Kokosnusskrabbe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Birgus latro
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Familie: Landeinsiedlerkrebse (Coenobitidae)
- Gattung: Birgus
- Lebensraum: Tropische Inseln im Indischen und westlichen Pazifischen Ozean
- Größe: Körperlänge bis 40 cm, Beinspannweite bis 1 m
- Gewicht: Bis zu 4 kg, in Ausnahmefällen über 4,5 kg
- Lebenserwartung: Schätzungsweise 40–60 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Kokosnusskrabbe – trotz des Namens kein echtes Krabbentier, sondern ein Einsiedlerkrebs – ist der größte an Land lebende Gliederfüßer (Arthropode) der Erde. Ihr Körper ist in einen vorderen Abschnitt (Cephalothorax), der von einem kräftigen Carapax bedeckt wird, und ein breites, nach unten eingeschlagenes Abdomen gegliedert. Im Gegensatz zu anderen Einsiedlerkrebsen trägt die adulte Kokosnusskrabbe kein Schneckengehäuse. Ihr Hinterleib ist durch eine verkalkte Chitinschicht geschützt, die ausreichend Stabilität bietet.
Das erste Beinpaar ist zu massiven Scheren umgebildet. Die linke Schere ist dabei deutlich größer als die rechte und kann eine Klemmkraft von über 3.000 Newton erzeugen – die stärkste gemessene Greifkraft aller Krebstiere. Die übrigen vier Laufbeinpaare sind kräftig und mit gebogenen Klauen versehen, die dem Tier das Klettern auf Baumstämmen und Felsen ermöglichen. Das letzte Beinpaar ist reduziert und liegt unter dem Carapax verborgen. Die Körperfärbung variiert je nach Population von blauviolett über rotbraun bis orangefarben.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Kokosnusskrabbe erstreckt sich über zahlreiche Inseln des Indischen Ozeans und des westlichen Pazifiks. Bedeutende Populationen existieren auf den Weihnachtsinsel (Australien), den Chagos-Inseln, den Seychellen, auf verschiedenen Atollen der Cook-Inseln sowie auf Inseln Mikronesiens und Polynesiens. Auf dem asiatischen und australischen Festland kommt die Art nicht vor.
Ihr bevorzugtes Habitat sind küstennahe tropische Wälder, Kokospalmenhaine und sandige oder felsige Böden mit ausreichend Unterschlupfmöglichkeiten. Tagsüber verbergen sich die Tiere in selbst gegrabenen Erdbauten, unter Wurzelwerk, in Felsspalten oder zwischen dichter Vegetation. Ein lockerer, gut durchlässiger Boden ist für die Anlage der Wohnhöhlen entscheidend. Trotz ihrer marinen Herkunft können adulte Kokosnusskrabben nicht schwimmen und ertrinken in tieferem Wasser. Nur die Larven durchlaufen eine aquatische Entwicklungsphase im Meer.
Ernährung
Die Kokosnusskrabbe ist ein Allesfresser mit einer deutlichen Präferenz für fettreiche pflanzliche Nahrung. Kokosnüsse stellen einen wesentlichen Bestandteil der Ernährung dar – das Tier ist in der Lage, mit seinen Scheren die harte Faserschale aufzubrechen, um an das Fruchtfleisch und die Kokosmilch zu gelangen. Dieser Vorgang kann mehrere Stunden dauern und läuft in einer systematischen Abfolge von Schlägen und Hebelbewegungen ab.
Neben Kokosnüssen fressen die Tiere Früchte von Pandanus-Palmen, Feigen, andere Fallobstarten, Samen und organisches Material. Auch tierische Nahrung wird aufgenommen: Aas, tote Fische, Vogelküken, Eier und gelegentlich andere Krebstiere. Auf der Weihnachtsinsel wurde beobachtet, dass Kokosnusskrabben gezielt die Nester von Seevögeln aufsuchen. Diese opportunistische Ernährungsweise sichert die Versorgung mit Proteinen und Mineralstoffen, insbesondere Kalzium, das für die Aushärtung des Exoskeletts nach der Häutung benötigt wird.
Verhalten & Lebensweise
Kokosnusskrabben sind vorwiegend nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in ihren Bauten, um Wasserverlust zu minimieren, da sie über modifizierte Kiemen – sogenannte Branchiostegalorgane – atmen, die wie eine primitive Lunge funktionieren. Diese Organe müssen feucht bleiben, um den Gasaustausch zu gewährleisten, weshalb die Tiere ihre Höhlen gelegentlich mit Kokosfasern oder Pflanzenmaterial auskleiden, das Feuchtigkeit speichert.
Die Art lebt solitär und verteidigt Nahrungsquellen gegenüber Artgenossen. Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist vor allem bei großen Männchen zu beobachten, die kleinere Individuen von ergiebigen Futterstellen vertreiben. Kokosnusskrabben verfügen über einen ausgezeichneten Geruchssinn, der über die Antennen vermittelt wird und der Nahrungssuche über größere Distanzen dient. In Laborversuchen reagierten die Tiere auf den Geruch reifer Früchte und Fleisch über Entfernungen von mehreren hundert Metern.
Ein besonderes Verhaltensmerkmal ist das regelmäßige Klettern auf Kokospalmen und andere Bäume, wobei die Tiere Höhen von über sechs Metern erreichen. Sie nutzen ihre kräftigen Laufbeine und die gebogenen Endklauen, um sich am Stamm festzuhalten. Das Klettern dient sowohl der Nahrungssuche als auch dem Rückzug vor Bodenfeinden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet an Land statt und wird in den meisten Populationen zwischen Mai und September beobachtet. Nach einer Balz, bei der das Männchen das Weibchen über Berührungsreize und chemische Signale stimuliert, kommt es zur Kopulation auf dem Boden. Das Weibchen trägt die befruchteten Eier an der Unterseite des Abdomens, wo sie an speziellen Pleopoden (Schwimmbeinen) befestigt sind.
Nach einer Tragezeit von mehreren Wochen wandert das Weibchen zum Meer und entlässt die Larven bei Flut ins Wasser.