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Kaschmirziege

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Rassen > Sonstiges Geflügel & Nutztierrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Zentralasien (Kaschmir-Region, Himalaya, Tibet, Mongolei, Iran)
  • Rassestandard: Kein einheitlicher internationaler Standard; regionale Zuchtverbände in Australien, Neuseeland, Großbritannien und den USA definieren eigene Standards (u. a. Cashmere and Camel Hair Manufacturers Institute, CCMI)
  • Größe: Widerristhöhe Böcke ca. 60–75 cm, Ziegen ca. 50–65 cm
  • Gewicht: Böcke 55–90 kg, Ziegen 35–55 kg
  • Lebenserwartung: 12–18 Jahre bei artgerechter Haltung
  • Fell/Farben: Doppeltes Haarkleid aus grobem Deckhaar und feiner Unterwolle (Kaschmir); Farbspektrum von Weiß über Grau, Braun, Schwarz bis Gescheckt; weißes Vlies wirtschaftlich am wertvollsten

Herkunft & Geschichte

Die Kaschmirziege ist keine einzelne, scharf definierte Rasse im klassischen Sinne, sondern ein Sammelbegriff für Ziegentypen, die besonders feine Unterwolle – das begehrte Kaschmirfaserhaar – produzieren. Der Name leitet sich von der Hochgebirgsregion Kaschmir im Grenzgebiet zwischen Indien, Pakistan und China ab. Seit Jahrhunderten nutzen Nomadenvölker in Zentralasien, der Mongolei, Tibet und im Iran diese Ziegen zur Gewinnung der edlen Faser. Bereits im 15. Jahrhundert wurden Kaschmirschals auf den Märkten Persiens gehandelt und galten als Luxusgut an europäischen Höfen.

Im 19. Jahrhundert gelangten erste Kaschmirziegen nach Europa. Versuche, die Zucht in Frankreich und England zu etablieren, scheiterten zunächst am milderen Klima, das die Produktion der feinen Unterwolle reduzierte. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelang es Züchtern in Australien, Neuseeland und Schottland, stabile Zuchtlinien aufzubauen. In der Mongolei und China – dem heute weltweit größten Produzenten von Kaschmirwolle – werden nach wie vor traditionelle Landrassen gehalten. Die Abstammung der verschiedenen Zuchtlinien lässt sich auf die Wildbezoarziege (Capra aegagrus) zurückführen, den Vorfahren aller Hausziegen.

Aussehen & Rassemerkmale

Das auffälligste Merkmal der Kaschmirziege ist ihr doppelschichtiges Haarkleid. Das äußere Deckhaar ist lang, grob und schützt vor Witterung, während die darunter liegende Unterwolle – das eigentliche Kaschmir – extrem fein ist. Der Faserdurchmesser beträgt weniger als 19 Mikrometer (häufig 14–16 Mikrometer), was Kaschmir deutlich feiner als Merinowolle macht. Pro Tier lassen sich jährlich etwa 100 bis 300 Gramm reine Kaschmirfaser gewinnen.

Im Körperbau präsentiert sich die Kaschmirziege mittelgroß bis groß, mit kräftigem Knochenbau und kompaktem Rumpf. Der Kopf ist gerade bis leicht konvex, die Ohren mittelgroß und aufrecht oder leicht hängend – je nach Zuchtlinie. Sowohl Böcke als auch Ziegen können gehörnt oder hornlos sein. Die Beine sind stämmig und trittsicher, eine Anpassung an das Gelände ihrer Herkunftsregionen. Böcke tragen häufig einen ausgeprägten Kinnbart und wirken insgesamt massiger als die weiblichen Tiere.

Charakter & Wesen

Kaschmirziegen gelten als robust, anpassungsfähig und vergleichsweise ruhig. Sie sind weniger temperamentvoll als manche Milchziegenrassen und zeigen ein ausgeglichenes, gelassenes Wesen. Gegenüber dem Menschen entwickeln sie bei regelmäßigem Kontakt eine vertrauensvolle Bindung, bleiben dabei aber eigenständiger als etwa die besonders anhängliche Zwergziege.

Im Herdenverband sind Kaschmirziegen sozial und verträglich. Sie pflegen feste Rangordnungen, ohne dass es zu übermäßiger Aggression kommt. Böcke können in der Brunftzeit allerdings deutlich dominanter auftreten. Die Tiere sind wachsam und aufmerksam, reagieren sensibel auf Veränderungen in ihrer Umgebung und zeigen ein ausgeprägtes Neugierverhalten. Junge Kaschmirziegen sind verspielt und bewegungsfreudig, was eine abwechslungsreiche Umgebung voraussetzt.

Haltung & Pflege

Die Haltung von Kaschmirziegen erfordert ausreichend Platz. Als Weidetiere benötigen sie großzügigen Auslauf – idealerweise strukturiertes Gelände mit Klettermöglichkeiten, Büschen und natürlichen Unterständen. Ein wetterfester, zugluftfreier Stall dient als Rückzugsort bei extremen Witterungsverhältnissen. Die Tiere sind kälteresistent und vertragen Frost deutlich besser als Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit.

Die Fellpflege ist ein zentraler Aspekt der Haltung. Im Spätwinter, wenn die Unterwolle sich natürlich löst, wird das Kaschmir durch Auskämmen oder Scheren gewonnen. Regelmäßiges Bürsten während des Fellwechsels beugt Verfilzungen vor. Die Klauen müssen alle sechs bis acht Wochen fachgerecht geschnitten werden, um Fehlstellungen und Klauenerkrankungen zu vermeiden. Kaschmirziegen sollten stets in Gruppen von mindestens drei Tieren gehalten werden, da Einzelhaltung zu erheblichem Stress führt.

Zäune müssen stabil und mindestens 1,20 Meter hoch sein. Kaschmirziegen sind geschickte Ausbrecher, weshalb elektrische Litzen als Ergänzung empfehlenswert sind. Die Beschäftigung lässt sich durch Futterspiele, erhöhte Liegeflächen und Astwerk abwechslungsreich gestalten.

Ernährung

Kaschmirziegen sind genügsame Fresser, die sich hauptsächlich von raufaserreichem Futter ernähren. Heu und Gras bilden die Grundlage der Ration. Zusätzlich fressen sie gerne Blätter, Zweige, Rinde und Kräuter – die sogenannte Laubäsung. Gerade in der Phase der Unterwolle-Bildung (Herbst und Frühwinter) steigt der Nährstoff