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Lagune

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Biologie & Ökologie > Lebensräume – Typen

Definition und Überblick

Eine Lagune ist ein flaches Gewässer, das durch eine natürliche Barriere – etwa eine Nehrung, ein Riff oder eine Sandbank – ganz oder teilweise vom offenen Meer getrennt ist. Der Begriff leitet sich vom lateinischen lacuna (Vertiefung, Lücke) ab und wurde durch die berühmte Laguna di Venezia international bekannt. Lagunen zählen zu den produktivsten und artenreichsten Lebensräumen der Erde. Sie bilden eine Übergangszone zwischen Land und Meer, in der sich Süß- und Salzwasser mischen können, und stellen damit einen eigenständigen Typus innerhalb der Küstenökosysteme dar.

Entstehung und geologische Grundlagen

Lagunen entstehen durch unterschiedliche geologische und hydrodynamische Prozesse. Am häufigsten bilden sie sich, wenn küstenparallele Strömungen Sand und Sediment zu Nehrungen oder Barriereinseln aufschütten, die ein dahinterliegendes Flachwassergebiet vom offenen Ozean abtrennen. Dieser Vorgang wird als Barrierebildung bezeichnet. In tropischen Regionen können Korallenriffe eine ähnliche Funktion übernehmen: Das Saumriff oder Barriereriff schließt eine Wasserfläche ein und schafft so eine Rifflagune, wie sie etwa bei Atollen vorkommt.

Weitere Entstehungsmechanismen umfassen tektonische Absenkungen, den nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg sowie die Ablagerung von Flusssedimenten in Deltabereichen. Die meisten heute existierenden Lagunen sind geologisch jung – sie bildeten sich während der letzten 5.000 bis 7.000 Jahre, als sich der Meeresspiegel nach der letzten Eiszeit stabilisierte.

Typen von Lagunen

Je nach Lage, Salinität und Verbindung zum Meer lassen sich verschiedene Lagunentypen unterscheiden:

  • Küstenlagunen (Strandseen): Flache, langgestreckte Wasserkörper hinter Nehrungen oder Strandwällen, häufig mit schmalen Durchlässen (Tidale Inlets) zum Meer verbunden. Beispiele sind die Boddengewässer an der deutschen Ostseeküste oder das Haff.
  • Riff- oder Atolllagunen: Von Korallenriffen umschlossene Flachwasserzonen in tropischen Ozeanen. Die Wassertiefe kann hier bis zu 80 Meter betragen.
  • Flussmündungslagunen: Entstehen dort, wo Flüsse in küstennahe Senken münden und Barrieren den Abfluss zum Meer einschränken. Diese Systeme weisen oft einen starken Salinitätsgradienten auf.
  • Hypersaline Lagunen: In ariden Klimazonen, in denen die Verdunstung den Süßwasserzufluss übersteigt, können Lagunen einen Salzgehalt entwickeln, der deutlich über dem des Meerwassers liegt.

Ökologische Merkmale und Lebensgemeinschaften

Lagunen zeichnen sich durch eine hohe Primärproduktion aus. Die geringe Wassertiefe ermöglicht eine effiziente Lichtdurchdringung, und der Eintrag von Nährstoffen aus Flüssen, Grundwasser und Gezeitenströmen fördert das Wachstum von Phytoplankton, Makroalgen und Seegraswiesen. Diese Pflanzengemeinschaften bilden die Grundlage eines komplexen Nahrungsnetzes.

Die Tierwelt ist sowohl arten- als auch individuenreich. Typische Bewohner sind:

  • Wirbellose: Muscheln, Schnecken, Polychaeten (Vielborster), Garnelen und Krebse besiedeln das Sediment und die Wassersäule. Besonders Herzmuscheln und Wattschnecken erreichen hohe Bestandsdichten.
  • Fische: Viele kommerziell bedeutsame Fischarten wie Meeräschen, Barsche, Flundern und Aale nutzen Lagunen als Aufwuchsgebiet (Kinderstube). Jungfische finden hier Nahrung und Schutz vor Raubfischen des offenen Meeres.
  • Vögel: Lagunen sind Rastplätze und Brutgebiete für zahlreiche Wat- und Wasservögel. Flamingos, Säbelschnäbler, Seeregenpfeifer, Kormorane und diverse Reiherarten sind auf diese Habitate angewiesen. Die Bedeutung als Trittsteinbiotop entlang internationaler Zugvogelrouten ist enorm.
  • Reptilien und Säugetiere: In tropischen Lagunen leben Meeresschildkröten und Krokodile, vereinzelt auch Seekühe (Manatis) und Delfine, die über tidale Öffnungen einwandern.

Der Salzgehalt schwankt in vielen Lagunen erheblich – von nahezu Süßwasser bis zu vollmarinen Bedingungen. Diese Schwankungen setzen die dort lebenden Organismen unter physiologischen Stress, sodass vor allem euryhaline Arten dominieren, also Lebewesen, die ein breites Spektrum an Salzkonzentrationen tolerieren.

Ökosystemleistungen und wirtschaftliche Bedeutung

Lagunen erbringen zahlreiche Ökosystemleistungen. Sie wirken als natürliche Kläranlagen, indem Sedimente und Vegetation Schadstoffe und überschüssige Nährstoffe filtern. Gleichzeitig dienen sie als Puffer bei Sturmfluten und schützen die Küstenlinie vor Erosion. Die Fischerei in Lagunen hat weltweit eine lange Tradition: Bereits in der Antike wurden in mediterranen Lagunen Fischfallen und Zuchtbecken angelegt – eine Praxis, die als Vallicultura bis heute in Norditalien fortbesteht. Auch Aquakultur, Salinen und Tourismus sind wirtschaftlich eng an Lagunenökosysteme gebunden.

Bedrohungen und Schutz

Trotz ihrer ökologischen und wirtschaftlichen Bedeutung zählen Lagunen weltweit zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen. Die größten Bedrohungen umfassen:

  • Eutrophierung: Übermäßiger Eintrag von Stickstoff und Phosphor aus Landwirtschaft und Siedlungsabwässern führt zu Algenblüten und Sauerstoffmangel.
  • Lebensraumverlust: Landgewinnung, Hafenausbau und Urbanisierung zerstören Lagunenränder und Feu