Kleiner Eisvogel
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Limenitis camilla
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
- Unterfamilie: Eisvögel (Limenitidinae)
- Gattung: Limenitis
- Lebensraum: Laubmischwälder, Waldlichtungen, Waldränder
- Flügelspannweite: 45–55 mm
- Gewicht: ca. 0,3–0,5 g
- Lebenserwartung: etwa 2–3 Wochen als Falter; gesamter Lebenszyklus ca. 11 Monate
Aussehen & Merkmale
Der Kleine Eisvogel ist ein mittelgroßer Tagfalter mit einer Flügelspannweite von 45 bis 55 Millimetern. Die Oberseite der Flügel zeigt eine tiefbraune bis schwarzbraune Grundfärbung, die von einer auffälligen, durchgehenden weißen Binde durchzogen wird. Diese weiße Querbinde verläuft sowohl über die Vorder- als auch über die Hinterflügel und stellt das markanteste Erkennungsmerkmal der Art dar. Im Gegensatz zum nahe verwandten Großen Eisvogel (Limenitis populi) fehlen dem Kleinen Eisvogel orangefarbene Flecken auf der Flügeloberseite.
Die Flügelunterseite bietet einen deutlichen Kontrast zur Oberseite: Sie ist überwiegend orangebraun gefärbt und zeigt neben der weißen Binde mehrere Reihen schwarzer Punkte sowie einen bläulich-grauen Randbereich. Diese Unterseite dient der Tarnung, wenn der Falter mit zusammengeklappten Flügeln ruht. Der Körper ist schlank gebaut und dunkelbraun behaart. Die Fühler sind keulenförmig und an der Spitze leicht verdickt – ein typisches Merkmal der Tagfalter. Die Augen sind wie bei allen Schmetterlingen als Facettenaugen ausgebildet. Die Beine sind bei der Familie der Edelfalter zu sogenannten Putzpfoten reduziert, sodass nur vier der sechs Beine zum Laufen genutzt werden.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Kleinen Eisvogels erstreckt sich über weite Teile der gemäßigten Zone Eurasiens – von Westeuropa über Mitteleuropa bis nach Japan. In Europa kommt er von Südengland und Nordspanien über Frankreich, Deutschland, Österreich und die Schweiz bis nach Osteuropa und Skandinavien vor. In den Alpen besiedelt er Höhenlagen bis etwa 1.500 Meter.
Sein bevorzugtes Habitat sind feuchte, schattige Laubmischwälder mit einem gut ausgebildeten Unterwuchs. Besonders wichtig für das Vorkommen der Art ist das Vorhandensein der Roten Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), der Hauptfutterpflanze der Raupen. Halbschattige Waldwege, Lichtungen und Waldränder bilden das typische Biotop. Der Falter meidet offene Landschaften und ist eng an den Wald als Lebensraum gebunden. Durch die zunehmende Intensivierung der Forstwirtschaft und den Verlust strukturreicher Wälder sind viele lokale Populationen in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen.
Ernährung
Die Nahrungsquellen unterscheiden sich grundlegend zwischen Raupe und Falter. Die Raupen des Kleinen Eisvogels ernähren sich ausschließlich von Blättern verschiedener Heckenkirschenarten (Gattung Lonicera). Die Rote Heckenkirsche stellt dabei die wichtigste Futterpflanze dar, gelegentlich werden auch die Schwarze Heckenkirsche (Lonicera nigra) und weitere Lonicera-Arten angenommen.
Die erwachsenen Falter saugen nur selten an Blüten. Stattdessen nehmen sie bevorzugt Flüssigkeit von feuchten Bodenstellen, Tierkot, Aas, Baumsäften und überreifem Obst auf. Dieses Verhalten dient neben der Wasseraufnahme vor allem der Versorgung mit Mineralsalzen und Aminosäuren. An heißen Sommertagen lassen sich Kleine Eisvögel häufig an schlammigen Pfützen oder auf Waldwegen beim Saugen beobachten.
Verhalten & Lebensweise
Der Kleine Eisvogel ist ausschließlich tagaktiv. Seine Flugzeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Mitte Juni bis Anfang August, wobei die Art in der Regel nur eine Generation pro Jahr (univoltin) ausbildet. Der Flug des Falters wirkt charakteristisch: Auf einige rasche Flügelschläge folgt eine längere Gleitphase mit ausgebreiteten Flügeln, was dem Flugbild einen eleganten, schwebenden Charakter verleiht.
Die Männchen zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten. Sie besetzen sonnenbeschienene Stellen entlang von Waldwegen oder an Lichtungen und verteidigen diese gegen Artgenossen und andere Falter. Dabei kehren sie nach Verfolgungsflügen häufig zu denselben Sitzwarten zurück. Die Weibchen halten sich dagegen überwiegend im Kronenbereich der Bäume auf und sind seltener zu beobachten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Paarung, die im Bereich der Baumkronen stattfindet, legt das Weibchen einzelne Eier auf die Blattoberseite der Heckenkirsche. Die kugeligen, grünlichen Eier sind mit feinen Stacheln besetzt. Die Raupe schlüpft nach etwa zehn Tagen und beginnt sofort mit dem Fraß. Dabei zeigt sie ein auffälliges Verhalten: Sie frisst das Blatt vom Rand her symmetrisch ab, lässt jedoch die Mittelrippe stehen und befestigt Kotreste daran. Dieses sogenannte „Fraßgehäuse" dient der Tarnung.
Im Herbst, ab etwa September, fertigt die noch junge Raupe ein Überwinterungsgespinst – das Hibernarium. Dazu rollt sie ein Blatt der Heckenkirsche zusammen und befestigt es mit Seidenfäden am Zweig, sodass es auch nach dem Laubfall hängen bleibt. In diesem Gespinst überdauert die Raupe den Winter. Im Frühjahr nimmt sie die Nahrungsaufnahme wieder auf und durch