Jakobskrautbär
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tyria jacobaeae
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Bärenspinner (Erebidae, Unterfamilie Arctiinae)
- Gattung: Tyria
- Lebensraum: Trockenrasen, Brachflächen, Wegränder, Dünenlandschaften, Ruderalflächen
- Flügelspannweite: 32–42 mm
- Gewicht: ca. 0,1–0,3 g
- Lebenserwartung: etwa 1 Jahr (gesamter Lebenszyklus); Imagines leben nur wenige Wochen
Aussehen & Merkmale
Der Jakobskrautbär gehört zu den auffälligsten Nachtfaltern Mitteleuropas. Die Vorderflügel sind tiefschwarz mit einem schmalen, zinnoberroten Streifen entlang des Vorderrandes sowie zwei roten Punkten nahe der Flügelspitze. Die Hinterflügel sind durchgehend leuchtend rot mit einem schmalen schwarzen Saum. Diese kontrastreiche Färbung dient als Warnfärbung (Aposematismus) und signalisiert potenziellen Fressfeinden die Ungenießbarkeit des Falters.
Der Körper ist schlank und ebenfalls schwarz gefärbt, wobei die Brust (Thorax) feine rötliche Haare tragen kann. Die Fühler sind fadenförmig und bei beiden Geschlechtern ähnlich gestaltet. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich kaum; das Weibchen besitzt lediglich einen etwas dickeren Hinterleib, bedingt durch die darin heranreifenden Eier.
Besonders markant sind die Raupen des Jakobskrautbärs. Sie zeigen eine auffällige schwarz-gelbe Querstreifung, die ebenfalls als Warntracht fungiert. Die ausgewachsenen Raupen erreichen eine Länge von etwa 25–30 mm und sind auf ihren Wirtspflanzen oft in Gruppen anzutreffen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Tyria jacobaeae erstreckt sich über weite Teile der westlichen Paläarktis. Der Falter kommt von Westeuropa über Mittel- und Südeuropa bis nach Zentralasien vor. In Großbritannien, Skandinavien und dem Mittelmeerraum ist er stellenweise häufig. In Deutschland findet man ihn nahezu flächendeckend, wobei die Bestände regional schwanken.
Bevorzugte Habitate sind offene, trockene bis mäßig feuchte Standorte mit reichlichem Vorkommen der Wirtspflanze Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea). Dazu zählen Magerrasen, Wegraine, Bahndämme, Brachflächen, Küstendünen und extensiv genutzte Weiden. Entscheidend für die Besiedlung eines Biotops ist das Vorhandensein ausreichender Bestände der Futterpflanze. In urbanem Gebiet tritt der Falter gelegentlich an Industriebrachen oder Straßenböschungen auf.
In Australien, Neuseeland und Nordamerika wurde der Jakobskrautbär gezielt als biologischer Schädlingsbekämpfer eingeführt, um die dort invasive Ausbreitung des Jakobs-Greiskrauts einzudämmen.
Ernährung
Die Raupen des Jakobskrautbärs ernähren sich nahezu ausschließlich von Pflanzen der Gattung Senecio, insbesondere vom Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea). Gelegentlich werden auch verwandte Arten wie das Gemeine Greiskraut (Senecio vulgaris) oder das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens) befressen. Die Raupen nehmen dabei Pyrrolizidinalkaloide aus den Pflanzen auf und speichern diese in ihrem Körper. Diese Giftstoffe bleiben auch nach der Verpuppung erhalten und machen sowohl die Raupe als auch den adulten Falter für die meisten Fressfeinde ungenießbar oder sogar toxisch.
Die erwachsenen Falter nehmen nur wenig Nahrung zu sich. Sie saugen gelegentlich Nektar an verschiedenen Blüten, der Großteil ihrer Energie stammt jedoch aus den während des Raupenstadiums angelegten Reserven.
Verhalten & Lebensweise
Trotz seiner Zugehörigkeit zu den Nachtfaltern ist der Jakobskrautbär häufig auch tagaktiv. Er fliegt bei Sonnenschein träge und mit auffällig langsamem Flügelschlag über Wiesen und Brachen – ein Verhalten, das typisch für Arten mit Warnfärbung ist, da sie nicht auf schnelle Flucht angewiesen sind. Bei Störung kann er sich fallenlassen und sich reglos stellen (Thanatose).
Die Flugzeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Mai bis Juli, wobei die Hauptaktivität im Juni liegt. Der Falter bildet in der Regel eine Generation pro Jahr (univoltin). In besonders warmen Jahren oder südlichen Regionen kann selten eine partielle zweite Generation auftreten.
Die Raupen leben zunächst gesellig und fressen an Blättern, Blütenständen und Stängeln der Wirtspflanze. Bei starkem Befall können sie eine Pflanze vollständig kahl fressen und wandern dann auf benachbarte Exemplare über. In älteren Larvenstadien leben die Raupen zunehmend einzeln.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Paarung legt das Weibchen seine Eier in kleinen Gelegen an die Blattunterseite der Wirtspflanzen. Ein Weibchen kann über seinen kurzen Lebenszeitraum hinweg bis zu 300 Eier ablegen. Die kugelförmigen, anfangs gelben Eier verdunkeln sich kurz vor dem Schlupf.
Die Raupen durchlaufen fünf Larvenstadien und benötigen je nach Witterung etwa vier bis sechs Wochen bis zur Verpuppung. Die Verpuppung findet am Boden statt, häufig in der Laubschicht oder wenige Zentimeter tief im Erdreich. Die Puppe überwintert (Puppenruhe) und der Falter schlüpft im folgenden Frühjahr. Die Überwinterung als Puppe ist die Regel; gelegentlich können Puppen auch zwei Winter überdauern, bevor der Falter schlüpft.
Bedrohung & Schutzstatus
Der Jakobskrautbär ist derzeit weder von der IUCN in einer Gefährd