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Herpes

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Tiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – Infektionskrankheiten

Definition & Überblick

Herpes bezeichnet eine Gruppe von Infektionskrankheiten, die durch Herpesviren (Familie Herpesviridae) verursacht werden. Diese behüllten DNA-Viren gehören zu den ältesten und anpassungsfähigsten Krankheitserregern im Tierreich. Nahezu jede Wirbeltierart besitzt ein oder mehrere artspezifische Herpesviren, die sich über Jahrmillionen an ihren jeweiligen Wirt angepasst haben.

Ein zentrales Merkmal aller Herpesvirusinfektionen ist die Latenz: Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus lebenslang im Körper des Wirts, meist in Nervenzellen (Ganglien) oder Immunzellen. Unter bestimmten Umständen kann es reaktiviert werden und erneut klinische Symptome hervorrufen. Infizierte Tiere sind daher potenzielle Dauerausscheider.

Zu den veterinärmedizinisch bedeutsamsten Herpesviren zählen das Equine Herpesvirus (EHV) bei Pferden, das Feline Herpesvirus Typ 1 (FHV-1) bei Katzen, das Canine Herpesvirus (CHV-1) bei Hunden, das Bovine Herpesvirus 1 (BoHV-1) bei Rindern sowie verschiedene Herpesviren bei Geflügel, Reptilien und Fischen. Die klinischen Erscheinungsbilder variieren erheblich – von milden Atemwegserkrankungen bis hin zu tödlichen systemischen Infektionen bei Neugeborenen.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Übertragung erfolgt je nach Virustyp über unterschiedliche Wege: Tröpfcheninfektion (Nasen- und Augensekrete), direkten Schleimhautkontakt, Deckakt oder vertikal von der Mutter auf die Nachkommen (transplazentare Infektion). Das Equine Herpesvirus Typ 1 (EHV-1) etwa wird vorrangig aerogen übertragen, während das Canine Herpesvirus bei Welpen häufig während der Geburt im Geburtskanal aufgenommen wird.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Stress – Transport, Stallwechsel, Turniere, Rangordnungskämpfe oder Absetzen von Jungtieren schwächen das Immunsystem und begünstigen Virusreaktivierung
  • Hohe Tierdichte – Tierheime, Zuchtbetriebe, Pensionsställe und Tierkliniken bieten ideale Bedingungen für die Virusverbreitung
  • Immunsuppression – durch Begleiterkrankungen, Kortisontherapie, Mangelernährung oder hohes Alter
  • Jungtieralter – unausgereiftes Immunsystem, insbesondere bei fehlendem Kolostralschutz (mütterliche Antikörper über die Erstmilch)
  • Trächtigkeit – hormonelle Veränderungen können eine Reaktivierung latenter Infektionen auslösen

Symptome & Erkennung

Die Symptomatik hängt stark von der betroffenen Tierart, dem Virustyp und dem Immunstatus des Tieres ab. Einige typische Erscheinungsbilder nach Tierart:

Katze (FHV-1): Das Feline Herpesvirus ist einer der Haupterreger des Katzenschnupfen-Komplexes. Typisch sind Niesen, seröser bis eitriger Nasenausfluss, Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Hornhautulzera (Geschwüre auf der Hornhaut) und Fieber. Chronische Verläufe mit wiederkehrenden Augenproblemen sind häufig.

Pferd (EHV-1 und EHV-4): EHV-4 verursacht meist Atemwegsinfektionen mit Fieber, Nasenausfluss und Husten. EHV-1 kann darüber hinaus zu Virusabort (Verfohlen) bei tragenden Stuten und zur Equinen Herpesvirus-Myeloenzephalopathie (EHM) führen – einer neurologischen Verlaufsform mit Koordinationsstörungen (Ataxie) bis hin zur Lähmung der Hinterhand.

Hund (CHV-1): Bei adulten Hunden verläuft die Infektion meist subklinisch oder mit milden Symptomen des oberen Respirationstraktes. Bei Neonaten (Welpen unter drei Wochen) kann CHV-1 jedoch eine rasch fortschreitende, oft tödliche systemische Erkrankung auslösen – das sogenannte Fading-Puppy-Syndrom mit Organversagen.

Rind (BoHV-1): Verursacht die Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR), eine anzeigepflichtige Tierseuche in Deutschland, mit schwerem Atemwegsinfekt, Fieber, Aborte und Fruchtbarkeitsstörungen.

Diagnose

Die klinische Verdachtsdiagnose ergibt sich aus der Symptomatik, dem Signalement (Alter, Tierart, Rasse) und der Anamnese. Zur Sicherung der Diagnose stehen mehrere labordiagnostische Verfahren zur Verfügung:

  • PCR (Polymerase-Kettenreaktion) – Goldstandard zum direkten Virusnachweis aus Abstrichen (Nasen-, Rachen-, Konjunktivaltupfer), Blut oder Organproben. Hochsensitiv und spezifisch.
  • Serologie – Nachweis von Antikörpern (IgM, IgG) im Blut mittels ELISA oder Serumneutralisationstest. Ein vierfacher Titeranstieg in gepaarten Serumproben (Abstand zwei bis drei Wochen) spricht für eine aktive Infektion.
  • Virusisolierung – Anzucht des Erregers in Zellkulturen, zeitaufwändig, aber für die Typisierung wertvoll.
  • Pathologisch-histologische Untersuchung – bei Todesfällen können intranukleäre Einschlusskörperchen (sog. Cowdry-Typ-A-Einschlüsse) in betroffenen Geweben den Verdacht erhärten.

Bei ophthalmologischen Herpesvirus-Manifestationen bei Katzen ergänzt