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Honigernte

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Fachbegriffe (Aquaristik/Terraristik/Vogelhaltung) > Vogelhaltung & Imkerei

Definition & Überblick

Die Honigernte bezeichnet den Vorgang, bei dem Imkerinnen und Imker den von Honigbienen (Apis mellifera) produzierten und in Waben eingelagerten Honig aus dem Bienenstock entnehmen und weiterverarbeiten. Sie gehört zu den zentralen Arbeitsschritten in der Imkerei und findet in Mitteleuropa je nach Trachtangebot zwischen Mai und August statt. Im Kontext der Tierhaltung ist die Honigernte ein Vorgang, der stets im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Ertrag und artgerechter Bienenhaltung steht: Es darf nur so viel Honig entnommen werden, dass das Bienenvolk ausreichend Futterreserven für Schlechtwetterphasen und die Überwinterung behält.

Unterschieden wird in der Praxis zwischen der Frühtracht-Ernte (meist Ende Mai bis Anfang Juni, z. B. Raps- oder Obstblütenhonig) und der Sommertracht-Ernte (Juli bis August, z. B. Linden- oder Waldhonig). In manchen Regionen mit besonders reicher Tracht ist auch eine dritte Ernte möglich, etwa bei Heidehonig oder Tannenhonig.

Grundlagen & Voraussetzungen

Bevor die Honigernte beginnen kann, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein:

  • Reifegrad des Honigs: Honig ist erntereif, wenn die Bienen mindestens zwei Drittel der Wabenzellen verdeckelt haben. Verdeckelte Zellen zeigen an, dass der Wassergehalt unter ca. 18 % liegt. Honig mit zu hohem Wassergehalt neigt zur Gärung und ist nicht lagerfähig. Zur Kontrolle dient ein Refraktometer, mit dem der exakte Wassergehalt gemessen wird.
  • Gesundheitszustand des Volkes: Nur gesunde Völker sollten beerntet werden. Bei akutem Befall mit der Varroamilbe oder bei Anzeichen von Faulbrut ist die Ernte auszusetzen und zunächst eine Behandlung durchzuführen. Tierschutz und Seuchenrecht gehen hier klar vor.
  • Ausreichende Futterreserven: Pro Volk sollten nach der letzten Ernte mindestens 5–8 kg Honig im Brutraum verbleiben. Zusätzlich wird nach der Ernte in der Regel mit Zuckerlösung oder Futterteig aufgefüttert, damit das Volk den Winter übersteht.
  • Ausrüstung: Zur Grundausstattung gehören Bienenfluchten oder eine Bienenbürste, ein Entdeckelungsgeschirr (Entdeckelungsgabel oder -messer), eine Honigschleuder, Siebe, Honigeimer und ein Abfüllbehälter (Hobbock). Schutzkleidung wie Imkerschleier, Handschuhe und helle, langärmelige Kleidung schützen vor Stichen.

Praktische Umsetzung

Die Honigernte gliedert sich in mehrere aufeinanderfolgende Arbeitsschritte:

  • Bienen von den Honigwaben trennen: Am Abend vor der Ernte wird eine Bienenflucht zwischen Brut- und Honigraum eingelegt. Durch dieses Einwegventil wandern die Bienen nach unten, können aber nicht zurück. Am nächsten Morgen sind die Honigräume weitgehend bienenfrei. Alternativ können Bienen mit einer weichen Bürste oder einem Laubbläser (auf niedrigster Stufe) vorsichtig von den Waben gefegt werden – hierbei ist besonders schonend vorzugehen.
  • Transport der Waben: Die entnommenen Honigwaben werden in geschlossenen Transportkisten in den Schleuderraum gebracht. Dieser muss sauber, trocken und für Bienen unzugänglich sein, um Räuberei zu vermeiden.
  • Entdeckeln: Mit einer Entdeckelungsgabel oder einem beheizten Entdeckelungsmesser werden die Wachsdeckel der Zellen entfernt. Das anfallende Entdeckelungswachs ist ein wertvolles Nebenprodukt und wird separat aufgefangen.
  • Schleudern: Die entdeckelten Waben werden in eine Honigschleuder eingesetzt. Durch Zentrifugalkraft wird der Honig aus den Zellen geschleudert. Tangentialschleudern eignen sich für kleinere Betriebe, Radialschleudern für größere Mengen. Die Drehzahl sollte langsam gesteigert werden, um Wabenbruch zu vermeiden.
  • Sieben und Klären: Der geschleuderte Honig wird durch ein Doppelsieb (grob und fein) in einen Abfüllbehälter geleitet. Dort ruht er mindestens 24–48 Stunden, damit Luftbläschen und feinste Wachspartikel aufsteigen und als Schaum abgeschöpft werden können.
  • Rühren und Abfüllen: Cremig-fester Honig entsteht durch regelmäßiges Rühren während der Kristallisation. Anschließend wird der Honig in saubere, lebensmittelechte Gläser abgefüllt und etikettiert – unter Beachtung der Honigverordnung.

Häufige Fehler

  • Zu frühe Ernte: Wird Honig mit einem Wassergehalt über 20 % geschleudert, droht Gärung. Unverdeckelte Waben sollten nicht geerntet werden, es sei denn, eine Refraktometermessung bestätigt die Reife.
  • Zu gründliche Entnahme: Wer den Völkern zu viel Honig entnimmt und nicht rechtzeitig auffüttert, gefährdet das Überleben des Bienenvolkes. Dies verstößt gegen die Grundsätze artgerechter Haltung und den Tierschutz.
  • Mangelnde Hygiene: Unsaubere Schleudern, Siebe oder Gläser können den Honig mit Fremdgeschmack oder Keimen belasten. Alle Geräte müssen vor und nach der Ernte gründlich gereinigt werden.
  • Brutwaben schleudern: Waben mit Brut gehören nicht in die Schleuder. Honigräume und Bruträume müssen sauber getrennt werden, auch durch den Einsatz eines Absperrgitters, das die Königin am Zugang zum Honigraum hindert.