Hahnenkamm
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Definition & Überblick
Der Hahnenkamm (lat. Crista galli im übertragenen Sinne, zoologisch korrekt als Crista carnosa oder schlicht Crista bezeichnet) ist ein fleischiger, aufrechter Hautanhang auf dem Scheitel des Kopfes beim Haushuhn (Gallus gallus domesticus) und verwandten Hühnervögeln (Galliformes). Es handelt sich um eine unbefiederte, stark vaskularisierte Hautstruktur, die weder Knochen, Knorpel noch Muskeln enthält. Der Kamm zählt zusammen mit den Kehllappen (Paleae), den Ohrscheiben (Auriculae) und dem Augenring zu den sogenannten Kopfanhängen (Appendices capitis), die in der Geflügelanatomie als sekundäre Geschlechtsmerkmale klassifiziert werden. Beim Hahn ist der Kamm deutlich größer, dicker und intensiver gefärbt als bei der Henne, weshalb die Bezeichnung „Hahnenkamm" gebräuchlich wurde.
Aufbau & Struktur
Histologisch besteht der Hahnenkamm aus einer mehrschichtigen Epidermis, die von einer besonders dicken Dermis (Corium) unterlagert wird. Die Dermis ist außerordentlich reich an Blutgefäßen, insbesondere an arteriellen und venösen Kapillarnetzen, die für die charakteristische rote Färbung verantwortlich sind. Das Bindegewebe der Dermis enthält große Mengen an Hyaluronsäure (Acidum hyaluronicum), einem Glykosaminoglykan, das Wasser in hohem Maße bindet und dem Kamm seine pralle, turgeszente Konsistenz verleiht. Der Hahnenkamm gilt als eines der hyaluronsäurereichsten Gewebe im gesamten Tierreich und dient der pharmazeutischen Industrie seit Jahrzehnten als natürliche Quelle dieses Stoffes.
Die Subkutis ist dünn oder fehlt weitgehend; der Kamm sitzt direkt auf dem Periost der Schädeldecke (Os frontale und Os parietale) auf. Eine eigene Muskulatur besitzt der Kamm nicht – er kann folglich nicht aktiv bewegt werden. Die arterielle Versorgung erfolgt über Äste der Arteria ophthalmica externa und der Arteria supraorbitalis, während der venöse Abfluss über korrespondierende Venae superficiales stattfindet. Die Innervation ist über Zweige des Nervus trigeminus (V. Hirnnerv) gegeben, sodass der Kamm berührungsempfindlich ist.
Morphologisch werden je nach Hühnerrasse verschiedene Kammformen unterschieden:
- Einfachkamm (Crista simplex) – aufrecht stehend, mit Zacken besetzt; typisch für Leghorn und Rhode Island Red
- Rosenkamm (Crista rosae) – flach, breit, mit papillöser Oberfläche und nach hinten gerichtetem Dorn; typisch für Wyandotte und Hamburger
- Erbsenkamm (Crista tripartita) – drei parallele, niedrige Längsleisten; typisch für Brahma und Ameraucana
- Walnusskamm (Crista nuciformis) – knollige, unregelmäßige Oberfläche; typisch für Malaien und Orloff
- Hörnerkamm (Crista cornuta) – in zwei hornförmige Spitzen aufgeteilt; typisch für La Flèche und Crèvecoeur
- Becherkamm (Crista cyathiformis) – Einfachkamm, dessen hinterer Abschnitt becherförmig zusammengewachsen ist; typisch für einige Sizilianische Rassen
Die genetische Grundlage der Kammform ist gut erforscht: Zwei autosomal dominante Loci – R (Rose comb) und P (Pea comb) – interagieren epistatisch. Der Genotyp rrpp ergibt den Einfachkamm, R_pp den Rosenkamm, rrP_ den Erbsenkamm und R_P_ den Walnusskamm.
Funktion
Dem Hahnenkamm kommen mehrere biologische Funktionen zu. An erster Stelle steht die Thermoregulation. Da Vögel keine Schweißdrüsen besitzen, erfolgt die Wärmeabgabe bei Hühnern zu einem erheblichen Teil über die unbefiederten, stark durchbluteten Kopfanhänge. Bei Hitze wird die Durchblutung des Kammes durch Vasodilatation gesteigert, sodass überschüssige Körperwärme konvektiv und radiativ an die Umgebung abgegeben wird. Bei Kälte verengen sich die Gefäße (Vasokonstriktion), um den Wärmeverlust zu minimieren. Rassen mit großen Einfachkämmen sind daher hitzetolerant, aber frostanfällig, während Rassen mit kleinen Rosen- oder Erbsenkämmen besser an kalte Klimazonen angepasst sind.
Daneben fungiert der Kamm als visuelles Sexualsignal. Ein großer, leuchtend roter Kamm signalisiert Hennen einen gesunden, immunkompetenten Hahn mit hohem Testosteronspiegel. Studien haben gezeigt, dass Hennen Hähne mit größeren, intensiver gefärbten Kämmen als Paarungspartner bevorzugen. Der Kamm unterliegt somit der sexuellen Selektion. Auch innerhalb der sozialen Rangordnung (Hackordnung) spielen Kammgröße und -farbe eine Rolle bei der Etablierung von Dominanzverhältnissen.
Unterschiede zwischen Tierarten
Fleischige Kopfanhänge kommen nicht ausschließlich beim Haushuhn vor. Innerhalb der Ordnung Galliformes tragen Truthühner (Meleagris gallopavo) einen langen, erektilen Stirnzapfen (Snood), der durch Blutschwellung seine Länge verändern kann, sowie einen ausgeprägten Karunkelschmuck an Kopf und Hals. Beim Helmkasuar (Casuarius casuarius) findet sich ein knöcherner, von Keratin überzogener Helm (Casque), der strukturell