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Krebstiere

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Biologie & Ökologie > Systematik & Taxonomie

Definition und Überblick

Krebstiere (Crustacea) bilden einen artenreichen Unterstamm innerhalb der Gliederfüßer (Arthropoda). Mit über 70.000 beschriebenen Arten besiedeln sie nahezu alle aquatischen Lebensräume der Erde – von der Tiefsee bis zu Süßwasserquellen im Hochgebirge. Einige Gruppen, etwa die Landasseln, haben sekundär auch terrestrische Habitate erobert. Krebstiere umfassen winzige, nur Bruchteile eines Millimeters große Planktonorganismen ebenso wie die Japanische Riesenkrabbe mit einer Beinspannweite von über drei Metern. Ihre ökologische Bedeutung als Primärkonsumenten, Destruenten und Nahrungsgrundlage zahlreicher Wirbeltiere ist enorm. Zudem spielen viele Arten – etwa Garnelen, Hummer und Flusskrebse – eine erhebliche wirtschaftliche Rolle in Fischerei und Aquakultur.

Körperbau und Morphologie

Der Grundbauplan der Krebstiere folgt dem typischen Arthropoden-Schema: ein gegliederter Körper, ein Exoskelett aus Chitin (bei vielen Gruppen zusätzlich durch Kalkeinlagerungen gehärtet) sowie gegliederte Extremitäten. Der Körper gliedert sich klassisch in drei Tagmata:

  • Kopf (Cephalon) – trägt zwei Paar Antennen (ein Alleinstellungsmerkmal der Crustacea unter den Gliederfüßern), Mandibeln und zwei Paar Maxillen.
  • Rumpf (Thorax) – mit einer variablen Anzahl von Segmenten und Spaltbeinen, die je nach Art der Fortbewegung, Nahrungsaufnahme oder Atmung dienen.
  • Hinterleib (Abdomen/Pleon) – häufig mit Schwimmbeinen (Pleopoden) und einem terminalen Telson ausgestattet.

Bei vielen Zehnfußkrebsen (Decapoda) verschmelzen Kopf und Thorax zu einem Cephalothorax, der von einem Rückenschild, dem sogenannten Carapax, bedeckt wird. Das Exoskelett wird regelmäßig durch Häutungen (Ecdysis) abgestreift, um Wachstum zu ermöglichen. Die Komplexaugen sitzen bei vielen Arten auf beweglichen Stielen, was ein weites Sehfeld erlaubt. Die Atmung erfolgt bei wasserlebenden Formen über Kiemen, bei Landasseln über modifizierte Strukturen, die als „Pseudotracheen" bezeichnet werden.

Systematik und wichtige Gruppen

Die innere Systematik der Krebstiere wurde durch molekularphylogenetische Studien in den letzten Jahrzehnten grundlegend überarbeitet. Traditionell wurden die Crustacea als monophyletische Gruppe den Insekten gegenübergestellt. Neuere Analysen zeigen jedoch, dass die Insekten (Hexapoda) tief innerhalb der Krebstiere verschachtelt sind. Daraus ergibt sich das Taxon Pancrustacea (auch Tetraconata genannt), in dem Krebstiere ohne die Insekten eine paraphyletische Gruppierung darstellen. Im klassischen Sinne werden dennoch folgende Hauptgruppen unterschieden:

  • Branchiopoda (Kiemenfußkrebse) – dazu zählen Wasserflöhe (Daphnia), Feenkrebse und Urzeitkrebse (Triops). Sie leben überwiegend im Süßwasser.
  • Copepoda (Ruderfußkrebse) – eine der individuenreichsten Tiergruppen im marinen Plankton. Sie bilden ein zentrales Glied in ozeanischen Nahrungsnetzen.
  • Ostracoda (Muschelkrebse) – kleine, von einer zweiklappigen Schale umgebene Krebse mit einem hervorragenden Fossilbericht.
  • Malacostraca (Höhere Krebse) – die artenreichste Klasse, zu der Zehnfußkrebse (Krabben, Garnelen, Hummer, Flusskrebse), Asseln (Isopoda), Flohkrebse (Amphipoda) und Fangschreckenkrebse (Stomatopoda) gehören.
  • Cirripedia (Rankenfußkrebse) – sessile Formen wie Seepocken und Entenmuscheln, die als Erwachsene fest am Substrat verankert leben und sich durch Strudeln ernähren.
  • Remipedia – eine erst 1981 entdeckte Gruppe augenloser Höhlenkrebse, die als mögliche Schwestergruppe der Insekten diskutiert wird.

Lebensweise und Ökologie

Krebstiere nehmen in nahezu allen aquatischen Ökosystemen Schlüsselpositionen ein. Planktonische Formen wie Copepoden und Krill (Euphausiacea) wandeln pflanzliches Phytoplankton in tierische Biomasse um und dienen als Hauptnahrung für Bartenwale, Pinguine und zahlreiche Fischarten. Der Antarktische Krill (Euphausia superba) gehört mit einer geschätzten Gesamtbiomasse von mehreren Hundert Millionen Tonnen zu den biomassereichsten Tierarten der Erde.

Am Meeresboden leben viele Krebstiere als Destruenten, die organisches Material zersetzen und so den Nährstoffkreislauf aufrechterhalten. Landasseln erfüllen eine vergleichbare Funktion in terrestrischen Habitaten, wo sie Falllaub und totes Pflanzenmaterial zerkleinern. Andere Arten sind Räuber, Filtrierer oder Parasiten – etwa die Fischläuse (parasitische Copepoden) oder die Sacculina, eine parasitische Rankenfußkrebsart, die Krabben befällt und deren Hormonsystem manipuliert.

Viele Krebstiere durchlaufen eine komplexe Larvalentwicklung. Typische Larvenstadien sind die Nauplius-Larve – mit drei Extremitätenpaaren und einem medianen Naupliusauge – und die darauf folgenden Zoea- und Megalopa-Stadien bei Zehnfußkrebsen. Diese Larvalphasen ermöglichen eine breite Ausbreitung über Meeresströmungen.

Gefährdung und Schutz

Obwohl Krebstiere insgesamt eine äußerst erfolgreiche Tiergruppe sind, stehen einzelne Arten unter erheblichem Druck. Der europäische Edelkrebs (Astacus astacus) wurde durch die aus Nordamerika eingeschleppte