T Tierlexikon.net
← Lexikon

Kometfalter

K

Tierart – weltweit > Insekten & Wirbellose – weltweit (weitere)

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Argema mittrei
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Pfauenspinner (Saturniidae)
  • Gattung: Argema
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder Madagaskars
  • Größe: Flügelspannweite bis zu 20 cm; Schwanzfortsätze der Hinterflügel bis 15 cm lang
  • Gewicht: ca. 5–8 g (Adulttier)
  • Lebenserwartung: Als Falter nur etwa 4–5 Tage; gesamter Lebenszyklus (Ei bis Tod) ca. 2–3 Monate

Aussehen & Merkmale

Der Kometfalter zählt zu den größten Schmetterlingen der Welt. Sein auffälligstes Merkmal sind die extrem verlängerten Schwanzfortsätze (Kaudae) der Hinterflügel, die bei Männchen eine Länge von bis zu 15 Zentimetern erreichen können. Diese schmalen, geschwungenen Verlängerungen verleihen dem Tier seinen deutschen Namen, da sie an den Schweif eines Kometen erinnern. Bei Weibchen fallen die Schwanzfortsätze deutlich kürzer und breiter aus.

Die Grundfärbung der Flügel ist ein intensives, leuchtendes Gelb, das je nach Lichteinfall ins Grünliche schimmern kann. Auf jedem der vier Flügel befindet sich ein runder, augenähnlicher Fleck – ein sogenannter Ocellus – mit braunem Rand und hellem Zentrum. Diese Augenflecken dienen vermutlich der Abschreckung von Fressfeinden. Der Körper ist von dichter, weißlicher bis gelblicher Behaarung bedeckt, die als Isolationsschicht gegen die kühlen Nachttemperaturen in den Bergwäldern Madagaskars dient.

Die Fühler der Männchen sind breit gefiedert und dienen dem Aufspüren weiblicher Pheromone über Distanzen von mehreren Kilometern. Die Fühler der Weibchen sind dagegen deutlich schmaler. Wie bei allen Vertretern der Pfauenspinner sind die Mundwerkzeuge der adulten Falter zurückgebildet – die Tiere besitzen keinen funktionsfähigen Saugrüssel und können daher keine Nahrung aufnehmen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Kometfalters beschränkt sich ausschließlich auf Madagaskar. Die Art ist damit ein typischer Endemit dieser Insel vor der Ostküste Afrikas. Das bevorzugte Habitat sind tropische und subtropische Regenwälder in Höhenlagen zwischen 200 und 1.200 Metern. Besonders häufig besiedelt der Kometfalter Waldgebiete im östlichen und zentralen Teil Madagaskars, wo die Luftfeuchtigkeit ganzjährig hoch und die Vegetation dicht ist.

Als Biotop dienen vorwiegend Bereiche, in denen die Raupen-Futterpflanze – vor allem Bäume der Gattung Eugenia (Jambosa) und Weinmannia – in ausreichender Dichte vorkommt. Die zunehmende Abholzung und Brandrodung auf Madagaskar hat das verfügbare Habitat in den vergangenen Jahrzehnten erheblich reduziert.

Ernährung

Die Raupen des Kometfalters ernähren sich von den Blättern verschiedener einheimischer Baumarten. Zu den bevorzugten Futterpflanzen gehören Eugenia-Arten, Weinmannia-Arten sowie gelegentlich Rhus-Arten. Die Raupen durchlaufen fünf Larvenstadien (Instare) und nehmen in dieser Phase den gesamten Energievorrat auf, den der spätere Falter zum Überleben und zur Fortpflanzung benötigt.

Adulte Kometfalter nehmen keinerlei Nahrung zu sich. Ihre verkümmerten Mundwerkzeuge erlauben weder das Saugen von Nektar noch die Aufnahme anderer Flüssigkeiten. Der Falter lebt somit ausschließlich von den Fettreserven, die das Raupenstadium angelegt hat. Diese Tatsache erklärt die extrem kurze Lebensspanne der erwachsenen Tiere.

Verhalten & Lebensweise

Der Kometfalter ist nachtaktiv. Die Männchen beginnen in der Dämmerung mit ihren ausgedehnten Suchflügen nach paarungsbereiten Weibchen. Dabei orientieren sie sich primär an Pheromonen, die sie mit ihren stark gefiederten Antennen wahrnehmen. Die Flugaktivität konzentriert sich auf die ersten Stunden nach Einbruch der Dunkelheit.

Tagsüber ruhen die Falter reglos an Baumstämmen oder im Blattwerk. Ihre gelbe Flügelfärbung bietet dabei in der lichtdurchfluteten Baumkrone eine gewisse Tarnung. Die langen Schwanzfortsätze können bei Angriffen von Fledermäusen – den wichtigsten nachtaktiven Prädatoren – als Ablenkungsziel wirken: Greift ein Räuber nach den Kaudae statt nach dem Körper, kann der Falter unter Verlust eines Flügelteils entkommen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung findet in den Nachtstunden statt und kann mehrere Stunden dauern. Das Weibchen legt anschließend 100 bis 170 Eier einzeln oder in kleinen Gruppen auf den Blättern der Futterpflanzen ab. Die Eier sind rundlich, etwa 3 Millimeter groß und von weißlicher Farbe.

Nach einer Entwicklungszeit von etwa 10 bis 14 Tagen schlüpfen die Raupen. Diese sind zunächst gelblich-grün und entwickeln im Laufe der fünf Häutungen eine auffällige grüne Färbung mit silbrig-weißen Haarbüscheln und kleinen, blauen Tuberkeln. Im letzten Larvenstadium erreicht die Raupe eine Länge von etwa 10 Zentimetern. Anschließend spinnt sie einen festen, pergamentartigen Kokon, der an einem Zweig befestigt wird. Die Puppenruhe dauert je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit zwischen zwei und sechs Monaten. Die Kokons weisen eine durchlässige, netzartige Struktur auf, die das Abfließen von Regenwasser ermöglicht – eine Anpassung an das feuchte Klima des Regenwaldes.