überwintert – der Grüne Zipfelfalter verbringt also den größten Teil seines Lebenszyklus im Puppenstadium. Die Überwinterung als Puppe ist eine Anpassung an die Klimabedingungen der gemäßigten Breiten. Die Falter schlüpfen im folgenden Frühjahr, wenn die Temperaturen ausreichend steigen.

Eine Besonderheit bei der Verpuppung: Die Puppen können stridulieren, also Geräusche erzeugen, die möglicherweise Ameisen anlocken. Bei einigen Bläulingsarten ist eine Assoziation mit Ameisen (Myrmekophilie) bekannt, beim Grünen Zipfelfalter ist diese