Herbivore
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Definition und Überblick
Als Herbivore (von lateinisch herba = Kraut, Pflanze und vorare = verschlingen) werden Tiere bezeichnet, die sich ausschließlich oder überwiegend von pflanzlicher Nahrung ernähren. Im Deutschen ist dafür der Begriff Pflanzenfresser gebräuchlich. Herbivorie stellt neben der Karnivorie (Fleischfresser) und der Omnivorie (Allesfresser) eine der drei grundlegenden Ernährungsstrategien im Tierreich dar. Die Bandbreite der Herbivoren reicht von winzigen Blattläusen über mittelgroße Kaninchen bis hin zu den größten Landtieren der Erde wie dem Afrikanischen Elefanten. In nahezu jedem Ökosystem nehmen Pflanzenfresser eine zentrale Rolle als Primärkonsumenten ein, da sie pflanzliche Biomasse in tierische umwandeln und so die Energieübertragung zwischen den Trophieebenen gewährleisten.
Formen der Herbivorie
Nicht jeder Pflanzenfresser nutzt dieselben Pflanzenteile. Je nach bevorzugter Nahrungsquelle lassen sich verschiedene Spezialisierungen unterscheiden:
- Folivore – Blattfresser, z. B. Koalas, Faultiere und viele Raupenarten
- Frugivore – Früchtefresser, z. B. zahlreiche Papageienarten und Flughunde
- Granivore – Samenfresser, z. B. Finken und Hamster
- Nektarivore – Nektarfresser, z. B. Kolibris und bestimmte Fledermäuse
- Palynivore – Pollenfresser, z. B. einige Käferarten
- Xylophage – Holzfresser, z. B. Termiten und Bockkäferlarven
- Graminivore – Grasfresser, z. B. Pferde, Rinder und Zebras
Viele Herbivoren lassen sich nicht strikt einer einzigen Kategorie zuordnen, sondern wechseln je nach Jahreszeit und Nahrungsangebot zwischen verschiedenen Pflanzenteilen. Hirsche beispielsweise fressen im Sommer Kräuter, Gräser und Blätter, im Winter dagegen vermehrt Rinde und Knospen.
Anatomische und physiologische Anpassungen
Pflanzliche Nahrung ist reich an Zellulose, einem Strukturkohlenhydrat, das für die meisten Tiere schwer verdaulich ist. Kein Wirbeltier produziert körpereigene Cellulasen – die Enzyme, die Zellulose spalten können. Herbivoren sind daher auf symbiontische Mikroorganismen wie Bakterien, Archaeen und Protisten angewiesen, die in spezialisierten Gärkammern des Verdauungstrakts leben und die Zellulose aufschließen.
Bei den Wiederkäuern (Ruminantia) – darunter Rinder, Schafe, Ziegen und Giraffen – findet die mikrobielle Fermentation im mehrteiligen Vormagen statt. Der Pansen als größte Kammer beherbergt eine komplexe Mikrobengemeinschaft. Durch das Wiederkäuen wird bereits vorverdaute Nahrung erneut zerkaut, was die Oberfläche vergrößert und die bakterielle Zersetzung beschleunigt. Dieses System wird als Vordarmfermenter-Prinzip bezeichnet.
Andere Pflanzenfresser wie Pferde, Kaninchen und Elefanten setzen auf die Dickdarmfermentation (Enddarmfermenter). Bei ihnen findet der mikrobielle Abbau im stark vergrößerten Blinddarm oder Dickdarm statt. Dieses System ist weniger effizient in der Nährstoffextraktion, erlaubt aber eine schnellere Darmpassage und damit die Aufnahme größerer Futtermengen.
Auch das Gebiss zeigt typische Anpassungen: Breite, flache Backenzähne mit ausgeprägten Schmelzleisten dienen zum Zermahlen harter Pflanzenfasern. Viele Grasfresser besitzen hochwachsende Zähne (Hypsodontie), die den starken Abrieb durch kieselhaltige Gräser kompensieren. Im Gegensatz zu Raubtieren fehlen Pflanzenfressern häufig ausgeprägte Eckzähne, während die Schneidezähne zum Abrupfen von Pflanzenmaterial ausgebildet sind.
Ökologische Bedeutung
Herbivoren bilden die zweite Trophieebene in Nahrungsnetzen und sind das entscheidende Bindeglied zwischen pflanzlicher Produktion und den höheren Konsumentenstufen. Ohne Pflanzenfresser wäre die in Pflanzen gespeicherte Energie für Raubtiere und Aasfresser nicht zugänglich.
Der Einfluss von Herbivoren auf Pflanzengemeinschaften ist erheblich. Durch selektiven Fraß steuern sie die Zusammensetzung und Struktur von Vegetationsbeständen. Große Weidegänger wie Bisons oder Gnus halten Graslandschaften offen und verhindern die Verbuschung. Dieser Prozess wird als Beweidungsdruck bezeichnet und ist für die Erhaltung vieler Offenlandhabitate unverzichtbar. In Savannen und Steppen hat die Koevolution von Gräsern und Grasern über Millionen von Jahren zu einem fein abgestimmten Gleichgewicht geführt.
Auch die Samenverbreitung (Zoochorie) ist eine bedeutende ökologische Leistung vieler Pflanzenfresser. Frugivore Arten transportieren Samen über weite Strecken und tragen so zur genetischen Durchmischung und Ausbreitung von Pflanzenarten bei. Gleichzeitig haben viele Pflanzen Abwehrmechanismen gegen Herbivorie entwickelt: Dornen, Bitterstoffe, Tannine, Alkaloide oder Brennhaare reduzieren den Fraßdruck. Dieses evolutionäre Wechselspiel zwischen Pflanze und Pflanzenfresser wird als Koevolution beschrieben.
Herbivoren in verschiedenen Tiergruppen
Herbivorie ist im gesamten Tierreich verbreitet und hat sich in zahlreichen Stammeslinien unabhängig voneinander entwickelt:
- Säugetiere: Die Ordnungen der Paarhufer (Artiodactyla), Unpaarhufer (Perissodactyla), Naget