Gürteltier
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Dasypodidae (Familie) bzw. Chlamyphoridae; übergeordnet: Cingulata (Ordnung)
- Ordnung: Gepanzerte Nebengelenktiere (Cingulata)
- Überordnung: Nebengelenktiere (Xenarthra)
- Familien: Dasypodidae und Chlamyphoridae
- Anzahl der Arten: rund 21 rezente Arten
- Lebensraum: Trockensavannen, Grasland, tropische Regenwälder, Halbwüsten – von Nordamerika bis Südamerika
- Größe: 12 cm (Gürtelmull) bis 150 cm (Riesengürteltier), je nach Art
- Gewicht: 85 g (Gürtelmull) bis 60 kg (Riesengürteltier)
- Lebenserwartung: 4–16 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Gürteltiere tragen das auffälligste Körpermerkmal bereits im Namen: einen Panzer aus verknöcherten Hautplatten, den sogenannten Osteoderme. Diese Knochenplatten sind in die Lederhaut (Dermis) eingelagert und von einer dünnen Schicht aus Horn (Keratin) überzogen. Der Panzer bedeckt Kopf, Rücken, Flanken und häufig auch den Schwanz. Zwischen den starren Schulter- und Beckenschilden liegen bewegliche Bänder – die namensgebenden Gürtel –, die dem Tier eine erstaunliche Flexibilität verleihen. Die Anzahl dieser Gürtel variiert je nach Art: Das Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus) besitzt typischerweise neun, das Dreibinden-Gürteltier (Tolypeutes tricinctus) nur drei bewegliche Bänder.
Die Unterseite des Körpers ist ungepanzert und mit spärlichen, borstigen Haaren bedeckt. Auch an den Panzerrändern und zwischen den Gürteln wachsen einzelne Tasthaare. Die Gliedmaßen sind kurz und kräftig, die Vorderfüße mit langen, gebogenen Grabkrallen ausgestattet. Die Augen sind relativ klein, die Ohren je nach Art röhren- oder muschelförmig. Das Gebiss besteht aus einfachen, stiftförmigen Zähnen ohne Zahnschmelz, die zeitlebens nachwachsen können – ein Merkmal, das Gürteltiere mit anderen Nebengelenktieren teilen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gürteltiere erstreckt sich über weite Teile des amerikanischen Doppelkontinents. Der Großteil der Arten lebt in Südamerika, mit einem Schwerpunkt in den Savannen und Trockenwäldern Brasiliens, Argentiniens und Paraguays. Das Neunbinden-Gürteltier hat als einzige Art Nordamerika besiedelt und kommt heute vom Südosten der USA bis nach Uruguay vor. Sein Habitat reicht von subtropischen Wäldern über Grasland bis hin zu landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Je nach Art bevorzugen Gürteltiere unterschiedliche Biotope. Der Gürtelmull (Chlamyphorus truncatus), die kleinste Art, lebt unterirdisch in den trockenen Sandebenen Zentralargentiniens. Das Riesengürteltier (Priodontes maximus) bewohnt ungestörte tropische und subtropische Wälder. Allen Arten gemeinsam ist die Abhängigkeit von grabbaren Böden, in denen sie ihre Baue anlegen können.
Ernährung
Die meisten Gürteltierarten sind Insektenfresser (Insektivoren). Ameisen, Termiten, Käferlarven und andere wirbellose Bodenbewohner bilden den Hauptbestandteil ihrer Nahrung. Mit den kräftigen Grabkrallen reißen sie Termitenbauten auf oder wühlen im lockeren Erdreich nach Larven. Die lange, klebrige Zunge hilft beim Auflecken kleiner Beutetiere.
Einige Arten ernähren sich darüber hinaus omnivor: Das Neunbinden-Gürteltier frisst neben Insekten auch Früchte, Pilze, kleine Wirbeltiere und gelegentlich Aas. Das Riesengürteltier hingegen ist stärker auf Termiten und Ameisen spezialisiert und kann in einer einzigen Nacht die gesamte Bewohnerschaft eines großen Termitenhügels dezimieren.
Verhalten & Lebensweise
Gürteltiere sind überwiegend nachtaktiv oder dämmerungsaktiv, wobei einige Arten in kühlen Klimazonen auch tagsüber auf Nahrungssuche gehen. Sie leben einzelgängerisch; soziale Interaktionen finden hauptsächlich während der Paarungszeit statt. Jedes Tier unterhält ein Revier mit mehreren selbst gegrabenen Erdbauen, die als Schlafplatz, Schutz vor Fressfeinden und Temperaturregulation dienen.
Die Grabfähigkeit der Gürteltiere ist außerordentlich: Manche Arten können sich innerhalb weniger Minuten vollständig im Erdreich verbergen. Das Dreibinden-Gürteltier (Tolypeutes) verfolgt eine andere Verteidigungsstrategie – es rollt sich bei Gefahr zu einer nahezu geschlossenen Kugel zusammen und schützt so die weiche Bauchseite. Dieses Verhalten ist unter den Gürteltieren einzigartig.
Die Thermoregulation stellt für Gürteltiere eine Herausforderung dar. Ihre Körpertemperatur liegt mit 32–35 °C niedriger als bei den meisten anderen Säugetieren, und sie besitzen nur wenig isolierendes Unterhautfettgewebe. Längere Kälteperioden oder Frost können daher tödlich sein, was ihre Ausbreitung in gemäßigte Breiten begrenzt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungsbiologie variiert zwischen den Arten erheblich. Beim Neunbinden-Gürteltier ist die obligatorische Polyembryonie ein taxonomisch seltenes Phänomen: Aus einer einzigen befruchteten Eizelle entwickeln sich stets vier genetisch identische Jungtiere (eineiige Vierlinge). Zusätzlich kann das Weibchen die Einnistung der Blastozyste um mehrere Monate verzögern (Keimruhe, auch als verzögerte Implantation bekannt), um den Geburtszeitpunkt an günstige Umw