Jungferngecko
JTierart – Reptilien > Echsen – Geckos
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lepidodactylus lugubris
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Geckoartige (Gekkota)
- Familie: Geckos (Gekkonidae)
- Gattung: Lepidodactylus
- Lebensraum: Tropische und subtropische Küstenregionen, Siedlungsgebiete, Wälder
- Größe: 8–10 cm Gesamtlänge
- Gewicht: 1–3 g
- Lebenserwartung: Etwa 5–8 Jahre (in Gefangenschaft bis 10 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Der Jungferngecko ist ein kleiner, zierlich gebauter Gecko mit einer Gesamtlänge von selten mehr als zehn Zentimetern, wovon etwa die Hälfte auf den Schwanz entfällt. Die Grundfärbung der glatten, feinen Schuppen variiert zwischen beige, hellbraun und graubraun. Über den Rücken zieht sich ein charakteristisches Muster aus dunkleren Winkelflecken oder Zickzacklinien, das von Tier zu Tier leicht variieren kann. Der Bauch ist heller, meist cremefarben bis weißlich.
Der Kopf ist leicht abgeflacht, die Augen sind groß und besitzen wie bei vielen nachtaktiven Geckos schlitzförmige Pupillen, die sich bei Dunkelheit weit öffnen. Lidlose Augen, die von einer transparenten Schuppe – der sogenannten Brille – geschützt werden, sind ein typisches Merkmal der Gekkonidae. Die Zehen tragen Haftlamellen, die es dem Tier erlauben, selbst auf glatten Oberflächen sicher zu klettern. Im Gegensatz zu vielen anderen Geckos verfügt Lepidodactylus lugubris über seitlich abgeflachte Zehenspitzen mit kleinen Hautlappen, was ihn von der nahe verwandten Gattung Hemidactylus (Halbfingergeckos) unterscheidet.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Jungferngeckos umfasst die Küstenregionen Südostasiens und Ozeaniens, insbesondere Inseln im Pazifik. Durch seine enge Bindung an menschliche Siedlungen und seine Fähigkeit zur ungeschlechtlichen Fortpflanzung hat sich die Art jedoch über ein riesiges Areal ausgebreitet. Heute findet man sie in weiten Teilen der Tropen und Subtropen weltweit – von Hawaii über Mittelamerika bis nach Ostafrika und Madagaskar. Der Jungferngecko gilt damit als eine der am weitesten verbreiteten Geckoarten überhaupt.
Als Habitat bevorzugt die Art warme, feuchte Biotope. Sie besiedelt tropische Küstenwälder, Kokospalmenplantagen, Gärten und Gebäude. In Häusern, Lagerhallen und anderen Bauwerken findet sie Unterschlupf hinter Wandverkleidungen, unter Dachvorsprüngen und in Mauerspalten. Diese kulturfolgende Lebensweise hat die Verschleppung durch den Menschen erheblich begünstigt: Eier und Tiere gelangen in Frachtsendungen, Pflanzentransporte und Baumaterialien in neue Gebiete.
Ernährung
Der Jungferngecko ernährt sich überwiegend von kleinen Wirbellosen. Auf dem Speiseplan stehen Ameisen, kleine Käfer, Fliegen, Mücken, Blattläuse und Spinnen. Daneben leckt er gelegentlich an überreifem Obst und an nektarführenden Blüten, was ihn zu einem Allesfresser mit deutlichem Schwerpunkt auf tierischer Nahrung macht. Die Jagd erfolgt überwiegend in der Dämmerung und nachts, wenn die Tiere aktiv werden und gezielt Lichtquellen aufsuchen, an denen sich Insekten sammeln. In menschlichen Siedlungen profitieren sie stark von künstlicher Beleuchtung.
Verhalten & Lebensweise
Der Jungferngecko ist vorwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Tagsüber verbirgt er sich in engen Spalten, unter Rinde, hinter Fensterläden oder zwischen Blattachseln von Palmen. Bei Einbruch der Dunkelheit verlässt er seinen Unterschlupf, um auf Nahrungssuche zu gehen.
Die Tiere leben einzelgängerisch und zeigen kein ausgeprägtes Territorialverhalten, tolerieren aber in geeigneten Habitaten durchaus hohe Siedlungsdichten. Bei Begegnungen mit Artgenossen kommt es gelegentlich zu kurzen Drohgebärden, aggressive Auseinandersetzungen sind jedoch selten. Wie viele Geckos kann auch Lepidodactylus lugubris bei Bedrohung den Schwanz abwerfen (Autotomie). Der verlorene Schwanz wächst als knorpeliger Regeneratschwanz nach, erreicht aber meist nicht die Länge und Färbung des Originals.
Der Jungferngecko gibt leise Klicklaute von sich, die der Kommunikation mit Artgenossen dienen. Diese Lautäußerungen sind vor allem in den Abendstunden zu hören, wenn die Tiere aktiv werden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung des Jungferngeckos ist aus biologischer Sicht außergewöhnlich und namensgebend: Die Art pflanzt sich durch Parthenogenese fort – also durch Jungfernzeugung. Fast alle bekannten Populationen bestehen ausschließlich aus Weibchen, die ohne Befruchtung durch ein Männchen fertile Eier produzieren. Die Nachkommen sind genetisch nahezu identische Klone des Muttertiers.
Dieser Fortpflanzungsmodus entstand vermutlich durch Hybridisierung zweier nahe verwandter bisexueller Lepidodactylus-Arten. Es existieren mehrere klonale Linien, die sich genetisch leicht unterscheiden und in verschiedenen Teilen des Verbreitungsgebiets dominieren. Vereinzelt werden Männchen beobachtet – diese sind jedoch extrem selten und offenbar für die Aufrechterhaltung der Populationen nicht notwendig.
Ein Weibchen legt pro Gelege zwei hartschalige Eier, die es in geschützte Spalten, unter Rinde oder an Wände klebt. Die Eier werden nicht bewacht; eine Brutpflege findet nicht statt. Bei Temperaturen zwischen 25 und 30 °