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Haube

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Anatomie & Körperbau > Kopf & Sinnesorgane

Definition & Überblick

Der Begriff Haube besitzt in der Veterinäranatomie zwei klar voneinander abgegrenzte Bedeutungen. Zum einen bezeichnet er den Retikulum (lat. Reticulum), also den zweiten Vormagenabschnitt der Wiederkäuer. Zum anderen beschreibt der Begriff in der Kategorie Kopf und Sinnesorgane eine auffällige, federbasierte Kopfstruktur bei Vögeln – die sogenannte Federhaube (lat. Crista oder Crest). Im Kontext dieses Artikels liegt der Schwerpunkt auf der Haube als Kopfstruktur bei Vögeln, ergänzt um vergleichende Hinweise auf analoge Kopfbildungen bei anderen Tierarten.

Die Federhaube ist eine aus verlängerten oder strukturell veränderten Kopffedern gebildete, oft aufrichtbare Struktur auf dem Scheitel (Vertex) oder dem Hinterkopf (Occiput) von Vögeln. Sie kommt bei zahlreichen Spezies vor – von Kakadus über Wiedehopfe bis hin zu domestizierten Hühnerrassen wie der Paduaner Haubenhuhn. Anatomisch ist sie eng mit dem knöchernen Schädeldach (Calvaria), der Kopfhaut (Cutis capitis) und den in ihr verankerten Federfollikeln verknüpft.

Aufbau & Struktur

Die Federhaube besteht aus spezialisierten Konturfedern (Pennae contourae), die sich in Länge, Form und Mikrostruktur von den umliegenden Kopffedern unterscheiden. Ihre anatomischen Grundlagen umfassen:

  • Federfollikel (Folliculi plumae): Die Haubenfedern entspringen aus tief in der Dermis verankerten Follikeln. Bei manchen Rassen, etwa dem Haubenhuhn, liegen diese Follikel in einem verdickten Hautareal, das einem bindegewebigen Polster aufliegt.
  • Knöcherne Grundlage: Bei bestimmten Haubenhühnern weist das Schädeldach im Bereich des Os frontale eine charakteristische knöcherne Vorwölbung auf – die sogenannte Protuberantia cerebralis. Diese Auftreibung des Schädelknochens entsteht durch eine unvollständige Ossifikation der Schädeldecke und bildet eine knorpelig-knöcherne Kuppe, auf der das Haubengefieder inseriert.
  • Muskuläre Steuerung: Bei Vogelarten mit aufrichtbarer Haube – besonders bei Kakadus (Cacatuidae) – steuern glatte und quergestreifte Hautmuskeln (Musculi cutanei) die Erektion der Federn. Diese Mm. erectores plumarum setzen an den Follikeln an und ermöglichen die willkürliche Aufstellung der Haube.
  • Gefäß- und Nervenversorgung: Das Haubenareal wird durch Äste der Arteria supraorbitalis und Zweige des Nervus ophthalmicus (V₁) versorgt, was die hohe Empfindlichkeit dieser Kopfregion erklärt.

Funktion

Die Federhaube erfüllt je nach Tierart unterschiedliche biologische Aufgaben:

  • Intraspezifische Kommunikation: Bei Kakadus dient die aufrichtbare Haube als visuelles Signalelement. Aufgestellte Haubenfedern signalisieren Erregung, Alarm oder Balzbereitschaft. Die Haube fungiert als semiotisches Organ innerhalb der sozialen Interaktion.
  • Sexuelle Selektion: Bei vielen Arten unterliegt die Haubenausbildung einem Sexualdimorphismus. Größere, farbintensivere Hauben weisen auf genetische Fitness hin und beeinflussen die Partnerwahl.
  • Artkennung: Die spezifische Haubenform dient der optischen Unterscheidung von nahe verwandten Arten und verhindert so Hybridisierungen.
  • Thermoregulation: Durch Aufstellen der Federn kann die isolierende Luftschicht am Kopf verändert werden, was in begrenztem Umfang zur Wärmeregulation beiträgt.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die Ausprägung der Haube variiert erheblich innerhalb der Klasse Aves und zeigt sich auch in analogen Strukturen bei anderen Tierklassen:

  • Kakadus (Cacatuidae): Besitzen die am besten entwickelte, muskulär steuerbare Federhaube. Die langen, schmalen Haubenfedern können fächerartig aufgerichtet werden. Die Crista besteht aus bis zu 20 cm langen Federn.
  • Wiedehopf (Upupa epops): Trägt eine charakteristische, fächerförmig aufstellbare Haube aus orangebraunen, schwarzgespitzten Federn, die besonders bei der Landung und bei Erregung aufgestellt wird.
  • Haubenhuhn-Rassen (Gallus gallus domesticus): Bei Paduanern, Holländer Haubenhühnern und Appenzeller Spitzhauben ist die Haube ein züchterisch selektiertes Merkmal. Die knöcherne Protuberanz am Frontale ist hier genetisch mit der Ausbildung einer zerebralen Hernie assoziiert.
  • Schopfpinguine (Eudyptes): Tragen verlängerte gelbe Scheitelfedern, die als Erkennungsmerkmal während der Brutkolonie-Bildung dienen.
  • Analoge Strukturen bei Reptilien: Hauben oder Kämme bei Basilisken (Basiliscus) und Chamäleons (z. B. Chamaeleo calyptratus mit dem Casque) sind keine Federbildungen, sondern knöcherne oder knorpelige Auswüchse des Schädeldachs, überzogen von keratinisierter Epidermis.

Besonderheiten

Genetisch wird die Haubenbildung bei Hühnervögeln durch ein autosomal unvollständig dominantes Gen (Cr-Locus) gesteuert. Homozygote Träger (Cr/Cr) zeigen neben der ausgeprägten Federhaube häufig schwerwiegende Schädeldeformitäten mit offenen Fontanellen und zerebralen Hernien, was die Letalität im