Laubwald
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Definition und Überblick
Als Laubwald bezeichnet man einen Waldtyp, dessen Baumbestand überwiegend aus laubabwerfenden Gehölzen besteht. Im Gegensatz zum Nadelwald oder Mischwald dominieren hier Baumarten wie Buche, Eiche, Ahorn, Linde, Esche und Hainbuche. Der sommergrüne Laubwald ist in der gemäßigten Klimazone der Nordhalbkugel die natürliche Vegetationsform und prägt weite Teile Mitteleuropas, Ostasiens und des östlichen Nordamerikas. In Deutschland wäre ohne menschlichen Einfluss der größte Teil der Landesfläche von Laubwald bedeckt – tatsächlich machen Laubwälder heute nur noch rund 44 Prozent der Waldfläche aus, da über Jahrhunderte hinweg Nadelbaumarten wie Fichte und Kiefer für die Forstwirtschaft angepflanzt wurden.
Verbreitung und Klimabedingungen
Sommergrüne Laubwälder gedeihen in Regionen mit gemäßigtem Klima, in denen die Jahresmitteltemperatur zwischen 5 und 15 °C liegt und die jährliche Niederschlagsmenge mindestens 500 bis 600 Millimeter beträgt. Die Niederschläge verteilen sich relativ gleichmäßig über das Jahr, sodass keine ausgeprägte Trockenzeit auftritt. Der Wechsel von warmen Sommern und kalten Wintern mit einer Vegetationsperiode von etwa fünf bis sieben Monaten ist charakteristisch für diesen Lebensraum.
In Mitteleuropa bildet die Rotbuche (Fagus sylvatica) die häufigste und dominanteste Laubbaumart. Auf nährstoffreichen, tiefgründigen Böden entstehen ausgedehnte Buchenwälder, während auf trockeneren oder nährstoffärmeren Standorten Eichen-Hainbuchen-Wälder oder Eichen-Birken-Wälder vorherrschen. In Auenbereichen entlang von Flüssen entwickeln sich Auenwälder mit Erlen, Eschen und Weiden, die einen Sondertyp des Laubwaldes darstellen.
Stockwerkbau und Vegetationsstruktur
Ein ausgeprägtes Merkmal des Laubwaldes ist sein Stockwerkbau, also die vertikale Gliederung in mehrere Vegetationsschichten:
- Baumschicht: Sie bildet das Kronendach in einer Höhe von 25 bis 40 Metern. In Buchenwäldern ist das Kronendach oft so dicht geschlossen, dass nur wenig Licht den Waldboden erreicht.
- Strauchschicht: Zwischen zwei und fünf Metern Höhe wachsen Sträucher wie Hasel, Weißdorn, Holunder und Pfaffenhütchen. In schattigen Buchenwäldern ist diese Schicht oft nur spärlich entwickelt.
- Krautschicht: Gräser, Farne und krautige Pflanzen wie Buschwindröschen, Bärlauch, Waldmeister und Maiglöckchen besiedeln den Waldboden. Viele dieser Arten sind sogenannte Frühblüher, die im Frühjahr vor dem Laubaustrieb der Bäume blühen und die kurze Phase hoher Lichtverfügbarkeit am Boden nutzen.
- Moosschicht: Direkt auf dem Boden und auf Totholz siedeln Moose, Flechten und Pilze.
- Wurzelschicht: Unterirdisch bilden Baumwurzeln ein dichtes Geflecht, das oft in Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen steht.
Dieser Schichtaufbau schafft eine Vielzahl ökologischer Nischen und ist ein wesentlicher Grund für die hohe Artenvielfalt des Laubwaldes.
Tierwelt des Laubwaldes
Der Laubwald bietet Lebensraum für eine artenreiche Fauna. Die verschiedenen Stockwerke und das saisonale Nahrungsangebot ermöglichen die Koexistenz zahlreicher Tierarten.
Unter den Säugetieren zählen Rothirsch, Reh, Wildschwein, Dachs, Rotfuchs, Siebenschläfer, Eichhörnchen und verschiedene Fledermausarten zu den typischen Bewohnern. Wildschweine profitieren besonders von den Eicheln und Bucheckern, die in sogenannten Mastjahren in großen Mengen anfallen. Baumhöhlen dienen Fledermäusen, Siebenschläfern und dem Baummarder als Quartier.
Die Vogelwelt ist besonders vielfältig. Spechte – allen voran der Buntspecht, der Schwarzspecht und der Mittelspecht – spielen eine Schlüsselrolle als Höhlenbauer. Ihre verlassenen Bruthöhlen werden von Nachnutzern wie Kleiber, Hohltaube, Waldkauz und verschiedenen Meisenarten besiedelt. Greifvögel wie Mäusebussard und Habicht nutzen die Baumkronen als Horstplatz. Am Waldboden brüten Rotkehlchen und Zaunkönig.
Unter den Amphibien und Reptilien finden sich Feuersalamander, Erdkröte und Blindschleiche, die feuchte, schattige Bereiche des Laubwaldes bevorzugen. Die Laubstreu bietet zudem Lebensraum für eine enorme Vielfalt an Wirbellosen: Laufkäfer, Tausendfüßer, Asseln, Spinnen und Schnecken zersetzen gemeinsam mit Pilzen und Bakterien das abgefallene Laub und tragen so zur Humusbildung und Nährstoffkreisläufen bei.
Jahreszeitlicher Wandel und ökologische Prozesse
Der Laubwald unterliegt einem ausgeprägten jahreszeitlichen Rhythmus. Im Frühjahr treiben die Bäume aus, und die Frühblüher am Waldboden nutzen das noch einfallende Licht. Im Sommer bildet das geschlossene Kronendach ein schattiges, kühles Waldinnenklima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Der Herbst bringt die Laubfärbung durch den Abbau von Chlorophyll und die Sichtbarwerdung von Carotinoiden und Anthocyanen. Der anschließende Laubfall liefert jährlich mehrere Tonnen organisches Material pro Hektar, das die Grundlage für die Zersetzungsprozesse im Boden bildet.
Die Streuschicht aus abgefallenem Laub ist ein eigener Mikrokosmos. In einer Handvoll Waldboden leben Mil