Imkerei
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Definition & Überblick
Die Imkerei (auch Bienenhaltung oder Bienenzucht) bezeichnet die planmäßige Haltung und Pflege von Honigbienen (Apis mellifera) durch den Menschen. Der Imker oder die Imkerin bewirtschaftet ein oder mehrere Bienenvölker in speziell dafür vorgesehenen Behausungen, den sogenannten Beuten. Ziel der Imkerei ist die Gewinnung von Honig, Wachs, Propolis, Pollen und Gelée Royale sowie – zunehmend im Vordergrund stehend – die Sicherung der Bestäubungsleistung für Wild- und Kulturpflanzen.
Im deutschsprachigen Raum wird die Imkerei traditionell sowohl als Hobby als auch als Erwerbsform betrieben. Deutschland zählt rund 170.000 Imkerinnen und Imker, die Mehrzahl davon im Freizeitbereich mit wenigen Völkern. Die Imkerei unterscheidet sich von der Haltung klassischer Haus- und Nutztiere grundlegend: Ein Bienenvolk ist ein Superorganismus, der als Gesamtheit betrachtet und gepflegt werden muss. Einzelne Bienen lassen sich nicht individuell halten – artgerecht ist ausschließlich die Betreuung des gesamten Volkes in einem geeigneten Gehege, also der Beute mit ausreichend Raum für Brut, Vorräte und natürliches Schwarmverhalten.
Grundlagen & Voraussetzungen
Wer mit der Bienenhaltung beginnen möchte, sollte zunächst einige grundlegende Voraussetzungen klären:
- Standort: Bienen benötigen ein ausreichendes Trachtangebot im Umkreis von etwa drei Kilometern. Gärten, Streuobstwiesen, Waldränder und blütenreiche Kulturlandschaften bieten ideale Bedingungen. Der Aufstellort der Beuten sollte windgeschützt, leicht sonnig und trocken sein. Auch in städtischen Gebieten ist Imkerei möglich – die sogenannte Stadtimkerei erlebt seit Jahren einen Aufschwung.
- Rechtliches: Bienenvölker sind in Deutschland beim zuständigen Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse meldepflichtig. Für die Aufstellung gelten landesrechtliche Regelungen zu Abständen gegenüber Nachbargrundstücken. Eine Haftpflichtversicherung ist dringend empfohlen, da der Halter für Schäden durch seine Bienen haftet.
- Fachwissen: Die artgerechte Haltung von Bienenvölkern erfordert solides Grundlagenwissen über Bienenbiologie, Völkerführung, Krankheiten und jahreszeitliche Abläufe. Ein Anfängerkurs beim örtlichen Imkerverein – in der Regel über eine gesamte Bienensaison – ist der beste Einstieg.
- Zeitlicher Aufwand: Während der Saison von April bis August ist mit etwa einer Stunde pro Volk und Woche zu rechnen. In der Winterruhe beschränkt sich die Beschäftigung auf gelegentliche Kontrollen und die Vorbereitung der kommenden Saison.
- Tierschutz: Die Bienenhaltung unterliegt dem Tierschutzgesetz. Der Imker ist verpflichtet, seine Völker artgerecht zu versorgen, Krankheiten zu behandeln und unnötiges Leid zu vermeiden. Besonders die Bekämpfung der Varroamilbe (Varroa destructor) gehört zu den zentralen Pflichten jedes verantwortungsvollen Bienenhalters.
Praktische Umsetzung
Der Jahresablauf in der Imkerei folgt dem natürlichen Rhythmus des Bienenvolkes. Im Frühjahr beginnt die Königin mit der verstärkten Eiablage, das Volk wächst rasch. Der Imker kontrolliert regelmäßig den Zustand des Volkes, erweitert den Raum durch Aufsetzen von Honigräumen und achtet auf Anzeichen von Schwarmstimmung. Das Schwarmmanagement – also die gezielte Lenkung des natürlichen Vermehrungstriebs – gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben und erfordert Erfahrung.
Im Sommer steht die Honigernte an. Die verdeckelten Honigwaben werden entnommen, entdeckelt und in einer Honigschleuder ausgeschleudert. Anschließend wird der Honig gesiebt, gerührt und in Gläser abgefüllt. Wer Honig verkaufen möchte, muss die Vorgaben der Honigverordnung einhalten.
Nach der letzten Ernte im Spätsommer beginnt die Einfütterung: Das Volk erhält Zuckerlösung oder Futterteig als Ersatz für den entnommenen Honig, damit es ausreichend Wintervorräte anlegen kann. Parallel erfolgt die Behandlung gegen die Varroamilbe – meist mit organischen Säuren wie Ameisensäure oder Oxalsäure. Diese Behandlung ist überlebenswichtig für das Volk und darf keinesfalls vernachlässigt werden.
Im Winter bildet das Volk eine Traube und zehrt von seinen Vorräten. Der Imker beschränkt sich auf Gewichtskontrollen und äußere Sichtprüfungen, ohne die Beute unnötig zu öffnen.
Häufige Fehler
- Unzureichende Varroa-Behandlung: Der häufigste Grund für Völkerverluste. Wer die Milbenbelastung nicht regelmäßig kontrolliert und rechtzeitig behandelt, riskiert den Verlust ganzer Völker im Herbst oder Winter.
- Zu wenig Raumgabe: Fehlt dem Volk Platz im Gehege – also in der Beute –, gerät es in Schwarmstimmung und teilt sich unkontrolliert. Das schwächt das Restvolk und mindert den Honigertrag erheblich.
- Unzureichende Einfütterung: Wird nach der Ernte zu wenig Futter gegeben, verhungert das Volk im Winter. Ein starkes Volk benötigt mindestens 15 bis 20 Kilogramm Winterfutter.
- Fehlende Hygiene: Verschmutzte Beuten und Werkzeuge begünstigen Krankheiten wie die Amerikanische Faulbrut, eine anzeigepflichtige Tierseuche. Regelmäßige Reinigung und Wachserneuerung gehören zur Grundpflege.