Kleiner Fuchs
KTierart – Insekten > Schmetterlinge – Tagfalter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Aglais urticae (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
- Unterfamilie: Fleckenfalter (Nymphalinae)
- Gattung: Aglais
- Flügelspannweite: 40–52 mm
- Gewicht: ca. 0,1–0,3 g
- Lebenserwartung: etwa 10–12 Monate (inklusive Überwinterung als Imago)
- Lebensraum: Offenland, Gärten, Waldränder, Ruderalflächen, Gebirgsregionen bis über 3.000 m
- Verbreitung: Paläarktis – von Westeuropa über Zentralasien bis Japan
Aussehen & Merkmale
Der Kleine Fuchs gehört zu den bekanntesten und auffälligsten Tagfaltern Mitteleuropas. Die Flügeloberseiten zeigen eine leuchtend orange-rote Grundfärbung mit einem charakteristischen Muster aus schwarzen, gelben und weißen Flecken. Am Vorderflügel befinden sich drei größere schwarze Flecken, die durch gelbliche Zwischenräume getrennt sind. Der Außenrand beider Flügelpaare trägt eine Reihe halbmondförmiger blauer Flecke, die von einer schmalen schwarzen Binde eingefasst werden. Diese blauen Randflecke sind ein wichtiges Bestimmungsmerkmal.
Die Flügelunterseiten stehen in starkem Kontrast zur Oberseite: Sie sind dunkelbraun bis schwarz marmoriert und dienen der Tarnung, wenn der Falter mit zusammengeklappten Flügeln auf Baumrinde oder am Boden ruht. Der Körper ist dicht mit bräunlichen Haaren bedeckt, die wie bei vielen Edelfaltern der Wärmeisolation dienen. Die Fühler sind keulenförmig verdickt – typisch für Tagfalter. Die Vorderbeine sind wie bei allen Nymphalidae zu sogenannten Putzpfoten reduziert und werden nicht zum Laufen verwendet.
Der Kleine Fuchs kann auf den ersten Blick mit dem Großen Fuchs (Nymphalis polychloros) verwechselt werden. Letzterer ist jedoch deutlich größer, zeigt keine blauen Randflecke und besitzt eine insgesamt dunklere, weniger kontrastreiche Zeichnung.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Kleinen Fuchses erstreckt sich über die gesamte Paläarktis. In Europa kommt die Art von der Iberischen Halbinsel und den Britischen Inseln bis nach Skandinavien und zum Ural vor. Östlich reicht das Areal über Sibirien, die Mongolei und China bis nach Japan. In den Alpen besiedelt der Falter Habitate bis in Höhen von über 3.000 Metern und zählt damit zu den am höchsten vorkommenden Tagfaltern Europas.
Als ausgesprochener Kulturfolger besiedelt der Kleine Fuchs ein breites Spektrum an Biotopen. Er ist in Gärten, Parks, an Wegrändern, auf Brachen und Ruderalflächen, an Waldlichtungen und Waldrändern, in Flussauen und auf extensiv genutzten Wiesen anzutreffen. Entscheidend für das Vorkommen ist die Verfügbarkeit der Raupennahrungspflanze Große Brennnessel (Urtica dioica). Stickstoffreiche, sonnige Brennnesselbestände bilden das zentrale Habitat für die Larvalentwicklung.
Ernährung
Die erwachsenen Falter (Imagines) ernähren sich vom Nektar verschiedener Blütenpflanzen. Bevorzugt werden Sommerflieder (Buddleja davidii), Disteln, Wasserdost, Löwenzahn, Klee, Skabiosen und verschiedene Korbblütler angeflogen. Im Frühjahr nutzen die aus der Überwinterung kommenden Falter früh blühende Weidenkätzchen und Huflattich als erste Nahrungsquellen. Gelegentlich saugen Kleine Füchse auch an überreifem Obst, feuchter Erde oder an Baumsäften.
Die Raupen sind ausschließlich auf Brennnesseln (Urtica) als Futterpflanze angewiesen. In Mitteleuropa ist die Große Brennnessel die mit Abstand wichtigste Nahrungsgrundlage. Die Raupen fressen gesellig und können bei starkem Befall ganze Brennnesselbestände kahlfressen, was jedoch für die Pflanze in der Regel unproblematisch ist, da sie rasch wieder austreibt.
Verhalten & Lebensweise
Der Kleine Fuchs ist ein tagaktiver Falter, der bevorzugt bei Sonnenschein fliegt. An trüben Tagen und bei kühler Witterung verharren die Tiere meist regungslos an geschützten Stellen. Die Art bringt in Mitteleuropa zwei, in günstigen Jahren auch drei Generationen pro Jahr hervor. Die erste Generation fliegt von Juni bis Juli, die zweite von August bis Oktober. Nach der Überwinterung erscheinen die Falter bereits an den ersten warmen Frühlingstagen im März oder April.
Eine zentrale Eigenschaft dieser Art ist die Überwinterung als Imago. Die Falter der letzten Jahresgeneration suchen ab September kühle, frostgeschützte Quartiere auf: Dachböden, Keller, Höhlen, Baumhöhlen, Holzstapel und Gartenhäuser dienen als Winterquartiere. Während dieser Ruhephase (Diapause) sind die Stoffwechselprozesse stark herabgesetzt. An ungewöhnlich warmen Wintertagen können die Falter gelegentlich kurzzeitig aktiv werden, was jedoch Energiereserven kostet und die Überlebenswahrscheinlichkeit senkt.
Die Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten. Sie besetzen sonnige Plätze an Wegrändern oder Hecken und vertreiben dort andere Schmetterlinge und Insekten durch kurze, energische Verfolgungsflüge.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Überwinterung beginnt die Paarung der Falter im Frühjahr. Die Balz umfasst Verfolgungsflüge der Männchen sowie das Umkreisen der Weibchen. Nach der Begattung legt das Weibchen seine Eier in großen Gelegen von 50 bis über 200 Stück an die Unterseite junger Brennnesselblätter ab. Die Eier sind grünlich, tonnenförmig und