Kugelgürteltier
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tolypeutes (Gattung); zwei Arten: Südliches Kugelgürteltier (Tolypeutes matacus) und Brasilianisches Kugelgürteltier (Tolypeutes tricinctus)
- Ordnung: Gepanzerte Nebengelenktiere (Cingulata)
- Familie: Gürteltiere (Dasypodidae) bzw. nach neuerer Systematik Chlamyphoridae
- Gattung: Tolypeutes
- Lebensraum: Trockenwälder, Savannen, Cerrado und Caatinga Südamerikas
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 21–27 cm, Schwanzlänge 6–8 cm
- Gewicht: 1,0–1,8 kg
- Lebenserwartung: In freier Wildbahn etwa 12–15 Jahre, in Gefangenschaft bis 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Kugelgürteltiere gehören zu den kleineren Vertretern der Gürteltiere. Ihr auffälligstes Merkmal ist der Knochenpanzer, der aus einzelnen, von Hornschuppen bedeckten Knochenplatten besteht. Dieser Panzer gliedert sich in einen starren Schulter- und Beckenschild sowie drei bewegliche Bänder (Gürtel) dazwischen – daher der wissenschaftliche Artname tricinctus (dreigürtelig) bei der brasilianischen Art. Beim Südlichen Kugelgürteltier sind ebenfalls drei, gelegentlich zwei bewegliche Bänder vorhanden.
Die Körperunterseite ist nicht gepanzert, sondern mit spärlichem, borstigem Fell bedeckt. Die Haut dort ist weich und verletzlich – genau dieser Umstand erklärt die namensgebende Verteidigungsstrategie des Einrollens. Die Grundfarbe des Panzers variiert von dunkelbraun bis gelblich-braun. Die Ohren sind relativ kurz und abgerundet, die Augen klein. Die Vorderfüße tragen kräftige, gebogene Krallen, die zum Graben geeignet sind, wenngleich Kugelgürteltiere seltener graben als viele ihrer Verwandten.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Tolypeutes erstreckt sich über weite Teile Südamerikas. Das Südliche Kugelgürteltier (T. matacus) bewohnt den Gran Chaco und angrenzende Trockengebiete in Bolivien, Paraguay, Argentinien und dem südwestlichen Brasilien. Das Brasilianische Kugelgürteltier (T. tricinctus) ist ein Endemit des östlichen Brasiliens und kommt vor allem in der Caatinga sowie im Cerrado vor.
Als Habitat bevorzugen beide Arten offene bis halboffene Landschaften mit trockenen Böden: lichte Trockenwälder, Dornbuschsavannen und Grasländer. Dichte tropische Regenwälder werden gemieden. Anders als viele andere Gürteltierarten sind Kugelgürteltiere keine ausgeprägten Höhlengräber. Sie nutzen zwar gelegentlich verlassene Baue anderer Tiere, ruhen aber häufig auch in dichter Bodenvegetation oder unter Laubstreu.
Ernährung
Kugelgürteltiere ernähren sich überwiegend von Insekten und deren Larven. Ameisen und Termiten stellen den Hauptanteil der Nahrung dar. Die Tiere brechen mit ihren Krallen Termitenbauten auf oder wühlen in der Laubstreu nach Beute. Ergänzend nehmen sie Käfer, Tausendfüßer, Spinnen und andere Wirbellose auf. Gelegentlich fressen sie auch Früchte, Samen und weiches Pflanzenmaterial, was sie als opportunistische Allesfresser mit deutlichem Schwerpunkt auf tierischer Kost kennzeichnet.
Die Nahrungssuche erfolgt vorwiegend über den Geruchssinn. Die Tiere bewegen sich dabei langsam mit gesenkter Schnauze über den Boden und stöbern systematisch in Laub und lockerer Erde.
Verhalten & Lebensweise
Kugelgürteltiere sind vorwiegend nachtaktiv, zeigen in kühleren Regionen oder Jahreszeiten aber auch tagaktive Phasen. Sie leben einzelgängerisch und beanspruchen keine festen Reviere im engeren Sinn, durchstreifen aber individuelle Streifgebiete, die sich mit denen anderer Artgenossen überlappen können.
Die namensgebende Besonderheit dieser Gattung ist die Fähigkeit, sich bei Gefahr vollständig zu einer nahezu perfekten Kugel zusammenzurollen. Dabei wird der Kopf eingezogen, der Schwanz legt sich passgenau in eine Einkerbung des Kopfschildes, und Schulter- sowie Beckenpanzer schließen sich lückenlos zusammen. Die weiche Bauchseite ist dann komplett geschützt. Unter allen rund 20 rezenten Gürteltierarten beherrschen ausschließlich die beiden Tolypeutes-Arten dieses vollständige Einrollen. Andere Gürteltiere können sich lediglich teilweise zusammenkrümmen oder graben sich bei Bedrohung in den Boden ein.
Die Fortbewegung wirkt etwas unbeholfen: Kugelgürteltiere laufen häufig auf den Krallen der Vorderfüße und können bei Gefahr überraschend schnell kurze Sprints einlegen, bevor sie sich zusammenrollen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit ist nicht streng saisonal gebunden, fällt aber häufig in die trockeneren Monate. Nach einer Tragzeit von etwa 120 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt, seltener Zwillinge. Wie bei vielen Gürteltieren wird eine verzögerte Einnistung (Keimruhe) diskutiert, was die tatsächliche Dauer der Trächtigkeit variabel erscheinen lässt.
Das Neugeborene wiegt rund 100 Gramm und besitzt bereits einen weichen, lederartigen Panzer, der in den ersten Lebenswochen zunehmend aushärtet. Die Jungtiere werden mehrere Wochen gesäugt und beginnen nach etwa einem Monat, feste Nahrung aufzunehmen. Mit rund drei Monaten sind sie weitgehend selbstständig. Die Geschlechtsreife tritt im Alter von etwa neun bis zwölf Monaten ein.