Hauhechel-Bläuling
HTierart – Insekten > Schmetterlinge – Tagfalter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Polyommatus icarus (Rottemburg, 1775)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Bläulinge (Lycaenidae)
- Unterfamilie: Polyommatinae
- Gattung: Polyommatus
- Flügelspannweite: 25–30 mm
- Gewicht: ca. 0,04–0,06 g
- Lebenserwartung: Imagines ca. 2–3 Wochen; gesamter Lebenszyklus mehrere Monate
- Lebensraum: Magerrasen, Trockenrasen, Wegränder, Brachen, Ruderalflächen
- Verbreitung: Europa, Nordafrika, gemäßigtes Asien bis Ostasien
Aussehen & Merkmale
Der Hauhechel-Bläuling zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Die Flügeloberseiten der Männchen sind leuchtend himmelblau mit einem schmalen schwarzen Rand und weißen Fransen. Weibchen hingegen tragen auf der Oberseite eine überwiegend braune Grundfärbung, die je nach Individuum und Standort mehr oder weniger stark blau übergossen sein kann. Entlang des Flügelrands finden sich bei Weibchen häufig orangefarbene Randflecken, sogenannte Submarginalflecken, die bei Männchen meist fehlen oder nur schwach ausgeprägt sind.
Die Flügelunterseiten beider Geschlechter ähneln sich stark: Sie sind graubeige bis hellbraun mit zahlreichen schwarzen, weiß umrandeten Augenflecken sowie einer Reihe orangefarbener Randflecken auf Vorder- und Hinterflügel. Diese Zeichnung dient der Tarnung in der Vegetation. Der Körper ist dicht behaart, oberseits blau-grau, unterseits heller. Die Fühler sind schwarz-weiß geringelt und enden in einer deutlichen Kolbe. Die Komplexaugen sind typisch für Tagfalter groß und dunkel.
Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit anderen Bläulingsarten wie dem Himmelblauen Bläuling (Polyommatus bellargus) oder dem Silbergrünen Bläuling (Polyommatus coridon). Vom Himmelblauen Bläuling unterscheidet sich der Hauhechel-Bläuling durch die weniger intensiv blaue Färbung und das Fehlen der charakteristisch schwarz-weiß gescheckten Fransen. Gegenüber dem Silbergrünen Bläuling fehlt der silbrig-blaue Farbton der Männchen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Hauhechel-Bläulings erstreckt sich von den Kanarischen Inseln über ganz Europa und Nordafrika bis nach Zentralasien. Er besiedelt nahezu alle Höhenlagen von der Küste bis in subalpine Regionen auf über 2.000 Metern. In Mitteleuropa ist er der häufigste und am weitesten verbreitete Vertreter der Familie der Bläulinge.
Sein bevorzugtes Habitat umfasst offene, blütenreiche Biotope mit niedrigem Bewuchs. Dazu zählen Magerrasen, Halbtrockenrasen, Wegränder, Bahndämme, Brachflächen, Industriebrachen, extensiv bewirtschaftete Wiesen und Gärten. Auch in städtischen Bereichen kann die Art auf Grünflächen und in Parks vorkommen, sofern geeignete Raupennahrungspflanzen vorhanden sind. Diese ökologische Anpassungsfähigkeit macht ihn zu einer der wenigen Bläulingsarten, die von der Intensivierung der Landwirtschaft nicht unmittelbar existenziell bedroht sind.
Ernährung
Die erwachsenen Falter (Imagines) ernähren sich von Nektar verschiedener Blütenpflanzen. Bevorzugt werden unter anderem Hornklee (Lotus corniculatus), Rotklee (Trifolium pratense), Thymian (Thymus spp.), Dost (Origanum vulgare) und verschiedene Flockenblumenarten (Centaurea spp.). Die Falter saugen außerdem gelegentlich an feuchten Bodenstellen, um Mineralsalze aufzunehmen – ein Verhalten, das als „Puddling" bezeichnet wird und vor allem bei Männchen beobachtet werden kann.
Die Raupen fressen an Schmetterlingsblütlern (Fabaceae). Zu den wichtigsten Raupennahrungspflanzen gehören die namensgebende Hauhechel (Ononis spp.), Hornklee (Lotus corniculatus), Weißklee (Trifolium repens), Rotklee, Luzerne (Medicago sativa) und verschiedene Wickenarten (Vicia spp.). Die Raupen fressen bevorzugt an Blüten und jungen Blättern.
Verhalten & Lebensweise
Der Hauhechel-Bläuling ist ein tagaktiver Schmetterling, der bei Sonnenschein ab den Morgenstunden aktiv wird. Bei bewölktem Himmel oder niedrigen Temperaturen ruht er mit geschlossenen Flügeln in der Vegetation. Die Flugzeit erstreckt sich in Mitteleuropa je nach Witterung und Höhenlage von Mai bis Oktober, wobei in günstigen Jahren zwei bis drei Generationen ausgebildet werden können.
Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten. Sie patrouillieren niedrig über der Vegetation, um Weibchen zu finden, und vertreiben konkurrierende Männchen durch kurze Verfolgungsflüge. Die Falter übernachten in der Regel einzeln an Grashalmen oder Stängeln, wobei sie sich kopfüber hängen und die Flügel zusammenklappen. In den Abendstunden bilden sich gelegentlich Schlafgemeinschaften mehrerer Individuen an exponierten Halmen.
Die Raupen unterhalten eine fakultative Myrmekophilie – eine Beziehung zu Ameisen. Sie besitzen auf dem siebten Hinterleibssegment eine Dorsaldrüse (Newcomer-Drüse), die ein zuckerhaltiges Sekret absondert. Verschiedene Ameisenarten, darunter Lasius niger und Myrmica-Arten, nehmen dieses Sekret auf und bieten den Raupen im Gegenzug einen gewissen Schutz vor Fressfeinden. Diese Interaktion