Hereford
HRassen > Sonstiges Geflügel & Nutztierrassen
Steckbrief
- Herkunft: Herefordshire, England (Großbritannien)
- Rassetyp: Fleischrind
- Rassestandard: Herd Book Society (gegründet 1846), World Hereford Council
- Größe (Widerristhöhe): Bullen ca. 145–155 cm, Kühe ca. 130–140 cm
- Gewicht: Bullen 900–1.200 kg, Kühe 600–800 kg
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre, bei guter Haltung auch darüber
- Fell/Farben: Charakteristisch dunkelrot bis rotbraun mit weißem Kopf, weißer Brust, weißem Bauch und weißen Beinen unterhalb der Sprunggelenke; kurzes bis mittellanges, dichtes Fell
Herkunft & Geschichte
Das Hereford-Rind gehört zu den ältesten und weltweit bedeutendsten Fleischrinderrassen überhaupt. Seine Abstammung lässt sich bis ins 18. Jahrhundert in die englische Grafschaft Herefordshire zurückverfolgen, wo lokale Landwirte begonnen hatten, die dort ansässigen Arbeitsrinder gezielt auf Fleischleistung und Frühreife zu selektieren. Als einer der Gründerväter der planmäßigen Hereford-Zucht gilt Benjamin Tomkins, der ab etwa 1742 konsequent auf Futterverwertung, Fleischqualität und Robustheit selektierte.
Im Jahr 1846 wurde die Hereford Herd Book Society in England gegründet – eines der ältesten Herdbücher der Welt für Fleischrinder. Von dort aus trat das Hereford seinen beispiellosen Siegeszug an: Bereits im frühen 19. Jahrhundert gelangten erste Tiere in die Vereinigten Staaten, nach Kanada und Südamerika. Heute ist die Rasse auf allen Kontinenten verbreitet und wird in über 50 Ländern gezüchtet. Der World Hereford Council koordiniert die internationale Zuchtarbeit und pflegt den globalen Rassestandard.
In Deutschland betreut der Bundesverband Deutscher Hereford-Züchter die Zucht. Die Rasse hat sich hierzulande besonders in der extensiven Weidehaltung und Mutterkuhhaltung einen festen Platz erobert. Auch in der Gebrauchskreuzung mit anderen Rassen wird der Hereford-Bulle wegen seiner Vererbungsstärke und der guten Fleischqualität geschätzt.
Aussehen & Rassemerkmale
Das Hereford ist ein mittelgroßes bis großes Rind mit kompaktem, tief angesetztem und breitgestelltem Körperbau. Der Rumpf ist tonnenförmig mit gut gewölbten Rippen, was auf eine hervorragende Futterverwertung hindeutet. Die Bemuskelung ist gleichmäßig ausgeprägt, ohne die Extremformen moderner Fleischrassen zu erreichen – stattdessen wirkt das Hereford harmonisch und funktional.
Das auffälligste Erkennungsmerkmal ist die markante Farbzeichnung: Der Körper zeigt ein sattes, dunkles Rotbraun, während Kopf, Kehle, Brust, Unterlinie und die unteren Beinpartien reinweiß gefärbt sind. Diese Zeichnung vererbt sich dominant und ist auch bei Kreuzungstieren häufig deutlich sichtbar – man spricht vom sogenannten „Hereford-Gesicht".
Es existieren sowohl gehörnte als auch genetisch hornlose Zuchtlinien. Die hornlose Variante, als Polled Hereford bekannt, entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in Nordamerika und wird heute eigenständig im Zuchtverband geführt. Die Haut ist kräftig und pigmentiert, das Flotzmaul hell bis fleischfarben. Das dichte Haarkleid bietet guten Witterungsschutz und passt sich saisonal an.
Charakter & Wesen
Das Hereford-Rind ist für sein ausgeglichenes, gutmütiges Temperament bekannt. Es gilt als ruhig, umgänglich und nervenstark – Eigenschaften, die in der täglichen Arbeit im Herdenmanagement von unschätzbarem Wert sind. Die Tiere lassen sich vergleichsweise leicht treiben, zeigen wenig Schreckhaftigkeit und akzeptieren den Umgang mit Menschen in der Regel problemlos.
Kühe zeichnen sich durch einen ausgeprägten Mutterinstinkt aus, ohne dabei übermäßig aggressiv gegenüber dem Halter zu werden. Kälber sind von Geburt an vital und stehen in der Regel schnell auf. Die Herdentiere sind sozial verträglich und integrieren sich auch in gemischte Herden gut. Trotz ihrer Gelassenheit sind Herefords aufmerksam und genügsam – eine Kombination, die sie besonders für extensive Haltungssysteme prädestiniert.
Haltung & Pflege
Das Hereford ist eine ausgesprochen robuste Rasse, die für die ganzjährige Freilandhaltung und extensive Weidewirtschaft wie geschaffen ist. Die Tiere kommen mit kargen Standorten, wechselnden Witterungsbedingungen und überdurchschnittlich langen Weideperioden hervorragend zurecht. Ein einfacher Witterungsschutz in Form von Unterständen oder Hecken reicht in der kalten Jahreszeit in vielen Regionen aus.
Der Auslauf sollte großzügig bemessen sein, da die Rasse ihren natürlichen Bewegungsdrang auf der Weide am besten ausleben kann. Herefords eignen sich hervorragend für die Landschaftspflege und werden in Naturschutzprojekten zur Beweidung extensiver Grünlandflächen eingesetzt. Die Fellpflege ist unkompliziert; das dichte Haarkleid reinigt sich weitgehend selbst. Regelmäßige Klauenpflege durch erfahrene Klauenpfleger sollte mindestens zweimal jährlich erfolgen.
In der Mutterkuhhaltung empfehlen sich Herdengrößen, die eine artgerechte Sozialstruktur ermöglichen. Die Abkalbesaison lässt sich bei guter Planung in das Frühjahr legen, sodass die Kälber direkt auf der Weide aufwachsen können.
Ernährung
Herefords sind hervorragende Grundfutterverwerter. Gutes Weidegras bildet in der Vegetationsperiode die Hauptnahrungsquelle. Im Winter genügt in der Regel qualitativ hochwertiges Heu oder Grassilage, ergänzt durch Mineralfutter, um die Versorgung mit Spurenelementen und Vitaminen sicherzustellen.
Kraftfutter ist bei extensiver Haltung nur in Ausnahmef