Kaisermantel
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Argynnis paphia
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
- Unterfamilie: Heliconiinae (Passionsblumenfalter)
- Gattung: Argynnis
- Flügelspannweite: 55–65 mm
- Gewicht: ca. 0,3–0,5 g
- Lebensraum: Lichte Laubwälder, Waldränder, Waldlichtungen
- Verbreitung: Europa, gemäßigtes Asien bis Japan, Nordafrika
- Flugzeit: Juni bis September
- Lebenserwartung: ca. 10–14 Monate (gesamter Lebenszyklus), Falter etwa 4–6 Wochen
Aussehen & Merkmale
Der Kaisermantel ist der größte mitteleuropäische Perlmuttfalter und einer der auffälligsten Tagfalter in heimischen Wäldern. Die Flügeloberseite der Männchen leuchtet in einem kräftigen Orangebraun mit einem regelmäßigen Muster aus schwarzen Flecken, Punkten und Querlinien. Vier verdickte, dunkel gefärbte Duftschuppenstreifen auf den Vorderflügeln der Männchen sind ein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber den Weibchen. Diese sogenannten Androkonien dienen der Verbreitung von Pheromonen während der Balz.
Die Weibchen sind insgesamt etwas größer als die Männchen, ihre Grundfärbung ist matter und stärker grünlich-braun getönt. Die schwarze Zeichnung auf den Flügeln wirkt bei ihnen ausgedehnter und weniger kontrastreich. Eine genetisch bedingte Farbvariante der Weibchen, die als Form valesina bezeichnet wird, zeigt eine olivgrüne bis graugrüne Oberseite anstelle der typischen Orangetöne. Diese Variante tritt regional unterschiedlich häufig auf, in manchen Populationen bei bis zu 15 Prozent der Weibchen.
Die Flügelunterseite ist bei beiden Geschlechtern charakteristisch gezeichnet: Die Hinterflügel tragen silbrig-grüne Streifen auf einem gelblich-grünen Grund, was dem Falter seinen deutschen Namen einbrachte – die Streifen erinnern an den Hermelinbesatz eines kaiserlichen Mantels. Körper und Flügelbasis sind dicht mit orangebraunen Schuppen bedeckt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Kaisermantels erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. In Europa kommt die Art von der Iberischen Halbinsel bis Skandinavien vor, wobei sie in Nordeuropa nur die südlichen Landesteile besiedelt. Nach Osten reicht das Areal über Kleinasien und den Kaukasus durch das gemäßigte Asien bis nach Japan. In Nordafrika existieren isolierte Vorkommen in Marokko und Algerien.
Das bevorzugte Habitat sind lichte, krautreiche Laub- und Mischwälder, insbesondere Eichen- und Buchenwälder mit einem gut ausgeprägten Unterwuchs. Der Kaisermantel besiedelt Waldränder, breite Waldwege, Lichtungen und Schneisen. Entscheidend für die Eignung eines Biotops ist das gleichzeitige Vorkommen von Veilchenarten (Viola) als Raupennahrung und nektarreichen Blütenpflanzen für die Falter. In den Alpen findet man die Art bis in Höhenlagen von etwa 1.500 Metern.
Ernährung
Ausgewachsene Kaisermäntel ernähren sich ausschließlich von Nektar. Zu den bevorzugten Nektarpflanzen zählen Brombeere, Wasserdost, Disteln, Baldrian und verschiedene Doldenbütler. An heißen Sommertagen lassen sich oft mehrere Falter gleichzeitig an blühenden Brombeersträuchern beobachten. Gelegentlich saugen Kaisermäntel auch an überreifem Obst oder feuchten Bodenstellen, um Mineralstoffe aufzunehmen.
Die Raupen fressen ausschließlich an Veilchenarten (Gattung Viola). In Mitteleuropa dienen vor allem das Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana), das Hain-Veilchen (Viola riviniana) und das Wohlriechende Veilchen (Viola odorata) als Futterpflanzen. Die frisch geschlüpften Raupen nehmen zunächst die Eihülle auf, bevor sie sich an den Blättern der Veilchen zu fressen beginnen.
Verhalten & Lebensweise
Der Kaisermantel ist ein ausgesprochener Tagfalter mit einer Flugzeit von Ende Juni bis Anfang September, wobei der Höhepunkt im Juli liegt. Die Art bildet eine Generation pro Jahr aus (univoltin). Die Falter sind ausdauernde und schnelle Flieger, die in ihrem Waldlebensraum oft entlang fester Flugbahnen patrouillieren. Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten und verteidigen sonnenexponierte Plätze an Waldwegen gegen Artgenossen und andere Schmetterlinge.
Bei der Balz umfliegt das Männchen das Weibchen in einem charakteristischen Flugmuster: Es fliegt wiederholt knapp unter dem Weibchen hindurch, sodass seine Duftschuppen auf den Vorderflügeln die Antennen des Weibchens streifen. Dieses Verhalten dient der chemischen Kommunikation über Pheromone und ist für die Paarungsbereitschaft des Weibchens entscheidend.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Paarung im Hochsommer legt das Weibchen seine Eier einzeln in Rindenritzen von Baumstämmen ab – in der Regel an Fichten, Kiefern oder Eichen, die in der Nähe von Veilchenbeständen stehen. Dieses Eiablageverhalten ist ungewöhnlich, da die Eier nicht direkt an der Futterpflanze abgelegt werden, sondern in deren Umgebung an Baumrinde. Pro Weibchen werden insgesamt 100 bis 200 Eier abgesetzt.
Die Raupen schlüpfen noch im Spätsommer, fressen kurz an der Eihülle und begeben sich unmittelbar danach in eine Überwinterungsruhe (Diapause) in der Rindenritze, ohne jemals gefressen zu haben.