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Kropf

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Anatomie & Körperbau > Innere Organe & Systeme

Definition & Überblick

Der Kropf (lat. Ingluvies) ist eine sackförmige Erweiterung der Speiseröhre (Oesophagus), die als Vorratsraum für aufgenommene Nahrung dient. Er kommt vor allem bei Vögeln (Aves) vor, findet sich aber in funktionell analoger Form auch bei einigen Wirbellosen, etwa bei Insekten und Regenwürmern. Anatomisch liegt der Kropf bei Vögeln im Bereich des unteren Halses bzw. der oberen Brusteingangsregion, unmittelbar vor dem eigentlichen Drüsenmagen (Proventriculus). Er gehört zum oberen Verdauungstrakt und übernimmt primär eine Speicher- und Quellungsfunktion, bevor die Nahrung in die eigentlichen Magenabschnitte weitertransportiert wird.

Nicht alle Vogelarten besitzen einen ausgeprägten Kropf. Während er bei Hühnervögeln (Galliformes), Tauben (Columbiformes), Papageien (Psittaciformes) und Greifvögeln (Accipitriformes) deutlich entwickelt ist, fehlt er bei manchen Arten oder ist nur als spindelförmige Erweiterung der Speiseröhre angedeutet.

Aufbau & Struktur

Histologisch entspricht der Kropf in seinem Grundaufbau der Speiseröhre, zeigt aber artspezifische Modifikationen. Die Wand des Kropfes gliedert sich in die typischen Schichten der Verdauungsorgane:

  • Tunica mucosa (Schleimhaut): Sie besteht bei den meisten Vögeln aus einem mehrschichtigen, teilweise verhornten Plattenepithel. In die Lamina propria sind Schleimdrüsen (Glandulae ingluviales) eingebettet, deren Sekret die Nahrung gleitfähig macht und den Quellvorgang unterstützt.
  • Tunica muscularis: Eine dünne Schicht glatter Muskulatur, bestehend aus einer inneren Ring- und einer äußeren Längsmuskelschicht, ermöglicht die peristaltische Weiterbewegung des Nahrungsbreis in Richtung Magen.
  • Tunica serosa bzw. Adventitia: Die äußere Bindegewebsschicht verankert den Kropf in der umgebenden Halsregion.

Die Dehnungsfähigkeit der Kropfwand ist bemerkenswert. Bei leerem Zustand liegt die Schleimhaut in zahlreichen Längsfalten, die sich bei Füllung vollständig entfalten und eine erhebliche Volumenzunahme ermöglichen. Beim Haushuhn (Gallus gallus domesticus) kann der gefüllte Kropf ein Volumen von etwa 30–50 ml erreichen, bei großen Greifvögeln noch deutlich mehr.

Funktion

Die Hauptfunktion des Kropfes ist die Zwischenspeicherung der aufgenommenen Nahrung. Vögel fressen häufig hastig und nehmen große Mengen in kurzer Zeit auf – der Kropf puffert diese Nahrungsmengen und gibt sie portionsweise an den Drüsenmagen weiter. Dieser regulierte Weitertransport optimiert die enzymatische Verdauung in den nachgeschalteten Magenabschnitten.

Im Kropf selbst findet keine nennenswerte enzymatische Verdauung statt, da körpereigene Verdauungsenzyme fehlen. Allerdings kommt es durch die Feuchtigkeit der Schleimdrüsen und die Körperwärme zu einem Aufquellen und Erweichen fester Nahrungsbestandteile wie Körner und Sämereien. Zudem kann eine mikrobielle Fermentation durch die natürliche Kropfflora (v. a. Laktobazillen, Hefen) einsetzen, die einen gewissen Vorverdauungseffekt bewirkt.

Eine Sonderfunktion übernimmt der Kropf bei der Fütterung der Jungtiere: Viele Vogelarten würgen vorverdaute Nahrung aus dem Kropf hervor, um ihre Nestlinge zu füttern. Bei Tauben und einigen Papageienarten geht diese Funktion noch weiter – hier bildet sich die sogenannte Kropfmilch.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die Ausbildung des Kropfes variiert erheblich zwischen den Vogelordnungen:

  • Hühnervögel (Galliformes): Großer, deutlich abgesetzter Kropf als rechtsseitige Aussackung der Speiseröhre. Dient der Speicherung von Körnern und Sämereien.
  • Tauben (Columbiformes): Zweiteiliger Kropf mit zwei symmetrischen Seitentaschen. Einzigartig ist die Produktion von Kropfmilch (Pigeon milk), einem nährstoffreichen Sekret aus abgeschilferten Epithelzellen, das unter dem Einfluss von Prolaktin gebildet und an die Nestlinge verfüttert wird.
  • Papageien (Psittaciformes): Gut entwickelter Kropf, ebenfalls mit Fähigkeit zur Kropfmilchproduktion bei einigen Arten. Wichtig für die Jungenaufzucht.
  • Greifvögel (Accipitriformes): Spindelförmig erweiterter Kropf, der als Fleischspeicher dient. Unverdauliche Bestandteile wie Knochen, Federn und Haare werden später als Gewölle (Speiballen) hervorgewürgt.
  • Eulen (Strigiformes): Kein eigentlicher Kropf vorhanden; die Speiseröhre ist nur geringfügig erweiterbar. Das Gewölle wird im Muskelmagen geformt.
  • Entenvögel und Gänse (Anseriformes): Kein typischer Kropf, lediglich eine spindelförmige Erweiterung der Speiseröhre.

Außerhalb der Vögel finden sich analoge Strukturen bei Insekten (hier als Teil des Vorderdarms) und bei Blutegeln, wo der Kropf zur Speicherung der Blutmahlzeit dient.

Besonderheiten

Die Kropfmilch der Tauben