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Johanniskäfer

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Tierart – Insekten > Käfer

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Lamprohiza splendidula
  • Ordnung: Käfer (Coleoptera)
  • Familie: Leuchtkäfer (Lampyridae)
  • Gattung: Lamprohiza
  • Lebensraum: Laubwälder, Waldränder, Hecken, feuchte Wiesen und naturnahe Gärten
  • Größe: Männchen 8–10 mm, Weibchen 10–15 mm
  • Gewicht: ca. 20–50 mg
  • Lebenserwartung: 2–3 Jahre (davon ca. 2 Jahre als Larve); adulte Käfer leben nur wenige Wochen

Aussehen & Merkmale

Der Johanniskäfer – auch als Kleiner Leuchtkäfer oder Glühwürmchen bekannt – gehört zur Familie der Leuchtkäfer (Lampyridae) und weist einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus auf. Die Männchen besitzen voll entwickelte Flügeldecken (Elytren) und Hinterflügel, mit denen sie flugfähig sind. Ihr Körper ist schlank, braun bis dunkelbraun gefärbt, und der Halsschild (Pronotum) ist halbdurchscheinend mit zwei transparenten Fenstern, durch die das Leuchtorgan am Hinterleib auch von oben sichtbar ist.

Die Weibchen hingegen sind flügellos und behalten eine larvenähnliche Gestalt bei (Larviform). Sie sind größer als die Männchen und tragen an den letzten Hinterleibssegmenten deutlich ausgebildete Leuchtorgane, die ein grünliches Licht abstrahlen. Die Larven ähneln kleinen, abgeflachten Asseln mit deutlich segmentiertem Körper und seitlich abgesetzten Tergitplatten. Sie besitzen ebenfalls kleine Leuchtorgane an der Unterseite des Hinterleibs.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Lamprohiza splendidula erstreckt sich über weite Teile Mittel- und Nordeuropas. Der Johanniskäfer kommt von Südskandinavien bis in die Alpenregion und von Frankreich bis nach Polen und in die baltischen Staaten vor. In Deutschland ist er die häufigste der drei heimischen Leuchtkäferarten – neben dem Großen Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca) und dem Kurzflügel-Leuchtkäfer (Phosphaenus hemipterus).

Als bevorzugtes Habitat dienen feuchte, strukturreiche Biotope: Laubmischwälder, Waldränder, Gebüschsäume, extensiv bewirtschaftete Wiesen und naturbelassene Gärten. Entscheidend ist das Vorhandensein von bodennaher Vegetation, die den Larven Deckung bietet, sowie ein ausreichendes Angebot an Beutetieren. Dichte Bewaldung ohne Lichteinfall wird ebenso gemieden wie intensiv bewirtschaftete Agrarflächen. Lichtverschmutzung durch künstliche Beleuchtung beeinträchtigt die Populationen erheblich, da sie die nächtliche Kommunikation über Leuchtsignale stört.

Ernährung

Die Larven des Johanniskäfers sind räuberische Jäger und ernähren sich vorwiegend von Schnecken – sowohl von Nacktschnecken als auch von kleinen Gehäuseschnecken. Sie folgen den Schleimspuren ihrer Beute und injizieren nach einem Biss ein Verdauungssekret, das die Weichteile der Schnecke vorverdaut und gleichzeitig lähmt. Die verflüssigte Nahrung wird anschließend aufgesaugt. Dieser Vorgang der extraintestinalen Verdauung kann sich über mehrere Stunden erstrecken. Eine einzelne Larve kann im Verlauf ihrer Entwicklung mehrere Dutzend Schnecken vertilgen, was den Johanniskäfer zu einem willkommenen Nützling im Gartenbau macht.

Adulte Käfer nehmen keine oder nur sehr wenig Nahrung auf. Ihr kurzes Imaginalstadium dient ausschließlich der Fortpflanzung. Die Mundwerkzeuge der erwachsenen Tiere sind stark reduziert.

Verhalten & Lebensweise

Der Johanniskäfer ist streng nachtaktiv. Seinen deutschen Namen verdankt er dem Umstand, dass die Leuchtsaison der adulten Tiere in Mitteleuropa typischerweise um die Johannisnacht (24. Juni) ihren Höhepunkt erreicht. Je nach Witterung und geografischer Lage kann die Flugzeit von Mitte Juni bis Ende Juli reichen.

Nach Einbruch der Dunkelheit beginnen die Männchen ihre Suchflüge. Sie fliegen in einer Höhe von etwa ein bis drei Metern über dem Boden und senden dabei in artspezifischem Rhythmus kurze Lichtblitze aus. Die flugunfähigen Weibchen sitzen am Boden oder auf niedriger Vegetation und antworten mit einem kontinuierlichen, grünlich schimmernden Leuchten, das die Männchen anlockt. Die Biolumineszenz entsteht durch eine enzymatische Reaktion des Substrats Luciferin mithilfe des Enzyms Luciferase in spezialisierten Zellen der Leuchtorgane. Der Vorgang hat einen Wirkungsgrad von nahezu 95 Prozent – fast die gesamte chemische Energie wird in Licht umgesetzt, kaum in Wärme.

Tagsüber verbergen sich die adulten Tiere und Larven unter Laub, Steinen, Totholz und in dichter Bodenvegetation. Larven sind ganzjährig aktiv, meiden jedoch Frost und Trockenheit, indem sie sich in tiefere Bodenschichten zurückziehen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz der Johanniskäfer verläuft über die beschriebene Lichtkommunikation. Nach der Paarung legt das Weibchen innerhalb weniger Tage etwa 50 bis 150 Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an feuchten, geschützten Stellen am Boden ab – bevorzugt unter Moos, Laub oder an Graswurzeln. Die Eier leuchten schwach und sind kugelrund mit einem Durchmesser von rund einem Millimeter.

Nach etwa vier Wochen schlüpfen die Larven. Sie durchlaufen über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren mehrere Larvenstadien (Häutungen), bevor sie sich im Frühjahr des letzten Entwicklungsjahrs verpuppen. Die Puppenruhe dauert etwa zehn bis vierzehn Tage. Nach dem Schlupf der Imago verbleiben den Käfern nur wenige Wochen zur Fortpflanzung, bevor sie sterben