Kehllappen
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Definition & Überblick
Der Kehllappen (lateinisch palear, bei Vögeln auch caruncula oder lobus gularis) bezeichnet einen weichen, meist unpaarigen Hautlappen, der an der Kehlregion oder am Unterkiefer herabhängt. Er besteht vorwiegend aus Haut, Bindegewebe und teilweise aus Fettgewebe und tritt bei verschiedenen Wirbeltierklassen in unterschiedlicher Ausprägung auf. Besonders prominent ist der Kehllappen bei Hausgeflügel (Galliformes), zahlreichen Reptilienarten sowie bei einigen Rinderrassen, wo er als Wamme (palear bovis) bezeichnet wird.
Funktionell dient der Kehllappen je nach Tierart der Thermoregulation, der innerartlichen Kommunikation, der Geschlechterkennung oder der sexuellen Selektion. Er ist kein lebenswichtiges Organ im engeren Sinne, spielt jedoch in der Verhaltensbiologie und Zucht eine erhebliche Rolle. Morphologisch wird er von der allgemeinen und speziellen Anatomie den Hautanhangsgebilden (adnexa cutis) zugeordnet.
Aufbau & Struktur
Der histologische Aufbau des Kehllappens variiert zwischen den Tierarten, folgt jedoch einem gemeinsamen Grundprinzip. Die äußere Schicht bildet die Epidermis (Stratum corneum bis Stratum basale), die bei Vögeln vergleichsweise dünn und unbehaart, bei Säugetieren dagegen mit spärlicher Behaarung versehen ist. Darunter befindet sich die Dermis (Corium), die reich an kollagenen und elastischen Fasern ist und dem Kehllappen seine charakteristische Dehnbarkeit verleiht.
Das Innere besteht aus lockerem Bindegewebe (Textus connectivus laxus) mit eingelagertem Fettgewebe (Textus adiposus), dessen Anteil stark vom Ernährungszustand des Tieres abhängt. Eine knöcherne oder knorpelige Stützstruktur fehlt vollständig – der Kehllappen ist somit ein rein bindegewebig-kutanes Gebilde.
Beim Haushuhn (Gallus gallus domesticus) ist der Kehllappen besonders stark vaskularisiert. Ein dichtes Netzwerk aus Arteriolen und Venolen, gespeist durch Äste der Arteria facialis und der Arteria maxillaris, durchzieht das Gewebe und verleiht ihm die typische rote Färbung. Diese intensive Durchblutung ermöglicht rasche Farbveränderungen als Reaktion auf hormonelle Schwankungen, Stress oder Temperaturänderungen.
Bei Reptilien wie dem Grünen Leguan (Iguana iguana) enthält der Kehllappen (Dewlap) zusätzlich hyaline Knorpelstäbe des Zungenbeins (Os hyoideum), die ein aktives Aufstellen ermöglichen.
Funktion
Die funktionelle Bedeutung des Kehllappens ist vielschichtig und artspezifisch:
- Thermoregulation: Beim Haushuhn und bei Zebu-Rindern (Bos taurus indicus) dient der stark durchblutete Kehllappen als Wärmetauscher. Durch Vasodilatation wird überschüssige Körperwärme über die große Oberfläche an die Umgebung abgegeben. Dieser Mechanismus ist bei Tieren in tropischen Klimazonen besonders ausgeprägt.
- Sexuelle Selektion und Partnerwahl: Bei Hühnervögeln korreliert die Größe und Farbintensität des Kehllappens mit dem Testosteronspiegel und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Hennen bevorzugen nachweislich Hähne mit größeren, kräftig roten Kehllappen – ein klassisches Beispiel für ein Honest Signal im Sinne der sexuellen Selektion.
- Intraspezifische Kommunikation: Bei Anolis-Echsen (Anolis spp.) und Leguanen fungiert der Kehlsack als visuelles Signalmittel. Durch Aufstellen und rhythmisches Bewegen werden Revieransprüche signalisiert oder Weibchen umworben.
- Artkennung: Insbesondere bei sympatrisch lebenden Anolis-Arten unterscheiden sich die Kehllappen in Farbe, Muster und Größe erheblich, was zur reproduktiven Isolation beiträgt.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die vergleichende Anatomie zeigt deutliche Unterschiede im Bau und in der Funktion des Kehllappens:
- Hühnervögel (Galliformes): Das Haushuhn besitzt in der Regel zwei paarige Kehllappen (lobi), die ventral am Unterkiefer hängen und gemeinsam mit dem Kamm (crista) und den Ohrscheiben (auriculae) zu den Kopfanhängen zählen. Hähne zeigen deutlich größere Kehllappen als Hennen – ein markanter Geschlechtsdimorphismus. Bei Truthühnern (Meleagris gallopavo) befindet sich zusätzlich ein dehnbarer Kehlsack (carunculus), der aktiv aufgeblasen werden kann.
- Rinder (Bos taurus): Die als Wamme bezeichnete Hautfalte an der Kehl- und Brustregion ist bei indischen Zebu-Rassen besonders voluminös und funktionell der Thermoregulation sowie der Fettspeicherung zuzuordnen. Europäische Rinderrassen zeigen eine deutlich geringere Ausprägung.
- Reptilien (Squamata): Bei Leguanen und Anolis-Arten ist der Kehllappen (Dewlap) durch Zungenbeinstäbe aktiv beweglich. Die Farbe variiert artspezifisch von Gelb über Rot bis Blau und wird durch Chromatophoren (Melanophoren, Xanthophoren, Iridophoren) in der Dermis erzeugt.
- Amphibien: Einige Froschlurche besitzen aufblasbare Kehlsäcke (Sacci vocales), die primär als Resonan