Kleines Wiesenvögelchen
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Coenonympha pamphilus
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
- Unterfamilie: Augenfalter (Satyrinae)
- Gattung: Wiesenvögelchen (Coenonympha)
- Lebensraum: Offene Graslandschaften, Magerrasen, Wiesen, Wegränder, lichte Waldränder
- Flügelspannweite: 23–33 mm
- Gewicht: ca. 0,02–0,04 g
- Lebenserwartung: Imaginalstadium ca. 2–4 Wochen; gesamte Entwicklung (Ei bis Falter) etwa ein Jahr
Aussehen & Merkmale
Das Kleine Wiesenvögelchen gehört zu den eher unscheinbar gefärbten Tagfaltern Mitteleuropas. Die Flügeloberseiten sind einheitlich ockergelb bis orangebraun, wobei die Farbintensität je nach Generation und Region variieren kann. Im Vorderflügel findet sich nahe der Flügelspitze häufig ein kleiner, dunkel umrandeter Augenfleck mit hellem Kern, der allerdings bei geschlossenen Flügeln verborgen bleibt. Die Flügelunterseiten sind heller gefärbt – die Vorderflügelunterseite zeigt das Augenfleckchen deutlicher, während die Hinterflügelunterseite graubraun bis olivgrün getönt ist und eine verwischte, helle Binde aufweist. Diese Zeichnung dient der Tarnung, wenn der Falter mit zusammengeklappten Flügeln in der Vegetation ruht.
Der Körperbau entspricht dem typischen Bauplan der Augenfalter: Der Thorax ist dicht mit feinen Haarschuppen bedeckt, die Fühler sind am Ende deutlich verdickt (gekeult). Die Vorderbeine sind wie bei allen Edelfaltern zu sogenannten Putzpfoten reduziert und werden nicht zum Laufen verwendet – der Falter steht funktional auf nur vier Beinen. Im Vergleich zu verwandten Arten wie dem Großen Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia) oder dem Rotbraunen Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion) ist Coenonympha pamphilus deutlich kleiner und einheitlicher gefärbt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Kleinen Wiesenvögelchens erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Es kommt von Nordafrika über ganz Europa bis nach Westasien und in Teile Zentralasiens vor. In Europa zählt es zu den häufigsten Tagfaltern überhaupt und fehlt nur auf Island sowie in den nördlichsten Teilen Skandinaviens.
Das bevorzugte Habitat umfasst offene bis halboffene Graslandschaften unterschiedlichster Ausprägung. Magerrasen, extensiv bewirtschaftete Wiesen, Halbtrockenrasen, Deiche, Straßenböschungen, Brachflächen, lichte Waldränder und Parklandschaften werden besiedelt. Das Biotop muss lediglich niedrigwüchsige Gräser als Raupennahrung und Nektarpflanzen für die Falter bieten. Die Art zeigt eine beachtliche Anpassungsfähigkeit an verschiedene Höhenstufen – in den Alpen wurde sie bis auf etwa 2.000 Meter Höhe nachgewiesen. Diese geringe Spezialisierung erklärt die weite Verbreitung und die vergleichsweise stabilen Populationen.
Ernährung
Die Raupen des Kleinen Wiesenvögelchens ernähren sich ausschließlich von Süßgräsern (Poaceae). Zu den bevorzugten Futterpflanzen gehören das Straußgras (Agrostis), Rispengras (Poa), Schwingel (Festuca) und Kammgras (Cynosurus cristatus). Die Raupen fressen vorwiegend in der Dämmerung und nachts, tagsüber verbergen sie sich am Boden zwischen den Grashalmen.
Die erwachsenen Falter (Imagines) nehmen Nektar von einer Vielzahl niedrigwüchsiger Blütenpflanzen auf. Bevorzugt werden unter anderem Habichtskraut, Thymian, Flockenblume, Margerite und verschiedene Kleearten. Gelegentlich saugen sie auch an feuchter Erde, um Mineralsalze aufzunehmen – ein Verhalten, das als „Puddling" bezeichnet wird.
Verhalten & Lebensweise
Das Kleine Wiesenvögelchen ist ein ausgesprochen tagaktiver Falter mit einer langen Flugzeit, die sich in Mitteleuropa von April bis Oktober erstrecken kann. In günstigen Lagen bringt die Art zwei bis drei Generationen pro Jahr hervor (bivoltin bis trivoltin), in höheren Lagen oder im Norden des Verbreitungsgebiets dagegen nur eine (univoltin). Der Flug ist niedrig, flatternd und wirkt etwas unstet – der Falter bleibt dabei meist in Bodennähe innerhalb der Vegetation.
Ein charakteristisches Verhalten ist das Sonnen mit halb geöffneten Flügeln, bei dem die Oberseite der Sonnenstrahlung zugewandt wird, um die Körpertemperatur zu erhöhen. In Ruhephasen klappt der Falter die Flügel stets zusammen und zeigt nur die unauffällige Unterseite – eine wirksame Tarnung gegen Fressfeinde wie Vögel, Spinnen und Raubinsekten. Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist nicht bekannt; die Männchen patrouillieren jedoch in gleichmäßigem Flug über Grasbeständen und nähern sich jedem auffliegenden Schmetterling, um Weibchen zu identifizieren.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz besteht aus einem kurzen Verfolgungsflug, bei dem das Männchen ein Weibchen in niedrigem Flug umkreist. Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier einzeln an Grashalmen ab, bevorzugt an dünnblättrigen Süßgräsern. Die Eier sind zunächst grünlich-weiß und verfärben sich vor dem Schlüpfen bräunlich.
Die Raupe ist grün mit feinen weißen Längsstreifen und einem kurzen, gegabelten Hinterleibsende – typisch für Satyrinae-Raupen. Sie durchläuft vier bis fünf Larvenstadien. Die Überwinterung findet als halbwüchsige Raupe statt, die bei mildem Wetter auch im Winter gelegentlich