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Kamm

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Anatomie & Körperbau > Kopf & Sinnesorgane

Definition & Überblick

Der Kamm (lat. Crista, bei Hühnervögeln spezifisch als Crista galli im übertragenen Sinne bzw. zoologisch als Caruncula bezeichnet) ist ein fleischiger, stark durchbluteter Hautauswuchs auf dem Oberkopf (Scheitel) vor allem von Hühnervögeln (Galliformes). Er zählt zu den sogenannten Kopfanhängen (Appendices capitis) und stellt gemeinsam mit den Kehllappen (Paleae) eines der auffälligsten sekundären Geschlechtsmerkmale dieser Vogelgruppe dar. Der Kamm ist kein knöchernes, sondern ein rein weichteiliges Gebilde, das aus modifizierter Haut (Integumentum commune) hervorgeht und weder Federn noch Schuppen trägt. In der vergleichenden Anatomie wird der Begriff „Kamm" gelegentlich auch für kammförmige Knochenleisten oder Hautkämme bei Reptilien verwendet, doch seine prominenteste Bedeutung besitzt er in der Geflügelanatomie.

Aufbau & Struktur

Histologisch besteht der Kamm des Haushuhns (Gallus gallus domesticus) aus drei wesentlichen Gewebeschichten:

  • Epidermis: Eine vergleichsweise dünne, nicht verhornte Oberhaut, die dem Kamm sein glattes, leicht feuchtes Erscheinungsbild verleiht. Die Epidermis ist frei von Federfollikeln und enthält zahlreiche Melanocyten, die je nach Rasse für Pigmentunterschiede verantwortlich sind.
  • Dermis (Corium): Die Lederhaut ist außergewöhnlich dick und enthält ein dichtes Netz aus kollagenen und elastischen Fasern. In die Dermis eingebettet liegt ein massives Geflecht aus Blutgefäßen – vor allem Arteriolen und dünnwandigen venösen Sinusoiden. Dieses Rete mirabile-ähnliche Gefäßnetzwerk ist für die intensive Rotfärbung verantwortlich und macht den Kamm zu einem der am stärksten vaskularisierten Hautareale des gesamten Vogelkörpers.
  • Subcutis: Eine lockere Bindegewebsschicht verbindet den Kamm mit dem darunterliegenden Periost des Os frontale (Stirnbein). Glatte Muskulatur fehlt weitgehend; der Kamm besitzt keine aktive Beweglichkeit.

Die Grundsubstanz der Dermis enthält hohe Konzentrationen an Hyaluronsäure und anderen Glykosaminoglykanen, die dem Kamm seine pralle, turgeszente Konsistenz verleihen. Diese Eigenschaft machte den Hahnenkamm historisch sogar zu einer industriellen Quelle für Hyaluronsäure in der Humanmedizin.

Funktion

Dem Kamm werden mehrere physiologische und ethologische Funktionen zugeschrieben:

  • Thermoregulation: Da Vögel keine Schweißdrüsen besitzen, spielt die Wärmeabgabe über unbefiederte, gut durchblutete Hautareale eine wichtige Rolle. Der Kamm fungiert als Wärmeaustauschfläche (Radiator). Durch Vasodilatation der dermalen Gefäße wird warmes Blut an die Oberfläche geleitet und überschüssige Körperwärme konvektiv abgegeben. Bei Kälte kommt es zur Vasokonstriktion, wodurch der Kamm blass und kühl wird.
  • Sexuelle Selektion und Signalwirkung: Größe, Farbe und Turgeszenz des Kammes sind androgenabhängig. Testosteron stimuliert das Kammwachstum erheblich – der Hahnenkamm erreicht ein Mehrfaches der Größe des Hennenkamms. Ein großer, leuchtend roter Kamm signalisiert Gesundheit, Immunkompetenz und Reproduktionsfähigkeit. Hennen bevorzugen nachweislich Hähne mit größeren Kämmen, was den Kamm zu einem klassischen Beispiel für ein Honest Signal der sexuellen Selektion macht.
  • Soziale Kommunikation: Innerhalb der Rangordnung (Hackordnung) korreliert die Kammgröße mit dem sozialen Status. Der Kamm dient als visuelles Signal zur Vermeidung physischer Auseinandersetzungen.

Unterschiede zwischen Tierarten

Innerhalb der Hühnervögel variiert die Kammform rassebedingt erheblich. Beim Haushuhn unterscheidet man unter anderem:

  • Einfachkamm (Single comb): Aufrecht stehend, mit regelmäßigen Zacken – die häufigste Form (z. B. Leghorn).
  • Rosenkamm (Rose comb): Flach, breit, mit papillöser Oberfläche (z. B. Hamburger, Wyandotte).
  • Erbsenkamm (Pea comb): Drei niedrige, parallele Längsleisten (z. B. Brahma, Ameraucana).
  • Walnusskamm (Walnut comb): Kompakt, rundlich-höckerig, genetisch eine Kombination aus Rosen- und Erbsenkamm (z. B. Malaien).
  • Hörnerkamm (V-comb): Zwei aufrechte, hornförmige Fortsätze (z. B. La Flèche).

Bei Truthühnern (Meleagris gallopavo) ersetzt ein zapfenförmiger, erektiler Stirnzapfen (Snood) den typischen Kamm. Dieser kann durch Bluteinstrom aktiv verlängert werden und spielt ebenfalls eine Rolle bei der sexuellen Selektion. Perlhühner (Numida meleagris) tragen einen knöchernen, hornbedeckten Helmaufsatz (Casque), der strukturell vom Weichteilkamm der Hühner grundverschieden ist, da hier das Os frontale eine knöcherne Crista bildet.

Bei Reptilien, insbesondere einigen Leguanen und Chamäleons, finden sich ebenfalls als „Kamm" bezeichnete Strukturen – dorsale Hautleisten oder Scheitelhauben, die jedoch aus verhornter Epidermis, teils mit knöcherner