Gurami
GTierart – Fische > Süßwasserfische – Aquarium
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Osphronemidae (Familie); bekannteste Gattungen: Trichogaster, Trichopodus, Osphronemus, Colisa
- Ordnung: Anabantiformes (Kletterfischartige)
- Familie: Osphronemidae (Guramis)
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer Süd- und Südostasiens
- Größe: Je nach Art 4 cm (Zwergguramis) bis über 70 cm (Riesenguramis)
- Gewicht: Wenige Gramm bis ca. 9 kg (Riesenguramis)
- Lebenserwartung: 3–8 Jahre bei kleinen Arten; bis über 20 Jahre beim Riesengurami
Aussehen & Merkmale
Guramis – oft auch als Fadenfische bezeichnet – zeichnen sich durch einen seitlich abgeflachten, hochrückigen Körperbau aus. Das auffälligste Merkmal sind die zu langen Fäden umgebildeten Bauchflossen, die als Tastorgane dienen. Diese fadenförmigen Flossenstrahlen können je nach Art annähernd die Körperlänge erreichen und werden ständig in Bewegung gehalten, um die Umgebung abzutasten.
Die Schuppen sind relativ klein und sitzen fest in der Haut. Je nach Art variiert die Färbung erheblich: Der Zwerggurami (Trichogaster lalius, früher Colisa lalia) zeigt leuchtend rote und blaue Streifen, der Mosaikgurami (Trichogaster leerii) besitzt ein netzartiges Muster aus silbrig-weißen Flecken auf orangefarbenem Grund, und der Mondscheingurami (Trichogaster microlepis) schimmert gleichmäßig silbrig-blau. Der Riesengurami (Osphronemus goramy) wirkt dagegen eher unscheinbar grau bis schwarz und hat einen massiven, fast rundlichen Kopf.
Allen Guramis gemeinsam ist das sogenannte Labyrinthorgan, eine zusätzliche Atemstruktur oberhalb der Kiemen. Dieses stark gefaltete, gut durchblutete Gewebe ermöglicht die Aufnahme von Luftsauerstoff direkt an der Wasseroberfläche. Anatomisch handelt es sich um eine Erweiterung des ersten Kiemenbogens, die sich im Laufe der Evolution als Anpassung an sauerstoffarme Gewässer entwickelt hat.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Guramis erstreckt sich über weite Teile Süd- und Südostasiens. Je nach Art finden sich Populationen in Indien, Pakistan, Bangladesch, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam, Malaysia und Indonesien. Der Riesengurami wurde zudem in zahlreichen tropischen Regionen außerhalb seines ursprünglichen Areals als Speisefisch eingebürgert, etwa in Australien, auf Madagaskar und in Teilen Südamerikas.
Das bevorzugte Habitat umfasst stehende oder nur langsam fließende Gewässer mit dichter Unterwasser- und Ufervegetation: Reisfelder, flache Sümpfe, überschwemmte Wiesen, Altarme von Flüssen, Teiche und Kanäle. In diesen Biotopen ist der Sauerstoffgehalt des Wassers häufig gering, was durch das Labyrinthorgan kompensiert wird. Die Wassertemperatur in den Herkunftsgebieten liegt typischerweise zwischen 24 und 30 °C, der pH-Wert ist meist leicht sauer bis neutral (6,0–7,5).
Ernährung
Guramis sind Allesfresser mit einer Tendenz zu tierischer Kost. In der Natur ernähren sie sich von Insektenlarven, Kleinkrebsen, Würmern, Zooplankton und Algenaufwuchs. Größere Arten wie der Riesengurami nehmen auch pflanzliche Nahrung zu sich, darunter Wasserpflanzen, Früchte und Gemüse.
Im Aquarium nehmen die meisten Arten handelsübliches Flockenfutter, Granulatfutter, Frostfutter (Mückenlarven, Artemia, Daphnien) und Lebendfutter bereitwillig an. Eine abwechslungsreiche Ernährung fördert die Farbintensität und die allgemeine Vitalität. Einige Arten, insbesondere der Zwerggurami, erbeuten an der Wasseroberfläche auch kleine Insekten, indem sie gezielt Wassertropfen auf Beutetiere oberhalb der Wasserlinie spritzen – ein Verhalten, das entfernt an den Schützenfisch erinnert.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Guramis sind tagaktive Fische, die sich bevorzugt im mittleren und oberen Wasserbereich aufhalten. Regelmäßig steigen sie an die Oberfläche, um über das Labyrinthorgan atmosphärische Luft aufzunehmen – ein Vorgang, der selbst in sauerstoffreichem Wasser stattfindet und für das Überleben zwingend notwendig ist.
Das Sozialverhalten ist artabhängig und geschlechtsspezifisch. Männchen vieler Arten sind untereinander territorial und verteidigen insbesondere während der Fortpflanzungszeit ein Revier aggressiv gegen Artgenossen. Gegenüber anderen Fischarten verhalten sich die meisten Guramis dagegen friedlich bis zurückhaltend. Weibchen sind in der Regel deutlich verträglicher. Zwergguramis gelten als eher scheu und sollten im Aquarium nicht mit hektischen oder aggressiven Beifischen vergesellschaftet werden.
Die fadenförmigen Bauchflossen setzen Guramis nicht nur zur Orientierung in trübem Wasser ein, sondern auch zur sozialen Kommunikation: Bei Begegnungen zwischen Artgenossen werden die Fäden oft in Richtung des Gegenübers gestreckt, was als Tast- und Kontaktverhalten gedeutet wird.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung der meisten Guramis ist eng mit dem Bau eines Schaumnests verbunden. Das Männchen errichtet an der Wasseroberfläche ein Nest aus Luftblasen, die es mit Speichel umhüllt und häufig mit Pflanzenteilen verstärkt. Dieser Nestbau kann mehrere Stunden bis Tage dauern und signalisiert die Laichbereitschaft.
Die Balz ist ein ritualisiertes Verhalten