Haselhuhn
HTierart – Vögel > Hühnervögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tetrastes bonasia (früher Bonasa bonasia)
- Ordnung: Hühnervögel (Galliformes)
- Familie: Raufußhühner (Tetraonidae)
- Gattung: Tetrastes
- Lebensraum: Unterholzreiche Nadel- und Mischwälder der gemäßigten und borealen Zone
- Größe: 34–39 cm Körperlänge
- Gewicht: 300–450 g
- Lebenserwartung: 5–7 Jahre in freier Wildbahn, in Ausnahmefällen bis 10 Jahre
Aussehen & Merkmale
Das Haselhuhn ist der kleinste Vertreter der Raufußhühner in Europa. Sein Gefieder zeigt eine fein gemusterte Kombination aus Braun-, Grau-, Weiß- und Schwarztönen, die eine hervorragende Tarnung im Unterholz ermöglicht. Die Oberseite ist überwiegend rotbraun bis graubraun mit dunklen und hellen Flecken und Bändern, die Unterseite heller mit einer deutlichen dunklen Schuppung auf Brust und Flanken.
Beide Geschlechter tragen eine kurze, aufrichtbare Federhaube am Hinterkopf. Der Schwanz ist mittellang und zeigt eine charakteristische schwarze Endbinde mit schmalem weißem Saum, die im Flug gut erkennbar ist. Wie bei allen Raufußhühnern sind die Füße bis zu den Zehen befiedert – eine Anpassung an kalte Lebensräume, die der Familie ihren Namen gibt.
Der Geschlechtsdimorphismus ist beim Haselhuhn weniger ausgeprägt als bei anderen Raufußhühnern wie Auer- oder Birkhuhn. Hähne lassen sich am schwarzen Kehlfleck erkennen, der von einem weißen Band eingefasst ist. Hennen fehlt dieser Kehlfleck weitgehend oder er ist nur angedeutet bräunlich vorhanden. Über dem Auge befindet sich bei beiden Geschlechtern ein schmaler roter Hautstreifen, der beim Hahn etwas stärker ausgeprägt ist.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Haselhuhns erstreckt sich als breites Band von Westeuropa über die gesamte Paläarktis bis nach Ostsibirien, Korea und die Insel Hokkaido in Japan. In Europa reicht das Areal von den Pyrenäen und den französischen Alpen ostwärts über Mittel- und Nordeuropa bis nach Skandinavien und Russland. Die Art fehlt auf den Britischen Inseln und der Iberischen Halbinsel weitgehend.
Als Habitat bevorzugt das Haselhuhn unterholzreiche, strukturierte Wälder mit dichtem Bodenbewuchs. Ideale Biotope sind Mischwälder aus Fichten, Tannen, Birken, Erlen und Haselsträuchern. Entscheidend für die Eignung eines Waldgebiets ist eine ausgeprägte Strauch- und Krautschicht sowie das Vorhandensein von Beerensträuchern und Kätzchen tragenden Laubbäumen. Reine, gleichaltrige Nadelwaldbestände ohne Unterholz werden gemieden.
In Mitteleuropa bewohnt das Haselhuhn vorwiegend montane und subalpine Waldlagen zwischen 500 und 1.800 Metern Höhe. In Skandinavien und der borealen Taiga kommt die Art hingegen auch in tieferen Lagen vor. In Deutschland gilt das Haselhuhn als selten und ist auf wenige Restvorkommen in den Alpen, im Schwarzwald, im Bayerischen Wald und vereinzelt in anderen Mittelgebirgsregionen beschränkt.
Ernährung
Die Nahrung des Haselhuhns variiert stark mit den Jahreszeiten. Im Sommer und Herbst stehen Beeren – insbesondere Heidelbeeren, Preiselbeeren und Himbeeren –, Knospen, Blätter, Sämereien sowie Insekten und deren Larven auf dem Speiseplan. Küken sind in den ersten Lebenswochen fast ausschließlich auf tierische Nahrung wie Raupen, Ameisen und Käfer angewiesen, da sie für ihr schnelles Wachstum proteinreiche Kost benötigen.
Im Winter, wenn die Schneedecke den Zugang zur Bodenvegetation versperrt, ernährt sich das Haselhuhn überwiegend von Kätzchen und Knospen verschiedener Laubbäume und Sträucher. Erlen-, Birken- und Haselkätzchen bilden die Hauptnahrung in der kalten Jahreszeit. Diese energiearme Winterkost wird im Blinddarm mithilfe spezialisierter Mikroorganismen aufgeschlossen – eine typische Anpassung der Raufußhühner an pflanzliche Rohkost.
Verhalten & Lebensweise
Das Haselhuhn lebt vorwiegend tagaktiv, wobei es die Dämmerungsphasen am Morgen und Abend besonders intensiv zur Nahrungssuche nutzt. Es ist ein ausgesprochen standorttreuer Vogel, der sein Revier ganzjährig besetzt. Die Reviergröße beträgt je nach Habitatqualität zwischen 10 und 40 Hektar.
Die Art lebt überwiegend einzelgängerisch oder paarweise. Größere Ansammlungen kommen nicht vor – im Unterschied etwa zum Birkhuhn, das zur Balzzeit Gruppenbalzen an festen Plätzen veranstaltet. Bei Störung verlässt sich das Haselhuhn zunächst auf seine Tarnung und drückt sich reglos an den Boden. Erst bei unmittelbarer Gefahr fliegt es mit lautem, poltrigem Flügelschlag auf und verschwindet in dichter Deckung. Die Fluchtdistanz ist in der Regel gering, selten mehr als 100 bis 200 Meter.
Im Winter sucht das Haselhuhn bei starker Kälte Schneehöhlen auf, in die es sich zur Nachtruhe eingräbt. Diese Schneekammern bieten wirksamen Schutz vor Wärmeverlust und Raubtieren.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt bereits im Herbst mit einer Vorbalz, die eigentliche Hauptbalz findet im zeitigen Frühjahr zwischen März und Mai statt. Der Hahn lockt die Henne mit einem hohen, dünnen Pfeifgesang, der aus einer Reihe ansteigender Töne besteht und bis zu 200 Meter weit hörbar ist. Die Balz verläuft vergleichsweise unauffällig – ohne die spektakulären Schaustellungen,