Heide
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Definition und Überblick
Als Heide (auch Heidelandschaft oder Heidegebiet) wird ein offener, weitgehend baumfreier Lebensraum bezeichnet, der von niedrigwüchsigen Zwergsträuchern, insbesondere aus der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae), dominiert wird. Heiden zählen zu den Halbkulturlandschaften, da sie in Mitteleuropa überwiegend durch menschliche Nutzung – vor allem durch Beweidung, Plaggen und Brandrodung – entstanden sind und erhalten werden. Ohne regelmäßige Pflege würden die meisten Heideflächen über Verbuschung und Vorwaldstadien schließlich zu geschlossenen Waldbeständen zurückkehren. In pflanzensoziologischer Hinsicht werden Heiden den Zwergstrauchheiden zugeordnet, wobei je nach Standort und Klima unterschiedliche Vegetationstypen auftreten.
Verbreitung und Standortbedingungen
Heidelandschaften kommen in Europa vor allem im atlantisch geprägten Klimabereich vor – von Nordwestspanien über Frankreich, die Britischen Inseln, die Benelux-Staaten und Norddeutschland bis nach Südskandinavien. Die bekannteste deutsche Heide ist die Lüneburger Heide in Niedersachsen. Daneben existieren bedeutende Heideflächen in der Senne (Nordrhein-Westfalen), in Schleswig-Holstein und in Brandenburg.
Heiden entwickeln sich bevorzugt auf nährstoffarmen, sauren Sandböden mit geringer Wasserspeicherkapazität. Die typischen Substrate sind Podsole oder podsolige Braunerden, die häufig auf glazialen Ablagerungen wie Geschiebesanden und Schmelzwassersanden aufliegen. Der pH-Wert des Oberbodens liegt in der Regel zwischen 3,0 und 4,5. Die Böden sind arm an Stickstoff, Phosphor und basischen Kationen. Diese extremen Nährstoffverhältnisse begünstigen genügsame Pflanzenarten und verhindern das Aufkommen konkurrenzstarker Gräser und Gehölze.
Typische Heideformen in Mitteleuropa
Je nach Wasserhaushalt, Höhenlage und Nutzungsgeschichte lassen sich mehrere Heidetypen unterscheiden:
- Trockene Sandheiden: Sie werden von Besenheide (Calluna vulgaris) dominiert und besiedeln gut drainierte, sandige Standorte in der Tiefebene. Begleitarten sind Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) und verschiedene Flechten wie die Rentierflechte (Cladonia rangiferina).
- Feuchtheiden: Auf staunassen oder grundwassernahen Standorten treten Glockenheide (Erica tetralix) und Torfmoose (Sphagnum spp.) hinzu. Feuchtheiden stellen Übergangsbereiche zu Mooren dar und beherbergen spezialisierte Arten wie den Sonnentau (Drosera).
- Bergheiden und alpine Zwergstrauchheiden: Oberhalb der Waldgrenze oder in subalpinen Lagen finden sich Heiden mit Alpenrose (Rhododendron), Krähenbeere (Empetrum nigrum) und Rauschbeere (Vaccinium uliginosum). Diese Heiden sind im Gegensatz zu den Tieflandheiden natürliche, nicht nutzungsabhängige Lebensräume.
- Küstenheiden: An windexponierten Küstenstandorten entstehen durch Salzspray und Wind niedrigwüchsige Heideformationen, die ohne menschliches Zutun bestehen können.
Tierwelt der Heide
Heidelandschaften bieten einer spezialisierten Fauna Lebensraum, die auf offene, warme und nährstoffarme Verhältnisse angewiesen ist. Zu den charakteristischen Vogelarten zählen Heidelerche (Lullula arborea), Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus), Raubwürger (Lanius excubitor) und Brachpieper (Anthus campestris). Diese Arten benötigen die offene, lückige Vegetationsstruktur der Heide zur Nahrungssuche und Brut. Das Birkhuhn (Lyrurus tetrix), einst typischer Heidebewohner, ist in vielen Regionen stark zurückgegangen oder bereits verschwunden.
Unter den Reptilien sind Schlingnatter (Coronella austriaca), Kreuzotter (Vipera berus) und Zauneidechse (Lacerta agilis) typische Heidearten. Sie profitieren von den sonnenexponierten Freiflächen und den strukturreichen Übergängen zwischen Zwergstrauchbeständen, Sandflächen und einzelnen Gehölzgruppen.
Die Insektenfauna der Heide ist ausgesprochen artenreich. Heideschrecken, Wildbienen, Sandlaufkäfer (Cicindela spp.) und zahlreiche Schmetterlingsarten wie der Kleine Heidegrashüpfer oder der Komma-Dickkopffalter besiedeln die offenen Sandböden und Blütenhorizonte. Besonders die Blütezeit der Besenheide im Spätsommer bietet Honigbienen und zahlreichen Wildbienenarten eine ergiebige Nektarquelle – die sogenannte Heideblüte ist Grundlage der traditionellen Heideimkerei.
Entstehung und Nutzungsgeschichte
Die mitteleuropäischen Tieflandheiden entstanden im Wesentlichen seit der Jungsteinzeit durch eine Kombination aus Waldrodung, Beweidung mit Heidschnucken und anderen genügsamen Schafrassen, Plaggen (dem Abschälen der oberen Bodenschicht zur Gewinnung von Einstreu) und gelegentlichem Brennen. Diese Nutzungsformen entzogen dem Boden kontinuierlich Nährstoffe und verhinderten das Aufkommen von Bäumen. Die Heidebauernwirtschaft war über Jahrhunderte ein funktionierendes Wirtschaftssystem, bei dem die abgeplaggten Heidesoden als Stalleinstreu dienten, mit Tierdung vermischt und anschließend auf die Äcker ausgebracht wurden.
Mit dem Aufkommen von Kunstdünger im 19. Jahrhundert verlor die Heidewirtschaft ihre ökonomische Grundlage. Große Flächen wurden aufgeforstet, in Ackerland umgewandelt oder fielen brach. Der Flächenverlust war gewaltig: In Deutschland sind seit 1800 schätzungsweise über 90 Prozent der Heideflächen verschwunden.
Gefährdung und Naturschutz
Heiden gehören heute zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen Europas. Die Hauptgefährdungsursachen sind:
- Nährstof