Landkärtchen
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Araschnia levana
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
- Unterfamilie: Fleckenfalter (Nymphalinae)
- Gattung: Araschnia
- Flügelspannweite: 28–40 mm
- Gewicht: ca. 0,1–0,3 g
- Lebenserwartung: als Falter etwa 2–4 Wochen; Gesamtentwicklung (Ei bis Imago) mehrere Monate
- Lebensraum: feuchte Laubwälder, Waldränder, Auwälder, Bachränder
- Verbreitung: Europa und gemäßigtes Asien
Aussehen & Merkmale
Das Landkärtchen ist unter den mitteleuropäischen Tagfaltern ein einzigartiger Fall von ausgeprägtem Saisondimorphismus. Die Frühjahrsgeneration (forma levana) und die Sommergeneration (forma prorsa) unterscheiden sich so stark in ihrer Flügelfärbung, dass sie lange für zwei verschiedene Arten gehalten wurden.
Die Falter der Frühjahrsgeneration tragen auf der Flügeloberseite ein überwiegend orangebraunes Grundmuster mit schwarzen Flecken und hellen Bereichen. Die Unterseite zeigt ein feines, netzartiges Muster aus rötlichen, braunen und weißen Linien – dieses kartenartige Linienmuster gab der Art ihren deutschen Namen.
Die Sommergeneration hingegen ist auf der Flügeloberseite vorwiegend schwarzbraun gefärbt mit einer markanten weißen Binde, die quer über Vorder- und Hinterflügel verläuft. Zusätzlich finden sich kleine orangefarbene und weiße Flecke am Flügelrand. Die Flügelunterseite zeigt ebenfalls das charakteristische landkartenartige Adernetz, ist aber insgesamt dunkler und violettstichiger als bei der Frühjahrsform.
Der Körper ist schlank, die Fühler deutlich gekeult – ein typisches Merkmal der Tagfalter (Rhopalocera). Die Vorderbeine sind wie bei allen Edelfaltern zu kleinen Putzpfoten zurückgebildet und werden nicht zum Laufen genutzt. Die Flügelschuppen sind fein strukturiert und für die jeweilige Färbung verantwortlich.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Araschnia levana erstreckt sich von Westeuropa über Mittel- und Osteuropa bis nach Japan. In Skandinavien und auf den Britischen Inseln fehlt die Art weitgehend, ebenso im Mittelmeerraum. In Deutschland ist das Landkärtchen in allen Bundesländern vertreten und zählt zu den häufigeren Tagfalterarten, wobei lokale Bestandsschwankungen vorkommen.
Als Habitat bevorzugt das Landkärtchen feuchte, halbschattige Standorte. Typische Biotope sind Laubmischwälder, Auwälder entlang von Bächen und Flüssen, Waldlichtungen und buschreiche Waldränder. Entscheidend für das Vorkommen ist die Verfügbarkeit der Raupennahrungspflanze, der Großen Brennnessel (Urtica dioica), die an nährstoffreichen, feuchten Standorten gedeiht. Offene Landschaften ohne Gehölzstrukturen werden gemieden.
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Verbreitungsgebiet in einigen Regionen nach Norden und Westen ausgedehnt, was möglicherweise mit klimatischen Veränderungen zusammenhängt.
Ernährung
Die Raupen des Landkärtchens ernähren sich ausschließlich von Brennnesseln, vor allem von der Großen Brennnessel (Urtica dioica). Sie fressen gesellig an der Blattunterseite und skelettieren die Blätter zunächst, bevor sie später ganze Blattspreiten verzehren. Die Raupen sind schwarz gefärbt, mit verzweigten Dornen besetzt und tragen feine weiße Punkte.
Die adulten Falter saugen Nektar an verschiedenen Blütenpflanzen. Bevorzugt werden flache Blütenstände, etwa von Wiesen-Schaumkraut, Baldrian, Brombeere, Wasserdost und verschiedenen Doldenblütlern. Gelegentlich nehmen Landkärtchen auch Feuchtigkeit und Mineralstoffe an feuchten Bodenstellen auf.
Verhalten & Lebensweise
Das Landkärtchen ist ein tagaktiver Falter, der bei Sonnenschein und warmem Wetter fliegt. Der Flug wirkt etwas flatternd und wenig zielgerichtet, wobei die Tiere meist in Bodennähe oder in Höhe der Krautschicht unterwegs sind. Die Falter sind wenig scheu und lassen sich häufig beim Blütenbesuch gut beobachten.
Ein eigentliches Revierverhalten wie bei einigen anderen Tagfaltern (etwa dem Tagpfauenauge oder dem Admiral) ist beim Landkärtchen nicht ausgeprägt. Männchen patrouillieren entlang von Waldwegen und Schneisen auf der Suche nach Weibchen. Bei kühler oder regnerischer Witterung ruhen die Falter mit geschlossenen Flügeln an der Vegetation.
Die Raupen leben in den ersten Larvenstadien gesellig in lockeren Gespinsten an den Brennnesseln. Ab dem dritten oder vierten Stadium vereinzeln sie sich zunehmend.
Fortpflanzung & Aufzucht
Das Landkärtchen bildet in Mitteleuropa zwei Generationen pro Jahr aus (bivoltin). Die Frühjahrsgeneration fliegt von April bis Juni, die Sommergeneration von Juli bis August. In besonders warmen Jahren kann eine partielle dritte Generation auftreten, deren Falter Merkmale beider Formen mischen (forma porima).
Die Weibchen legen ihre Eier in charakteristischen Türmchen von 6 bis 10 Eiern übereinander an der Unterseite von Brennnesselblättern ab. Diese säulenartigen Gelege sind ein sicheres Erkennungsmerkmal der Art. Ein Weibchen kann insgesamt 100 bis 200 Eier ablegen.
Die Raupen durchlaufen fünf Larvenstadien über einen Zeitraum von etwa drei bis vier Wochen. Die Verpuppung erfolgt als Stürzpuppe, die frei an Pflanzenstängeln oder Blättern hängt. Die Puppe ist grau bis braun und