Känguru
KTierart – Säugetiere > Beuteltiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Macropus (Gattung); die Familie umfasst zahlreiche Gattungen
- Ordnung: Diprotodontia (Beuteltiere)
- Familie: Macropodidae (Kängurus und Wallabys)
- Lebensraum: Offene Graslandschaften, Buschland, Halbwüsten, tropische Regenwälder, Felsregionen – je nach Art
- Größe: 0,5 m (kleine Wallabys) bis 1,80 m Standhöhe (Rotes Riesenkänguru)
- Gewicht: 1 kg (Filander) bis 90 kg (Rotes Riesenkänguru, Männchen)
- Lebenserwartung: 8–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Kängurus besitzen einen unverwechselbaren Körperbau, der auf die bipedale Fortbewegung durch Springen spezialisiert ist. Die Hinterbeine sind stark verlängert und muskulös, während die Vorderbeine vergleichsweise kurz und greiffähig ausgebildet sind. Der lange, kräftige Schwanz dient als Stütze beim Stehen und als Balancierhilfe beim Springen. Bei langsamer Fortbewegung wird er zusammen mit den Vorderbeinen als fünfter Stützpunkt eingesetzt – eine Art des Gehens, die als „pentapedale Lokomotion" bezeichnet wird.
Das Fell ist je nach Art unterschiedlich gefärbt: Das Rote Riesenkänguru (Macropus rufus) trägt bei Männchen ein rotbraunes, bei Weibchen ein eher blaugraues Fell. Das Graue Riesenkänguru (Macropus giganteus) zeigt dagegen eine silbergraue bis braune Fellfärbung. Die Ohren sind groß, unabhängig voneinander beweglich und ermöglichen eine gute akustische Ortung. Die Augen sitzen seitlich am Kopf, was ein weites Gesichtsfeld ergibt – ein typisches Merkmal von Pflanzenfressern, die Fressfeinde frühzeitig erkennen müssen.
Als Beuteltiere verfügen weibliche Kängurus über einen nach vorn geöffneten Beutel (Marsupium), in dem die Jungtiere nach der Geburt heranreifen. Die Zahnformel unterscheidet sich von der placentaler Säugetiere: Kängurus besitzen im Unterkiefer nur ein Paar Schneidezähne (Diprotodontie), was ein taxonomisches Schlüsselmerkmal der Ordnung Diprotodontia darstellt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Kängurus beschränkt sich auf Australien, Tasmanien, Neuguinea und einige vorgelagerte Inseln. Innerhalb dieses Areals besiedeln die verschiedenen Arten ein breites Spektrum an Habitaten. Rote Riesenkängurus bevorzugen das trockene, offene Inland Australiens – Savannen, Steppen und Halbwüsten des Outbacks. Graue Riesenkängurus hingegen leben in den feuchteren Waldgebieten und Graslandschaften des östlichen und südlichen Australiens. Felskängurus der Gattung Petrogale besiedeln felsige Schluchten und Klippen, während Baumkängurus (Dendrolagus) in den tropischen Regenwäldern Neuguineas und Nordost-Queenslands ein arboreales Biotop nutzen.
Die ökologische Anpassungsfähigkeit der Familie Macropodidae ist beträchtlich. Einige Arten haben ihre Bestände seit der europäischen Besiedlung Australiens sogar vergrößert, da Weideflächen und künstliche Wasserstellen neue Lebensräume geschaffen haben. Andere, vor allem kleinere Arten, sind durch Habitatverlust und eingeschleppte Raubtiere wie Fuchs und Katze stark zurückgegangen.
Ernährung
Kängurus sind Herbivoren. Die großen Arten grasen überwiegend auf Grasland und ernähren sich von verschiedenen Süß- und Hartgräsern. Ihr Verdauungssystem ähnelt funktionell dem der Wiederkäuer, obwohl keine nähere Verwandtschaft besteht. Der mehrkammerige Vormagen beherbergt Mikroorganismen, die Zellulose aufschließen – ein Vorgang, der als Fermentation bezeichnet wird. Im Gegensatz zu Rindern kauen Kängurus ihre Nahrung allerdings nicht wieder.
Kleinere Arten wie Wallabys und Filander ergänzen ihren Speiseplan mit Blättern, Kräutern, Früchten und Pilzen. Baumkängurus fressen vorwiegend Blätter und Baumrinde. Kängurus können längere Trockenperioden überstehen, da sie einen vergleichsweise geringen Wasserbedarf haben und einen Teil ihrer Flüssigkeit aus der Nahrung beziehen.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Känguruarten sind dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie im Schatten von Bäumen oder Felsvorsprüngen und werden erst in den kühleren Abendstunden aktiv, um zu fressen. Rote und Graue Riesenkängurus leben in lockeren sozialen Verbänden, die als „Mobs" bezeichnet werden. Diese Gruppen sind keine festen Rudel mit stabiler Hierarchie, sondern wechselnde Zusammenschlüsse von Individuen, die gemeinsam nach Nahrung suchen.
Männchen tragen untereinander rituelle Kämpfe aus, um den Zugang zu paarungsbereiten Weibchen zu sichern. Dabei stützen sich die Rivalen auf ihren Schwanz und versetzen einander kräftige Tritte mit den Hinterbeinen. Diese sogenannten „Boxkämpfe" können zu ernsthaften Verletzungen führen, enden aber selten tödlich. Dominante Männchen haben deutlich höhere Fortpflanzungserfolge.
Beim schnellen Springen erreichen Rote Riesenkängurus Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h und überbrücken Distanzen von mehr als 9 Metern pro Sprung. Die Fortbewegung durch Hüpfen ist bei höheren Geschwindigkeiten energetisch effizienter als Laufen, da die elastischen Sehnen der Hinterbeine die Aufprallenergie speichern und beim nächsten Sprung wieder abgeben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungsbiologie der Kängurus gehört zu den ungewöhnlichsten unter den Säugetieren. Nach einer Tragzeit von lediglich 30 bis