Kornkäfer
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Sitophilus granarius (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Käfer (Coleoptera)
- Familie: Rüsselkäfer (Curculionidae)
- Gattung: Sitophilus
- Lebensraum: Getreidespeicher, Mühlen, Silos, Lagerhäuser – nahezu ausschließlich synanthrop
- Größe: 2,5–5 mm Körperlänge
- Gewicht: ca. 2–3 mg
- Lebenserwartung: 7–8 Monate als Imago, unter günstigen Bedingungen bis zu 2 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Kornkäfer ist ein kleiner, länglich-ovaler Rüsselkäfer mit einer dunkelbraunen bis schwarzbraunen Färbung. Das Integument – die äußere Körperbedeckung – ist glatt und glänzend, ohne die hellen Flecken auf den Flügeldecken, die bei verwandten Arten wie dem Reiskäfer (Sitophilus oryzae) typisch sind. Dieses Merkmal ist eines der wichtigsten Unterscheidungskriterien zwischen den beiden eng verwandten Spezies.
Charakteristisch ist der namensgebende, nach vorn gerichtete Rüssel (Rostrum), der bei Rüsselkäfern den vorderen Teil des Kopfes bildet. Am Ende dieses Rüssels sitzen die kauenden Mundwerkzeuge, mit denen das Weibchen Löcher in Getreidekörner nagt. Die Fühler sind gekniet und keulenförmig verdickt, wie es für Vertreter der Curculionidae typisch ist.
Die Flügeldecken (Elytren) weisen deutliche Längsrillen (Punktstreifen) auf. Unter den Flügeldecken sind die Hinterflügel zurückgebildet – der Kornkäfer ist flugunfähig. Auch dies unterscheidet ihn vom flugfähigen Reiskäfer und vom Maiskäfer (Sitophilus zeamais). Der Halsschild (Pronotum) ist dicht und gleichmäßig punktiert, annähernd so lang wie breit.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Kornkäfers umfasst heute praktisch alle gemäßigten und subtropischen Regionen der Erde. Ursprünglich stammt die Art vermutlich aus dem Vorderen Orient, wo sie sich bereits vor Jahrtausenden an die Getreidelagerung des Menschen anpasste. Archäologische Funde belegen das Vorkommen von Sitophilus granarius in Getreidespeichern des alten Ägyptens und in römischen Handelsstationen.
Als obligater Vorratsschädling lebt der Kornkäfer nahezu ausschließlich in menschengemachten Habitaten: Getreidesilos, Mühlen, Lagerhäusern, Bäckereien und Futtermittellagern. In freier Natur kommt er praktisch nicht vor. Sein Biotop ist das gelagerte Getreide selbst. Aufgrund seiner Flugunfähigkeit breitet sich der Kornkäfer passiv aus – über den Transport befallener Ware, Verpackungsmaterialien und Fahrzeuge.
In den Tropen wird er weitgehend durch den Reiskäfer und den Maiskäfer verdrängt, die höhere Temperaturen besser tolerieren. In gemäßigten Klimazonen Europas, Nordamerikas und Teilen Asiens ist er dagegen einer der häufigsten Getreideschädlinge.
Ernährung
Der Kornkäfer ernährt sich von stärkehaltigen Getreideprodukten. Bevorzugt werden ganze Körner von Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Mais. Auch Buchweizen, Reis und gelegentlich Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Bohnen können befallen werden. Verarbeitete Produkte wie Mehl, Grieß oder Teigwaren werden von den adulten Käfern zwar angenommen, eignen sich aber nicht zur Eiablage, da die Larven auf intakte Körner angewiesen sind.
Die Larven fressen das Korninnere aus und hinterlassen dabei nur die leere Kornhülle. Ein starker Befall führt daher zu massiven Gewichts- und Qualitätsverlusten des gelagerten Getreides. Zusätzlich verunreinigen Kot, Häutungsreste und tote Käfer die Ware und fördern durch die freigesetzte Feuchtigkeit das Wachstum von Schimmelpilzen.
Verhalten & Lebensweise
Der Kornkäfer ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Er meidet Licht und zieht sich tagsüber in Ritzen, Spalten und tiefere Schichten des Lagergutes zurück. Bei Störungen stellt er sich tot – ein als Thanatose bezeichnetes Abwehrverhalten, das bei vielen Käferarten verbreitet ist. Die Tiere ziehen dabei Beine und Fühler eng an den Körper.
Die optimale Entwicklungstemperatur liegt zwischen 25 und 30 °C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent. Unterhalb von 12 °C stellt der Kornkäfer seine Entwicklung ein, bei Temperaturen unter 5 °C sterben die Tiere nach einigen Wochen. Temperaturen über 35 °C wirken ebenfalls letal. Diese Temperaturempfindlichkeit wird im integrierten Vorratsschutz gezielt genutzt: Durch Kühlung oder Erhitzung befallener Lagerräume lässt sich die Population wirksam dezimieren.
Der Kornkäfer bildet keine sozialen Strukturen. Er lebt solitär, wobei sich bei starkem Befall große Populationsdichten in einem Getreidevolumen entwickeln können. Durch den Stoffwechsel dicht gedrängter Populationen entstehen sogenannte Wärmenester im Lagergut, die den Befall zusätzlich beschleunigen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Zur Eiablage nagt das Weibchen mit seinem Rüssel ein kleines Loch in ein Getreidekorn und legt ein einzelnes Ei hinein. Anschließend verschließt es die Öffnung mit einem Sekretpfropf, der aushärtet und das Ei vor Austrocknung schützt. Pro Weibchen werden im Laufe des Lebens 150 bis 300 Eier abgelegt, jeweils eines pro Korn.
Die gesamte Larvenentwicklung findet innerhalb des Getreidekorns statt. Die Larve durchläuft vier Larvenstadien, verpuppt sich im ausgehöhlten