Kammhuhn
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Gallus gallus
- Ordnung: Hühnervögel (Galliformes)
- Familie: Fasanenartige (Phasianidae)
- Gattung: Kammhühner (Gallus)
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, Waldränder, Bambusdickichte, Sekundärvegetation
- Größe: Hahn 65–78 cm (inkl. Schwanz), Henne 42–46 cm
- Gewicht: Hahn 700–1.500 g, Henne 500–1.000 g
- Lebenserwartung: 5–8 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 15 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Die Gattung der Kammhühner (Gallus) umfasst vier Arten, von denen das Bankivahuhn (Gallus gallus) als Stammform des Haushuhns die bekannteste ist. Namengebend für die Gattung ist der fleischige Kamm auf dem Oberkopf, der bei den Hähnen besonders ausgeprägt ist und je nach Art in Form und Größe variiert.
Allen Kammhühnern gemeinsam ist ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus. Die Hähne tragen ein farbenprächtiges Gefieder mit metallisch glänzenden Partien an Hals, Rücken und Schwanz. Die Schmuckfedern des Halses – der sogenannte Behang – fallen bogenförmig über Nacken und Schultern. Die stark verlängerten, sichelförmig gebogenen Schwanzfedern sind ein weiteres auffälliges Merkmal der männlichen Tiere. Am Kopf befinden sich neben dem gezackten Kamm ein oder zwei Kehllappen sowie nackte, teils leuchtend rote Hautpartien.
Die Hennen sind deutlich schlichter gefärbt. Ihr Gefieder zeigt überwiegend braune und beige Tarnfarben mit feiner Bänderung, was ihnen am Boden eine hervorragende Tarnung bietet. Der Kamm ist bei Weibchen wesentlich kleiner oder fehlt gänzlich. Beide Geschlechter besitzen kräftige, unbefiederte Läufe. Die Hähne tragen an den Innenrändern der Läufe einen spitzen Sporn, der bei Rivalenkämpfen als Waffe eingesetzt wird.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Kammhühner erstreckt sich über Süd- und Südostasien. Das Bankivahuhn (Gallus gallus) besiedelt ein Areal von Nordostindien über Myanmar, Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha bis nach Südchina, Malaysia und Indonesien. Das Sonnerathuhn (Gallus sonneratii) ist auf dem indischen Subkontinent endemisch. Das Lafayettehuhn (Gallus lafayettii) kommt ausschließlich auf Sri Lanka vor, während das Gabelschwanzhuhn (Gallus varius) auf Java und einigen umliegenden Inseln lebt.
Als bevorzugtes Habitat dienen lichte Tropenwälder, Bambusdickichte, Waldlichtungen und Sekundärvegetation. Kammhühner halten sich bevorzugt in der Nähe von Waldrändern und Gewässern auf. Sie meiden dichte, geschlossene Waldgebiete ebenso wie offene Flächen ohne Deckung. In ihrem Biotop sind sie auf eine Kombination aus bodennaher Vegetation zur Nahrungssuche und Bäumen oder Büschen als Schlafplätze angewiesen. In manchen Regionen besiedeln sie auch landwirtschaftlich genutzte Flächen und Plantagenränder, sofern ausreichend Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sind.
Ernährung
Kammhühner sind Allesfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. Die Hauptnahrung besteht aus Samen, Körnern, Früchten, Beeren, jungen Blättern und Trieben. Ergänzt wird die pflanzliche Kost durch tierische Bestandteile: Insekten, Larven, Würmer, Spinnen und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Eidechsen. Die Nahrungssuche erfolgt vorwiegend am Boden, wobei die Tiere mit ihren kräftigen Füßen Laub und Erde beiseite scharren – ein typisches Verhalten der Hühnervögel, das als „Scharren" bezeichnet wird. In der Regenzeit steigt der Anteil tierischer Nahrung, da Wirbellose dann besonders zahlreich verfügbar sind. Wie alle Hühnervögel nehmen Kammhühner regelmäßig kleine Steinchen (Gastrolithen) auf, die im Muskelmagen bei der mechanischen Zerkleinerung der Nahrung helfen.
Verhalten & Lebensweise
Kammhühner sind tagaktiv und verbringen den Großteil des Tages mit der Nahrungssuche am Waldboden. In der Dämmerung fliegen sie auf erhöhte Schlafplätze in Bäumen auf, um sich vor bodenlebenden Raubtieren zu schützen. Dieses „Aufbaumen" ist ein fester Bestandteil ihres Tagesrhythmus.
Die Sozialstruktur entspricht einer Haremsgruppe: Ein dominanter Hahn lebt mit mehreren Hennen und deren Jungtieren zusammen. Die Hähne verteidigen ihr Revier durch laute Kräh-Rufe, die weit durch den Wald tragen. Bei Begegnungen mit Rivalen kommt es zu ritualisierten Auseinandersetzungen, die von Drohgebärden bis zu ernsthaften Kämpfen mit den Beinsporen reichen können. Unterlegene Hähne werden aus der Gruppe vertrieben und leben einzeln oder in losen Junggesellenverbänden.
Bei Gefahr warnen die Tiere mit spezifischen Alarmrufen, wobei unterschieden wird zwischen Warnrufen für Bodenfeinde und solchen für Greifvögel – ein Hinweis auf eine differenzierte Kommunikation.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz der Kammhühner ist ein vielschichtiges Ritual. Der Hahn präsentiert sich der Henne durch seitliches Flügelsenken, rhythmisches Fußstampfen und das sogenannte „Futterlockverhalten", bei dem er Nahrungsstücke aufnimmt und mit speziellen Rufen das Weibchen herbeilockt. Dabei spreizt er den gesenkten Flügel fächerartig ab und umtanzt die Henne.