T Tierlexikon.net
← Lexikon

Lefze

L

Anatomie & Körperbau > Kopf & Sinnesorgane

Definition & Überblick

Als Lefze (Plural: Lefzen) wird in der Veterinäranatomie die Lippe des Tieres bezeichnet, insbesondere bei Hunden, Pferden und Wiederkäuern. Der lateinische Fachausdruck lautet Labium (Plural: Labia), wobei zwischen der Oberlippe (Labium superius) und der Unterlippe (Labium inferius) unterschieden wird. Der Übergangsbereich, an dem Ober- und Unterlippe zusammentreffen, heißt Lippenwinkel (Angulus oris) oder im allgemeinen Sprachgebrauch auch Mundwinkel.

Die Lefzen bilden den äußeren Rahmen der Mundspalte (Rima oris) und damit den Eingang zur Maulhöhle (Cavum oris). Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Nahrungsaufnahme, beim Trinken, bei der Lautgebung und bei der sozialen Kommunikation. Je nach Tierart variieren Form, Größe, Beweglichkeit und Beschaffenheit der Lefzen erheblich – ein klassisches Beispiel vergleichender Anatomie.

Aufbau & Struktur

Die Lefzen bestehen aus mehreren Gewebeschichten, die von außen nach innen wie folgt angeordnet sind:

  • Äußere Haut (Cutis): Die Außenseite ist von normaler, behaarter Haut bedeckt, die je nach Tierart Tast- und Sinushaare (Vibrissen) tragen kann. Bei vielen Raubtieren sind diese Tasthaare besonders ausgeprägt und dienen der räumlichen Orientierung.
  • Muskelschicht: Den Kernbestandteil bildet der Musculus orbicularis oris, ein ringförmiger Schließmuskel, der die Mundspalte umgibt. Ergänzt wird er durch zahlreiche weitere mimische Muskeln wie den Musculus levator nasolabialis, den Musculus depressor labii inferioris und den Musculus buccinator. Diese Muskulatur ermöglicht das Öffnen, Schließen, Vorstülpen und seitliche Bewegen der Lefzen.
  • Submukosa mit Drüsengewebe: In der Tiefe liegen zahlreiche Labialdrüsen (Glandulae labiales), die seröses und muköses Sekret produzieren. Dieses hält die Schleimhaut feucht und unterstützt die Gleitfähigkeit des Futterbreis.
  • Schleimhaut (Tunica mucosa): Die Innenseite der Lefzen ist von einer nicht verhornten, gut durchbluteten Schleimhaut ausgekleidet. Der Übergangsbereich zwischen äußerer Haut und innerer Schleimhaut wird als Lippenrot oder Übergangszone (Zona intermedia) bezeichnet, ist bei Tieren jedoch weit weniger ausgeprägt als beim Menschen.

Die Blutversorgung erfolgt hauptsächlich über die Arteria labialis superior und die Arteria labialis inferior, beides Äste der Arteria facialis. Die sensible Innervation der Oberlefze wird durch Äste des Nervus infraorbitalis (aus dem Nervus trigeminus, V. Hirnnerv) sichergestellt, während die Unterlefze vom Nervus mentalis versorgt wird. Die motorische Innervation der gesamten Lefzenmuskulatur übernimmt der Nervus facialis (VII. Hirnnerv).

Funktion

Die Lefzen erfüllen mehrere lebenswichtige Aufgaben:

  • Nahrungsaufnahme: Die Lefzen dienen dem Ergreifen, Abtrennen und Einspeicheln von Futter. Besonders bei Pflanzenfressern wie dem Pferd sind sie hochmobil und fungieren als präzises Greiforgan beim selektiven Abzupfen einzelner Grashalme und Kräuter.
  • Abdichtung der Maulhöhle: Während des Kauens und Schluckens schließen die Lefzen die Mundspalte, um ein Herausfallen des Futterbreis zu verhindern.
  • Trinken: Beim Saugvorgang junger Säugetiere am Gesäuge bilden die Lefzen einen dichten Verschluss um die Zitze. Adulte Tiere nutzen die Lefzen artspezifisch – Pferde saugen Wasser ein, Hunde schöpfen es mit der Zunge bei zurückgezogenen Lefzen.
  • Sensorik: Über die reichhaltige Innervation und die Tasthaare nehmen die Lefzen mechanische und thermische Reize wahr. Tiere prüfen damit Futter auf Temperatur, Konsistenz und Eignung.
  • Kommunikation: Beim Hund signalisiert das Hochziehen der Lefzen mit Entblößen der Fangzähne eine Drohgebärde. Beim Pferd kann das Aufstülpen der Oberlefze im Rahmen des Flehmens beobachtet werden, wobei Duftstoffe zum Jacobson-Organ (Organum vomeronasale) geleitet werden.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die vergleichende Anatomie zeigt erhebliche Unterschiede im Bau der Lefzen:

  • Hund (Canis lupus familiaris): Die Lefzen sind je nach Rasse unterschiedlich stark ausgeprägt. Bei brachyzephalen Rassen und Molossertypen wie Mastiff, Bernhardiner oder Neufundländer hängen die Lefzen stark herab und bilden ausgeprägte Lefzenfalten (Plicae labiales). Man spricht hier von pendelnden oder hängenden Lefzen. Der Lippenwinkel liegt weit kaudal, wodurch ein ausgeprägter Lefzenspalt entsteht, aus dem häufig Speichel austritt.
  • Katze (Felis catus): Die Lefzen sind straff, dünn und eng anliegend. Sie erlauben eine weite Mundöffnung, die dem Fangbiss dient.
  • Pferd (Equus caballus): Die Lefzen des Pferdes sind außerordentlich beweglich und muskulös. Die Oberlefze ist besonders lang und tastempfindlich. Sie funktioniert nahezu wie ein rudimentäres Greiforgan und trägt kräftige Tasthaare.
  • Rind (Bos taurus): Die Oberlef