Laufkäfer
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Carabidae
- Ordnung: Käfer (Coleoptera)
- Familie: Laufkäfer (Carabidae)
- Anzahl der Arten: weltweit ca. 40.000, in Mitteleuropa über 750
- Lebensraum: Wälder, Wiesen, Felder, Moore, Ufergebiete, Gärten – nahezu alle terrestrischen Habitate
- Größe: 1,5 mm (kleinste Arten) bis über 60 mm (Gattung Anthia); heimische Arten meist 5–35 mm
- Gewicht: artabhängig, von wenigen Milligramm bis ca. 3 g
- Lebenserwartung: je nach Art 1–4 Jahre, einzelne Arten bis zu 5 Jahre
Aussehen & Merkmale
Laufkäfer besitzen den typischen Körperbau der Käfer mit drei deutlich gegliederten Abschnitten: Kopf (Caput), Halsschild (Pronotum) und Hinterleib (Abdomen), wobei letzterer von den Flügeldecken (Elytren) bedeckt wird. Die Elytren sind bei vielen Arten mit Längsrillen (Striae) und erhabenen Intervallen versehen, die als Bestimmungsmerkmal dienen. Die Körperoberfläche ist häufig glänzend und kann bei Arten wie dem Goldlaufkäfer (Carabus auratus) metallisch grün, golden oder kupferfarben schimmern. Andere Arten, etwa der Lederlaufkäfer (Carabus coriaceus), zeigen ein mattes, tiefes Schwarz mit ledrig gekörnter Oberfläche.
Charakteristisch sind die kräftigen, langen Beine, die den Laufkäfern ihren Namen geben und sie zu schnellen Läufern am Boden machen. Die Mundwerkzeuge sind als kräftige Mandibeln (Oberkiefer) ausgebildet – ein Hinweis auf die überwiegend räuberische Ernährung. Die fadenförmigen Fühler (Antennen) bestehen aus elf Gliedern und dienen der Orientierung und dem Aufspüren von Beutetieren. Viele Laufkäferarten haben ihre Hinterflügel zurückgebildet und sind flugunfähig, was ihre bodengebundene Lebensweise unterstreicht.
Lebensraum & Verbreitung
Die Familie Carabidae ist kosmopolitisch verbreitet und besiedelt alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Die höchste Artenvielfalt findet sich in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel. Laufkäfer kommen in nahezu jedem terrestrischen Biotop vor: in Laubwäldern und Nadelwäldern, auf Äckern und Grünland, in Mooren und Heiden, an Flussufern und Meeresküsten sowie in alpinen Regionen bis über 3.000 Meter Höhe.
Jede Art stellt dabei spezifische Ansprüche an ihr Habitat. Der Hainlaufkäfer (Carabus nemoralis) bevorzugt feuchte Laubwälder, während der Feldlaufkäfer (Carabus granulatus) offene, feuchte Wiesen und Ackerränder besiedelt. Uferläufer der Gattung Bembidion sind an vegetationsarme Kies- und Sandbänke entlang von Fließgewässern gebunden. Diese enge Habitatbindung vieler Arten macht Laufkäfer zu wichtigen Bioindikatoren: Ihre Artenzusammensetzung erlaubt Rückschlüsse auf den ökologischen Zustand eines Lebensraums.
Ernährung
Die überwiegende Mehrheit der Laufkäfer ernährt sich räuberisch. Zu ihrem Beutespektrum gehören Schnecken, Regenwürmer, Insektenlarven, Blattläuse und andere Wirbellose. Große Arten der Gattung Carabus überwältigen auch Nacktschnecken, indem sie mit ihren Mandibeln in das Weichgewebe beißen und vorverdauende Sekrete in die Beute injizieren – eine Form der extraintestinalen Verdauung. Einige Gattungen wie Harpalus und Amara ernähren sich dagegen teilweise oder überwiegend von Pflanzensamen und Pollen (granivore bzw. omnivore Ernährung). In der Landwirtschaft gelten Laufkäfer als bedeutende Nützlinge, da sie Schädlingspopulationen wirksam regulieren.
Verhalten & Lebensweise
Laufkäfer sind überwiegend nachtaktiv und verbringen den Tag in Verstecken unter Steinen, Totholz, Laub oder in Erdspalten. Mit Einbruch der Dämmerung beginnen sie ihre Streifzüge am Boden, wobei sie keine festen Reviere verteidigen, sondern opportunistisch nach Nahrung suchen. Die Fortbewegung erfolgt ausschließlich laufend – manche Arten erreichen dabei beachtliche Geschwindigkeiten relativ zu ihrer Körpergröße.
Bei Bedrohung verfügen Laufkäfer über verschiedene Abwehrmechanismen. Viele Arten sondern aus Analdrüsen übelriechende oder ätzende Sekrete ab, die Buttersäure, Methacylsäure oder andere organische Verbindungen enthalten. Der Bombardierkäfer (Brachinus crepitans), eine verwandte Art innerhalb der Carabidae, hat diese Verteidigungsstrategie perfektioniert: Durch eine chemische Reaktion im Hinterleib schleudert er ein fast 100 °C heißes, explosionsartig austretendes Gasgemisch auf Angreifer.
In den Wintermonaten halten Laufkäfer eine Überwinterungsruhe (Diapause), wobei sie sich in frostgeschützten Verstecken im Boden, unter Rinde oder in der Laubstreu vergraben. Je nach Art überwintern Imagines (adulte Käfer) oder Larven.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet bei den meisten mitteleuropäischen Arten im Frühjahr oder Frühsommer statt. Männchen suchen die Weibchen aktiv auf, eine ausgeprägte Balz findet nicht statt. Nach der Begattung legen die Weibchen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen in lockere Erde, unter Steine oder in Moos. Die Gelegegröße variiert artspezifisch zwischen wenigen Dutzend und mehreren Hundert Eiern.